kalaydo.de Anzeigen

Steuerflucht: Gesetz wird Papiertiger

Bundesfinanzminister Schäuble will die Folterinstrumente - geschaffen von der großen Koalition - nicht in die Hand nehmen, die Steuerflüchtige unter Druck setzen. Von Markus Sievers

Die Schulden wachsen und wachsen. Wie wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem begegnen?
Die Schulden wachsen und wachsen. Wie wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem begegnen?
Foto: dpa

Berlin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verzichtet auf nationale Schritte gegen Steuerhinterziehung und Steuerflucht. In einem Schreiben an die Finanzverwaltung der Länder ordnet sein Haus an, das von der großen Koalition geschaffene Instrumentarium nicht anzuwenden.

Begründung: Es gebe keine Steueroasen mehr, die mit Eingriffen in den Geschäftsverkehr unter Druck gesetzt werden müssten. Zum 1. Januar erfülle "kein Staat oder Gebiet die Voraussetzungen für Maßnahmen" nach dem im September in Kraft getretenen Gesetz gegen Steuerhinterziehung, heißt es in dem Brief.

Sollte sich dies ändern, werde dies das Bundesfinanzministerium sofort mitteilen. "Bis dahin bestehen für die Steuerpflichtigen keine zusätzlichen Mitwirkungs-, Nachweis- oder Aufklärungspflichten", betont das Ministerium.

Das von Union und SPD beschlossene Gesetz sieht Sanktionen für Privatleute und Unternehmen vor, die Geschäftsbeziehungen mit Steueroasen unterhalten. Sie sollten gezwungen werden, den deutschen Behörden verstärkt Auskünfte zu erteilen. Andernfalls drohen ihnen laut dem Gesetz steuerliche Nachteile.

Mit diesem Paket wollte der frühere Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) den Widerstand der Steueroasen gegen eine bessere Zusammenarbeit überwinden. Inzwischen hätte die betroffenen Staaten und Regionen reagiert, erklärte Schäubles Sprecher. Dies sei die "positive Nachricht".

Die schwarzen Liste der OECD ist in der Tat inzwischen leer. Es existiert lediglich noch eine graue Liste mit Ländern und Finanzzentren, die sich zu den OECD-Standards für einen grenzüberschreitenden Informationsaustausch in Steuerfragen bekennen, aber die Regeln nicht vollständig umgesetzt haben.

Darunter fallen etwa Andorra, Liberia, Panama oder die Marshall Islands. Die Schweiz und Liechtenstein, die im Mittelpunkt der deutschen Bemühungen für mehr Ehrlichkeit standen, gelten mittlerweile nach den OECD-Kriterien als sauber.

SPD-Fraktionsvize Joachim Poß sprach von einem "falschen Signal". Es sei nicht gerechtfertigt, Entwarnung zu geben, sagte Poß der Frankfurter Rundschau. Er rief Schäuble auf, den Druck auf die Steueroasen aufrecht zu erhalten. "Schäuble beendet den Kampf gegen die Steuerhinterziehung", meinte der grüne Finanzexperte Gerhard Schick.

Damit eröffne die Koalition Steuerbetrügern Tür und Tor. "So müssen Millionen von ehrlichen Steuerzahlern höhere Steuern bezahlen, weil einige Kriminelle ihrer Pflicht zur Zahlung von Steuern nicht mehr nachkommen", kritisierte Schick.

Autor:  Markus Sievers
Datum:  6 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!