Die Commerzbank stoppt den Verkauf von börsennotierten Produkten auf Grundnahrungsmittel wie Fonds und Zertifikate. Das Institut habe alle Grundnahrungsmittel aus seinen Rohstoff-Fonds herausgenommen, bestätigte eine Sprecherin der zweitgrößten deutschen Bank. Die bestehenden Zertifikate laufen weiter, es werden aber keine neuen mehr ausgegeben. Zertifikate sind im Prinzip Anleihen, deren Verzinsung von der Preisentwicklung eines oder mehrerer Rohstoffe abhängt.
Zuvor waren in diesem Jahr bereits die Deka-Bank der Sparkassen und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) aus den Wetten auf Nahrungsmitteln ausgestiegen. Das Geschäft wird für die deutschen Institute offenbar immer unappetitlicher. Wie die Deka und die LBBW will sich nun auch die Commerzbank nicht länger dem Vorwurf aussetzen, sie verdiene am Hunger der Menschen in armen Ländern. Das Institut selbst will sich zu seinen Gründen nicht äußern.
Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hatte den Schritt des Frankfurter Geldhauses am Donnerstag bekanntgegeben und gelobt. Wenn sich eine Bank nicht sicher sei, welchen Schaden ihre Rohstoffanlagen anrichten, „gibt es nur einen Schritt: diese Anlagen nicht mehr anzubieten“, erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. An der Commerzbank solle sich jetzt auch die Deutsche Bank ein Beispiel nehmen.
Das deutsche Spitzeninstitut steht seit Ende 2011 wegen seiner Rohstofffonds massiv in der Kritik. Mit ihrem damals veröffentlichen Report „Die Hungermacher“ prangerte Foodwatch die Investments der Deutschen Bank in Agrarrohstoffe an. Die Spekulation mit Weizen, Mais und anderen Nahrungsmitteln treibe die Preise und sei damit ein Mitverursacher des Hungers in Entwicklungsländern, so der Vorwurf.
Die aktuelle Nahrungsmittelkrise verschärft diese Debatte. Die Weltmarktpreise für Getreide sind seit Mitte Juni rasant die Höhe geschnellt. Die Weltbank meldet bei Weizen einen Anstieg von 50 Prozent, Mais legte um 45, Soja um 30 Prozent zu. Die Welternährungsorganisation FAO warnte deshalb am Donnerstag vor dem erneuten Ausbruch einer Nahrungsmittelkrise wie vor vier Jahren. Die erfasste damals mehr als 40 Länder und führte zu Unruhen. „Potenziell kann sich so eine Situation wieder entwickeln“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters FAO-Volkswirt Abdolreza Abbassian.
Schon jetzt hungern nach Angaben von Entwicklungsorganisationen weltweit rund eine Milliarde Menschen. Ihre Zahl drohe „sprunghaft anzusteigen, wenn die Preise anhaltend hoch bleiben“, warnt Agrarexpertin Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam. Vor allem in Lateinamerika, Afrika und im Mittleren Osten seien dann viele Menschen zusätzlich von Unterernährung und Hunger bedroht.
Die Ursachen der Preisexplosion sind zum einen dramatische Ernteausfälle in den USA, in der Ukraine, Kasachstan und Russland. Zum anderen werden der steigende Verbrauch von Nahrungsmitteln für Biosprit, aber auch die Spekulation mit Nahrungsmitteln dafür verantwortlich gemacht. Zahlreiche Studien belegten, dass Wetten auf Mais und Weizen die Preise treiben. Die Deutsche Bank bezweifelt das aber und lässt sich zum Ärger von Foodwatch seit Anfang des Jahres mit der Überprüfung ihrer spekulativen Rohstoff-Investments Zeit.
Doch selbst der renommierte Agrarökonom Joachim von Braun vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn hält den „kausalen Zusammenhang zwischen der erhöhten Handelsaktivität von Zwischenhändlern und Preisspitzen“ für erwiesen. Spekulation, gab Braun bei einer Anhörung im Bundestag zu Protokoll, ist „an den extremen Preisspitzen ursächlich beteiligt“.
Tatsächlich grätschen besonders US-amerikanische Hedgefonds immer dann in den Markt, wenn die Preise von Agrarrohstoffen steigen. In den vergangenen Wochen stieg die Zahl der auf steigende Preise setzenden Spekulanten auf dem Höchststände. Jeder dieser Fondsmanager bewegt hohe Millionenbeträge.
In der Frankfurter Innenstadt gilt derzeit: Sparen ist die größte Tugend. Auch die Commerzbank ihre Kosten überprüfen, angesichts der sich eintrübenden Konjunktur, der Eurokrise und des schwachen Privatkundengeschäfts.
Im Vergleich dazu sind die Volumen der Geschäfte, die Commerzbank, LBBW und Deka jetzt einstellen, verschwindend gering. Ende 2011 steckten nach Zahlen des Deutsche Derivate Verbands DDV 65 Millionen Euro in Agrarrohstoff-Zertifikaten. Zum Vergleich: Allein im Monat Juni wurden an den amerikanischen Terminbörsen Agrarrohstoff-Futures im Volumen von mehreren Milliarden Dollar gehandelt.
„Im Vergleich zu anderen Basiswerten wird nur sehr wenig in Agrarrohstoff-Zertifikate investiert“, sagt Björn Döhrer, Chef des Analysehauses EDG. Es sei unwahrscheinlich, dass dies die Preise der Grundnahrungsmittel beeinflusst. Andere Marktteilnehmer werden deutlicher: „Selbst wenn Sie das gesamte Volumen, das deutsche Privatanleger in Agrarrohstoffen angelegt haben, sammeln und komplett in Weizen anlegen, bewegen sie den Preis damit nicht mal an der achten Nachkommastelle“, sagt ein Experte, der seinen Namen angesichts der politischen Diskussion nicht in der Zeitung lesen möchte.
Auch Investmentfonds auf Grundnahrungsmittel verwalten vergleichsweise wenig Geld. Damit liefern die Produkte auch nur geringe Erträge. Das ist Experten zufolge der Grund dafür, dass die Banken das Geschäft bereitwillig aufgeben. Es sei den Ärger mit Politikern und Organisationen wie Foodwatch einfach nicht wert.
Angelsächsische Anbieter wie die Blackrock-Tochter iShares oder ETF Securities hingegen halten an ihren Agrarrohstoffprodukten fest. Schließlich hätten die Produkte allenfalls einen geringen Einfluss auf die Preise, heißt es bei iShares. Auch das französische Fondshaus Lyxor legt nach wie vor Agrarrohstoffprodukte auf.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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