Hamburg. Der Absatz von Solarstromanlagen in Deutschland wächst wieder. Diesen Schluss lassen Daten der beiden größten deutschen Höchstspannungsnetzbetreiber Eon und RWE zu, die der Frankfurter Rundschau vorliegen.
In den ersten neun Monaten erwarten die Konzerne, in deren Netzgebieten 80 Prozent aller heimischen Solaranlagen installiert sind, einen Zuwachs von 645 Megawatt (MW) Leistung auf zusammen 4800 MW. Hochgerechnet auf die Bundesrepublik ist bis Ende September mit einem Plus von rund 800 MW auf knapp 6000 MW zu rechnen.
Die weltweite Solarindustrie kommt heute in Hamburg zur 24. Europäischen Photovoltaik-Konferenz EU PVSEC zusammen, dem weltweit größten Branchentreff dieser Art. Erwartet werden 40.000 Besucher aus 100 Ländern.
Im Blickpunkt werden neben dem
Austausch neuester wirtschaftlicher
Erkenntnisse die Themen Effizienzsteigerung, Kostensenkungen und der Wettbewerbsdruck aus Asien stehen.
Deutschland ist der größte Markt für die Photovoltaik weltweit, wo
Solarstrom bisher allerdings erst für
0,5 Prozent des Strombedarfs sorgt.
Die Branche hält mittelfristig mehr als zehn Prozent für realistisch.
Wegweisend wird dabei die zukünftige politische Förderung sein.
Kritiker monieren eine zu starke
Subventionierung zulasten der
Stromverbraucher und fordern
deutliche Einschnitte.
Traditionell erwirtschaftet die Solarbranche in den letzten drei Monaten eines Jahres gut die Hälfte ihres Gesamtumsatzes. Im RWE-Netz wurden im letzten Quartal 2008 sogar 20 Prozent mehr Solarstromanlagen angeschlossen als in den ersten neun Monaten zusammen. Für das Gesamtjahr 2009 kann somit ein Zubau neuer Sonnenkraftwerke mit 1600 MW erwartet werden. Das entspricht der Kapazität von zwei mittelgroßen Atomkraftwerken.
Gegenüber dem Vorjahr, in dem nach Auskunft des Bundesumweltministeriums rund 1250 MW installiert wurden, wüchse der Markt in Deutschland damit um mehr als 25 Prozent.
Auch aus der Branche der Hersteller ist zu hören, dass der Absatz in den vergangenen Wochen deutlich angezogen habe. "Manch ein Unternehmen ist für 2009 schon ausverkauft, weil es nicht mit diesem Nachfrageschub gerechnet hat", sagt ein Branchenkenner. Viele hätten bestenfalls eine Stagnation erwartet.
Bernd Dechert vom Zentralverband des Deutschen Elektrohandwerks (ZVEH), das in Deutschland jede zweite Anlage montiert, bestätigt gegenüber der FR die "überraschend ansteigende Nachfrage". Hintergrund des solaren Run ist, dass die Einspeisevergütung für den Solarstrom zum neuen Jahr um zehn Prozent abgesenkt wird und zugleich in diesem Jahr die Anlagenpreise um bis zu 30 Prozent gefallen sind. Das macht die Solarinvestition attraktiv.
Eine Standardanlage mit zwei Kilowatt Leistung kostet im Schnitt zwischen 7000 und 8000 Euro netto. "80 Prozent der Kunden lassen Solarstromanlagen wegen der Rendite auf das Dach bauen", sagt Dechert. Um diesem Anspruch zu genügen, bevorzugten die Elektroinstallateure Produkte aus Deutschland: "Einheimische Ware ist im Vorteil." Die Handwerker griffen lieber auf bewährte Lieferanten und Hersteller zurück als auf Billigware etwa aus Asien. "Die Anlagen laufen 20 Jahre. Wenn die Qualität nicht stimmt, ist das für den Elektroinstallateur geschäftsschädigend."
Immerhin sei das Solargeschäft für mehr als 10.000 Elektrobetriebe in Deutschland ein "wesentliches Standbein". Auf Dumpingware zu setzen, käme da einem "Ritt auf der Rasierklinge" gleich, findet Dechert. Frank Asbeck, Chef des deutschen Solarkonzerns Solarworld, plädiert dafür, Qualitätskriterien zu einer Voraussetzung für die nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gezahlten Einspeisevergütungen zu machen.
Im Gegenzug bietet er eine beschleunigte Absenkung der Vergütungen an. "Ziel muss es sein, Solarstrom so schnell wie möglich wettbewerbsfähig zu machen", sagte er im Vorfeld der am heutigen Montag beginnenden Europäischen Solarstromkonferenz in Hamburg. "Eine stärkere Degression macht da durchaus Sinn. Wir müssen aber auch Umwelt- und Sozialstandards in der Produktion berücksichtigen, um keine Produkte zu fördern, die unter Dumpingbedingungen hergestellt wurden."
Aktuell werden die Vergütungen, die ein Betreiber bei Anschluss seiner Solarstromanlage erhält, jährlich um neun bis zehn Prozent abgesenkt und unabhängig von der eingesetzten Solartechnologie und den Produktionsbedingungen gezahlt.
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