München. Eine Reihe deutscher Großkonzerne plant ein spektakuläres Solarstrom-Projekt in Afrika. Der Versicherer Münchener Rück teilte mit, für den 13. Juli zu einem Gründungstreffen in München eingeladen zu haben.
Einen Beitritt zu der Initiative erwägen etwa E.on, RWE oder Siemens, aber auch Firmen aus dem Ausland soll der Zugang offenstehen. Ziel ist die großindustrielle Erzeugung von Ökostrom in den afrikanischen Wüsten. Experten schätzen das Projektvolumen auf 400 Milliarden Euro.
Nach Angaben der Münchener Rück haben auch Politiker aus Berlin und Brüssel sowie Vertreter nordafrikanischer Staaten ihr Kommen zu dem Treffen zugesagt. Innerhalb von drei Jahren sollen konkrete Umsetzungspläne erarbeitet werden.
Allein der Bau solarthermischer Kraftwerke dürfte etwa 350 Milliarden Euro verschlingen. Der Rest fließt wohl in den Bau neuer Gleichstrom-Hochspannungsnetze, die den Strom unter anderem nach Deutschland leiten würden.
Siemens ist Feuer und Flamme
Die Firmen beurteilten die Erfolgsaussichten des Projekts unterschiedlich. "Dies ist keine ferne Vision mehr, sondern technologisch bestechend und auch realisierbar", erklärte Münchener-Rück-Vorstand Torsten Jeworrek.
Bei Siemens war man Feuer und Flamme für das "Desertec"-Projekt, das auf Pläne des Club of Rome, einer Initiative von Wissenschaftlern und Politikern, sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zurückgeht.
"Desertec ist aus unserer Sicht ein visionäres und sehr spannendes Projekt. Eine Fläche von 300 mal 300 Kilometer mit Parabolspiegeln in der Sahara würde ausreichen, um den gesamten Energiebedarf der Erde zu decken", erklärte Siemens.
Die Energieriesen E.on und RWE wie auch die Deutsche Bank äußerten sich etwas zurückhaltender, erteilten einer Beteiligung an einem solchen Kraftwerksbau aber keine grundsätzliche Absage. Das sei ein interessantes Projekt, hieß es unisono. Entschieden sei aber noch nichts. Ähnlich äußerte sich der weltweitgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells.
Deutschlands größte Solarfirma Solarworld sieht die milliardenschweren Pläne dagegen skeptisch. "Baut man die Solarkraftwerke in politisch instabilen Ländern, bringt man sich in die gleiche Abhängigkeit wie beim Öl", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem gebe es noch keine Stromnetze, die diese Strommengen transportieren könnten. Grundsätzlich sei es aber richtig, Solarstrom dort zu produzieren, wo es am günstigsten sei.
Für die Börse klang das Solarprojekt am Dienstag noch zu sehr nach Zukunftsmusik. "Das interessiert im Moment noch keinen Anleger", sagte ein Händler. Die im TecDax notierten Solaraktien lagen denn auch allesamt im Minus. (rtr)
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