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21. Oktober 2012

Start-ups in Berlin: Die Internet-Fabrik

 Von Jonas Rest
Die Simulation zeigt die Hauptgebäude der Factory Berlin, in die die frühere Oswald-Brauerei derzeit umgebaut wird. Ab März 2013 sollen hier 500 Entwickler und Gründer von Internet-Start-ups arbeiten. Foto: julianbreinersdorfer.com

Aus einer Brauerei entsteht ein 12.000-Quadratmeter-Komplex, in dem ab März 2013 nicht nur Berliner Internet-Start-ups einziehen werden, sondern auch Mozilla, der Hersteller des Firefox-Browsers. Rund 500 Personen sollen dann in der Factory arbeiten, der Internet-Fabrik. Die Start-up-Szene in Berlin verändert sich.

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Aus einer Brauerei entsteht ein 12.000-Quadratmeter-Komplex, in dem ab März 2013 nicht nur Berliner Internet-Start-ups einziehen werden, sondern auch Mozilla, der Hersteller des Firefox-Browsers. Rund 500 Personen sollen dann in der Factory arbeiten, der Internet-Fabrik. Die Start-up-Szene in Berlin verändert sich.

An diesem Montag wird der Bundespräsident erstmals offiziell seinen Wohnort erkunden, Antrittsbesuch nennt sich das. Die Senatskanzlei hat dafür gesorgt, dass Joachim Gauck dann in die frühere Oswald-Brauerei steigen wird. Sie liegt genau dort, wo einst der Grenzübergang Bernauer Straße war. Fluchttunnel wurden damals unter dem angrenzenden Gebäude gegraben, hier sprang der Bereitschaftspolizist Conrad Schumann über Stacheldrahtrollen in den französischen Sektor.

Doch Gauck wird nicht deshalb kommen, sondern wegen dem, was aus der alten Brauerei entsteht: ein 12.000-Quadratmeter-Komplex, in dem ab März 2013 nicht nur Berliner Internet-Start-ups einziehen werden, sondern auch Mozilla, der Hersteller des Firefox-Browsers. Rund 500 Personen sollen dann in der Factory arbeiten, der Internet-Fabrik.

Baut die ehemalige Oswald-Brauerei in Mitte  zu einem gigantischen Gründerzentrum um: Internet-Investor Simon Schaefer
Baut die ehemalige Oswald-Brauerei in Mitte zu einem gigantischen Gründerzentrum um: Internet-Investor Simon Schaefer
Foto: Christian Schulz

Das Valley als Vorbild

Die Factory verdichtet nun an einem Ort, was in Berlin inzwischen entstanden ist: ein Ökosystem von Internet-Start-ups – ein Netzwerk von Entwicklern, Gründern und Investoren, das als Grundlage des Erfolgs für das Silicon Valley gilt. Dem Ort, mit dem Berlin immer häufiger in einem Atemzug genannt wird.

Viel Glas und Stahl: So soll die Internetfabrik einmal aussehen.
Viel Glas und Stahl: So soll die Internetfabrik einmal aussehen.
Foto: julianbreinersdorfer.com

Der 25-jährige Hermann Frank ist mit seinem Start-up Views bereits in der Factory eingezogen. Views teilt sich eine Wohnung in einem der Nebengebäude der Brauerei mit anderen Neugründungen. Das Vier-Mann-Team entwickelt eine iPhone-App, die den Einkauf vom Internet auf die Straße zurückholen soll. Wenn sie fertig ist, wird man in der App Designerstiefel sehen können, die in Boutiquen in der Nähe liegen – fotografiert von Modebloggern. Eine Art soziales Fashion-Netzwerk, das in die Offline-Geschäfte zurückführt.

Mit Basketballplatz

Projekt: Die Simulation zeigt die Hauptgebäude der Factory Berlin, in die die frühere Oswaldbrauerei derzeit umgebaut wird. Auch in den umliegenden Gebäuden werden Büros angemietet.

Ab März 2013 sollen hier 500 Entwickler und Gründer von Berliner Internet-Start-ups arbeiten. Im Hauptgebäude soll es eine Galerie, eine Bar und ein Café geben, im Innenhof einen Basketballplatz.

Wenn Views-Gründer Frank auf dem Balkon der Wohnung steht, blickt er auf einen aufgeblasenen pinken Plastik-Swimmingpool, der im Garten des Neubaus im Brauerei-Innenhof steht. Neben dem Pool haben im August deutlich erfahrenere Factory-Erstmieter an Programmcodes gearbeitet: Die Entwickler von Soundcloud, einer 2007 gegründeten Musikplattform, die inzwischen mehr als zehn Millionen Nutzer weltweit hat – und über 70 Mitarbeiter. Wenn die Views-Entwickler bei einem Problem nicht weiterkommen, fragen sie bei den Programmierern von Soundcloud nach.

Die Bauherren legen Wert auf Licht und Grünflächen - sowohl vor der Tür als auch auf dem Dach.
Die Bauherren legen Wert auf Licht und Grünflächen - sowohl vor der Tür als auch auf dem Dach.
Foto: julianbreinersdorfer.com

Die Factory verdichtet so örtlich den lebendigen Austausch in der Szene – ein zentraler Grund dafür, dass in Berlin mittlerweile von einem Ökosystem gesprochen wird. Ein Ökosystem, das sich aus Versehen entwickelt hat – zumindest wurde die Szene der Netz-Nerds nie staatlich gefördert. Es gab nie einen technologiepolitischen Masterplan, keine Unterstützung wie bei dem Vorhaben, Berlin zur Fashion-Metropole zu machen. Die Entwicklung, die Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit nun dem Bundespräsidenten als Aushängeschild präsentiert, ist wohl auch der Stadt lange verborgen geblieben.

Ein Insider-Kreis

Auch die Factory wird von Privatinvestoren hochgezogen. Hinter dem Immobilienprojekt steht die JMES Investments, gegründet von Udo Schloemer. Der habe den halben Prenzlauer Berg umgegraben, sagt Simon Schaefer, der mit Schloemer für die Berlin Factory zuständig ist. Dann entdeckte der Immobilienhändler irgendwann Investitionen in Berliner Start-ups als neue Form der Vermögensdiversifizierung. Simon Schaefer, selbst Gründer eines Internet-Start-ups im Immobilienbereich, wurde Partner bei JMES Investments – und Schloemers Scout in der Szene.

Inzwischen hat die Investmentfirma insgesamt sechs Millionen Euro in Views und über zwanzig andere Start-ups in Berlin investiert. Schaefer kurvte bald nur noch von einem Investment zum anderen. Wie groß die Zeitersparnis wäre, wenn alle Firmen an einem Ort wären – das war der Gedanke, sagt Schaefer, der zur Factory führte. Dort werden nun auch solche Start-ups einziehen, die ihre Anschubfinanzierung von anderen Investoren erhalten haben.

Und davon gibt es viele. Immer mehr Risikokapitalgeber eröffnen ihre Büros in Berlin. Inzwischen, spotten manche in der Szene, gibt es in Berlin mehr Angels als Start-ups. Angels, Engel – das sind die Investoren der ersten Stunde, die in ein Start-up einige tausend oder auch Zehntausende Euro investieren. Viele der Berliner Angels sind wie Schaefer selbst Start-up-Gründer. Sie haben mit Risikokapital ihr eigenes Unternehmen aufgebaut – und legen nun so ihr Vermögen an.

Es ist ein Insider-Kreis, der zuerst von neuen Entwicklungen erfährt, sich sehr gut in dem Feld auskennt – und so, wie eine US-Studie gerade ergeben hat, seine Investitionen durchschnittlich mehr als verdoppeln kann. Dabei verlieren die Investoren aber das Geld, das sie in die meisten Firmen stecken. Nur eine von zehn Firmen ist im Durchschnitt für den ganzen Return verantwortlich. In Berlin, darauf wetten inzwischen viele in der Szene, könnte das erste Milliardending Soundcloud sein, die Musik-Plattform aus der Factory.

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