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23. Mai 2014

Staatsanleihen: Fern der Realität

 Von 
Blick in die Börse in Madrid.  Foto: REUTERS

Die Renditen für Anleihen der ehemaligen Euro-Krisen-Staaten sinken rapide. Das liegt aber nicht an ihrem realen Risiko, sondern an Spekulanten auf der Suche nach möglichst hohen Zinsen.

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Die Ratingagenturen reagieren mal wieder spät: Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit für Spanien um einen Schritt auf BBB angehoben, Fitch verbesserte das Rating für Griechenland ebenfalls um eine Note auf B. Damit vollziehen die professionellen Bewerter staatlicher Kreditwürdigkeit aber nur eine Bewegung nach, die an den Finanzmärkten schon lange läuft: Seit Monaten tragen Anleger ihr Geld in die ehemaligen Euro-Krisen-Staaten, kaufen Anleihen, was die Kurse in die Höhe treibt und – spiegelbildlich – die Anleiherenditen drückt. Im Ergebnis zahlen Italien und Spanien inzwischen so geringe Zinsen für neue Kredite wie noch nie. Das allerdings kontrastiert ein bisschen mit der realen Lage.

Zwar werden den südeuropäischen Ökonomien Fortschritte attestiert, die Haushaltsdefizite sind gesunken, die Konjunktur erholt sich. Arbeitslosigkeit und Schulden stagnieren oder sinken, bleiben aber auf extrem hohem Niveau. Die Kreditvergabe an die Unternehmen geht weiter zurück. Im ersten Quartal 2014 schaffte die spanische Wirtschaft ein kleines Plus von 0,4 Prozent, in Griechenland, Portugal und Italien schrumpfte die Produktion.

Warum sind die Anleger dennoch so begeistert von jenen Ländern, die sie noch vor kurzem als Pleitekandidaten bewertet hatten? Dafür dürfte es zwei Gründe geben. Der eine ist politisch gewollt, der andere eher problematisch. Zum einen hat die Euro-Zone in den vergangenen Monaten mittels Krediten, Rettungsschirmen und der Politik der Euro-Zentralbank demonstriert, dass sie kein Mitgliedsland untergehen lässt – zumindest solange eine Staatspleite die ganze Euro-Zone gefährden würde. Mit dieser Garantie wurde Südeuropa aus Anlegersicht wieder zu einer relativ sicheren Sache. Sie vertrauen wieder, die Zinsen sinken, und das ist politisch gewollt.

Zweiter Grund für die neue Liebe der Investoren für Südeuropa: Es herrscht Anlegenotstand. Irgendwo müssen diese Finanzmilliarden ja rentabel angelegt werden. Doch die Zentralbanken haben die Leitzinsen auf Null gedrückt, Geld wirft immer weniger Geld ab, Anleihen sicherer Staaten wie Deutschland aber bringen keine Rendite mehr. Auf der Suche nach höheren Erträgen legten die Investoren lange in den Schwellenländern an. Doch seitdem dort die Konjunktur nachlässt, haben die Emerging Markets ihren Reiz verloren.

Also bleiben den Anlegern nur noch wenige Alternativen – eine davon sind südeuropäische Staatsanleihen. Sie werden gekauft, das drückt für die Länder die Zinsen für neue Schulden, und diese Verbesserung der Finanzierungsbedingungen ist für die Ratingagenturen wiederum ein Argument, die Kreditwürdigkeit anzuheben. Bessere Ratings wiederum nehmen die Anleger zum Anlass, noch mehr Geld nach Südeuropa zu tragen. Dieser Zirkel läuft schon eine Weile.

Für die ehemaligen Pleitekandidaten sind die niedrigen Zinsen ein Segen – zumindest für die Staaten, die Unternehmen dort müssen noch immer heftige Zinsaufschläge zahlen. Doch zeigen die aktuellen Entwicklungen: Wie schon in der Krise, so sind auch derzeit die Zinsen nicht das Ergebnis einer wohlabgewogenen Analyse der Finanzkraft von Staaten. Sondern bloß das Ergebnis der Spekulation von Anlegern auf möglichst hohe Renditen.

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