Während der Grünen Woche in Berlin beraten an diesem Sonnabend 50 Agrarminister aus aller Welt, wie die Landwirtschaft ihren Anteil am Klimawandel reduzieren kann. Derzeit hat die Landwirtschaft in Deutschland einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von nicht einmal einem Prozent, sorgt aber, je nach Rechnung, für sechs bis 16 Prozent der Treibhausgase.
Sechs Prozent, das ist die Zahl, mit der Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) operiert. Doch in Wahrheit sind es, so das Umweltbundesamt (UBA), eher 13 Prozent, denn Aigner rechnet Faktoren wie Düngerherstellung oder Futterimporte heraus. Greenpeace-Sprecher Martin Hofstetter wirft Aigner deshalb vor, das Problem "fahrlässig" kleinzureden.
Sechs Prozent wiederum beträgt der Anteil am BIP, addiert man zur reinen Agrarwirtschaft die gesamte Ernährungsbranche. Die Hauptwertschöpfung, darauf verweist Dietrich Schulz, Fachgebietsleiter Landwirtschaft beim UBA, findet erst in den der reinen Agrarwirtschaft nachgelagerten Bereichen statt. Der Umkehrschluss, wonach der, der viel zum BIP beiträgt, auch viel Treibhausgase emittieren darf, sei hingegen unzulässig, sagt Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz. Dabei verfüge gerade die Landwirtschaft über ein hohes Einsparpotential bei den Klimagasen.
Beispiel Wirtschaftsdünger, also Gülle oder Mist: Statt ihn direkt aufs Feld zu kippen, lässt sich die Gülle auch zunächst in eine Biogasanlage stecken. Dabei wird klimafreundliche Energie erzeugt und zugleich die landwirtschaftlichen Emissionen von Klimagasen reduziert. Wichtig sei zudem die gasdichte Lagerung des Düngers, sagt Schulz.
Irrtum Turbo-Kuh
Umstritten ist der wirkliche Einfluss der Tierverdauung, der auf 13 Prozent beziffert wird: "Das ist noch nie wirklich durchgerechnet worden", weiß Schulz. Die nackte Zahl aber unterschlägt die CO2-Bindung der Wiesen und Weiden, sagen Umweltschützer. So schneiden Hochleistungskühe bei der Erzeugung von Klimagasen nur auf den ersten Blick günstiger ab, weil der Grundumsatz bei Intensiv- und Extensivhaltung gleich ist.
Doch Turbo-Kühe leben kürzer, fressen importiertes Kraftfutter oder werden mit Mais gepäppelt, der wiederum als Humuszehrer gilt. Im Humus aber ist CO2 gebunden. Humusverluste, Bodenerosion, der anhaltende Umbruch von Grünland in Ackerland, die Entwässerung von Mooren sowie die Düngung mit synthetischem Stickstoff aber gelten mit einem Beitrag 63 Prozent als Hauptfaktoren bei der Entstehung klimaschädlicher Gase in der Landwirtschaft. Weil - je nach Methode - beim Düngen viel Stickstoff verpufft, also bei bei der Pflanze nicht ankommt, sehen Experten hier einen Hebel zur Reduzierung.
In einem Bericht des Ministeriums heißt es überdies: "Darüber hinaus sollten noch nährstoffeffizientere Pflanzen entwickelt und angebaut werden." Ebenfalls Teil dieses Berichts sind Tipps zu einer "klimaschonenden, gesundheitsfördernden Ernährung" - sprich weniger Fleisch auf dem Teller.
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