Die Deutsche Bahn prüft den Direktverkauf einzelner Aktienpakete an große strategische Investoren. Erste Wahl aber bleibe der Börsengang, der auch im April noch denkbar wäre, heißt es in informierten Kreisen.
In weiteren Gesprächen mit der Russischen Staatsbahn, Investoren in den Ölstaaten am Golf sowie asiatischen Staatsfonds will Bahnchef Hartmut Mehdorn klären, ob auch ein direkter Einstieg dieser Interessenten beim größten deutschen Transportkonzern realisierbar wäre.
Der Vorstand folgt damit Anregungen aus dem Aufsichtsrat, der vorigen Freitag tagte. Zuvor hatten Mehdorn und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) eingeräumt, dass der für 27. Oktober geplante Börsengang wegen der Finanzkrise auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss.
Bei der Bahn und bei Steinbrück allerdings stößt der Vorschlag eines Direktverkaufs dem Vernehmen nach bisher auf wenig Begeisterung. Befürchtet werden unter anderem zu geringe Erlöse, wenn eine Börsenplatzierung entfällt und damit Anteilskäufer nicht die Möglichkeit haben, ihre Aktien im täglichen Handelsgeschäft wieder zu versilbern. Trotzdem soll die Umsetzung dieses "zweitbesten" Wegs zumindest geprüft werden.
Für Mehdorn und seinen Finanzchef Diethelm Sack bleibt es deshalb zunächst dabei: Sie halten in erster Linie am geplanten Börsengang fest, bei dem knapp ein Viertel der Verkehrstochter DB Mobility Logistics verkauft werden soll.
Wegen der Finanzkrise gelten aber derzeit die erhofften Erlöse von mindestens 4,5 Milliarden Euro (einst waren gar acht Milliarden angepeilt) als extrem unwahrscheinlich. Kaum absehbar ist zudem, bis wann sich die Situation an den Börsen nachhaltig gebessert haben wird.
Im Konzern gilt ein Börsengang bis in den nächsten Frühsommer hinein als denkbar. Die Bundesregierung sieht einen solchen Termin nur wenige Monate vor den Bundestagswahlen jedoch skeptisch. Denn die Privatisierung des letzten großen Staatskonzerns wird von der großen Mehrheit der Wähler abgelehnt.
Bis Mitte Februar könnte die Bahn beim Börsengang noch das bisherige Zahlenwerk verwenden, das auf den Neunmonatszahlen von Ende September beruht. Nach 135 Tagen sind aktuellere Daten zur Lage des Konzerns vorgeschrieben. Deshalb müsste bei einem späteren Börsengang der Jahresabschluss 2008 verwendet werden, der erst Ende März fertig sein wird. Frühestens im April würde sich damit das letzte Zeitfenster für die Börse öffnen.
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