Die beiden größten deutschen Stromerzeuger Eon und RWE entdecken nach Jahren des Widerstands die Sonne als Energielieferant. "Solarthermische Kraftwerke sind unser nächstes Wachstumsziel", sagte Eon-Sprecher Christian Drepper der Frankfurter Rundschau.
Dabei geht es um große Kraftwerke in südlichen Regionen, die das Sonnenlicht über Spiegel bündeln, um damit heißen Dampf zur Stromerzeugung zu gewinnen. Auch für die Essener RWE sind Investitionen in solare Großkraftwerke nach Auskunft einer Sprecherin "mittelfristig wahrscheinlich".
Zwei Wege: Sonnenenergie kann sowohl direkt über Solarzellen in Strom verwandelt werden (Photovoltaik) als auch indirekt über die Konzentration des Lichts über Parabolspiegel auf eine Brennlinie. Dort wird eine Flüssigkeit erhitzt, die über einen Wärmetauscher Wasserdampf für Turbinen erzeugt (Concentrating Solar Power - CSP). Zentrale Erzeugung: Solarzellen sind prädestiniert für die dezentrale Strom- erzeugung etwa auf dem Häuserdach; die mehrere Fußballfelder großen CSP für die zentrale Gewinnung in heißen, bevölkerungsarmen Regionen. Wüstenstrom: Nach einer Studie des Deutschen Luft- und Raumfahrt- zentrums könnten CSP-Kraftwerke in Wüstenregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens, die den Strom über verlustarme Supraleiter transportieren, 2050 rund 15 Prozent des Stromverbrauchs Europas decken. Globale Energie: Neben Spanien verfolgen insbesondere die USA Pläne zum Ausbau der CSP. Präsident Obama hat Investitionshilfen von bis zu 30 Prozent für diese Kraftwerke angekündigt. In Kalifornien arbeiten die bis dato einzigen kommerziellen solarthermischen Kraftwerke.
Bisher sind die Stromriesen in der Solartechnologie kaum aktiv. Unter allen erneuerbaren Energien haben sie bisher einzig bei der Windkraft substanzielle Investitionen angekündigt.
Solare Spiegelkraftwerk, von denen derzeit in Spanien eine Handvoll entstehen, kosten nach Auskunft des Projektentwicklers Solar Millennium rund 300 Millionen Euro. Noch arbeitet in Europa keines dieser Kraftwerke kommerziell. Das soll sich in Kürze ändern.
Das Erlanger Unternehmen hat zusammen mit dem Baukonzern und Hochtief-Großaktionär ACS zwei 50 Megawatt (MW) starke Solarkraftwerke in Südspanien errichtet, die in diesem Jahr ans Netz sollen. Für zwei weitere Projekte seien "die Gespräche mit Großinvestoren weit fortgeschritten", versichert Solar-Millennium-Vorstandschef Christian Beltle.
Attraktiv könnte ein Einstieg für Fondsgesellschaften und Versicherungen sein, die in Zeiten der Finanzkrise nach sicheren Anlagen mit attraktiven Erträgen suchen. Da Spanien für die Einspeisung des Stroms für 25 Jahre eine hohe Vergütung zahlt, stellt Solar Millennium eine Rendite von acht bis zehn Prozent in Aussicht. "Wir sehen Solarthermie als attraktive Investmentmöglichkeit an", sagte Michael Bös, Anlagemanager der Münchener Rückversicherung, die damit ihre "Investmentstrategie bei erneuerbaren Energien weiterentwickeln" will.
Für Deutschlands Stromer wäre der solare Geschäftseinstieg nur zur Hälfte Neuland. "Es gibt keine regenerative Technik, die näher an unserer ist", sagte Eon-Sprecher Drepper. Denn die Sonnenkraft wird über Dampf und klassische Turbinen ähnlich zu Strom umgewandelt wie auch Kohle und Gas. Zudem benötigen die Großkraftwerke entweder einen Speicher oder sollen in Kombination mit Erdgas betrieben werden, um eine dauerhafte Stromversorgung sicherzustellen. So sieht auch RWE Synergien mit dem klassischen Gasgeschäft entstehen.
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