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09. Februar 2011

Stöcke-Sterben: Banker entdecken die Not der Honigbiene

 Von Stephan Börnecke
90 Nutzpflanzen hängen vom Bestäuber Honigbiene ab.  Foto: dpa

Seit einige Jahren beobachten Imker, Bauern und Naturschützer mit Sorge ein weltweites Bienensterben. Nun haben auch die Banker verstanden, dass sich hinter dem „Völkerkollaps“ der Bienen mehr als bloße Schlagworte verbergen.

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Wenn sich die Analysten einer Bank mit Insekten befassten, dann geschieht das meist im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Prognosen für ein Chemieunternehmen, wenn es zum Beispiel mit einem Pestizid auf den Markt tritt. Nun kommt eine neue Dimension hinzu: Denn die Analysten der niederländischen Rabobank haben in einer Studie weniger die möglichen Erfolge von Agrofirmen im Blick, sie warnen vor massiven Verlusten für die Landwirtschaft, wenn sie sich über „die Not der Honig-Biene“ Gedanken machen.

Seit einige Jahren beobachten Imker, Bauern und Naturschützer mit Sorge ein weltweites Bienensterben. Nun haben auch die Banker verstanden, dass sich hinter dem „Völkerkollaps“ der Bienen mehr als bloße Schlagworte verbergen, wenn in den Vereinigen Staaten nicht wie normal zehn, sondern 35 Prozent und in Europa mehr als 20 Prozent der Völker den Winter nicht überleben. Mancher Imker verlor sogar 90 Prozent seiner Stöcke.

Die niederländische Rabobank warnt: Sollte das seit 2006 grassierende, bislang unerklärliche Bienensterben anhalten, drohe beträchtlicher ökonomischer Schaden. In einem extremen Szenario, so Rabobank-Analyst Ruben Verwijs, könnten sogar einige Nahrungspflanzen auf dieser Erde nicht mehr profitabel angebaut werden. Rabobank fordert Wissenschaftler, Behörden, Imker, Farmer und die Lebensmittelindustrie dazu auf, vereint die Forschung zu verstärken und mehr als bisher auch für „Biodiversität in der agrarischen Produktion“ zu sorgen.

Für die nahe Zukunft gelte: Die ungeheure Leistung der Honig-bienen als Bestäuber vieler Pflanzen sollte nicht länger als selbstverständlicher Produktionsfaktor in der agrarischen Lebensmittelkette betrachtet werden. Sondern als einer, auf den man weit mehr als bisher zu achten habe.

Die Banker haben inzwischen erkannt, was die Bienen leisten, und das haben sie natürlich auch in Dollar ausgedrückt: Allein für die USA kamen sie auf einen jährlichen Wert von 15 bis 20 Milliarden Dollar. Kein Wunder, denn Bienen sind verantwortlich für 80 bis 90 Prozent der tierischen Bestäubung in der Landwirtschaft. Nun sind nicht alle Pflanzen auf die Bienen angewiesen. Weizen und Reis etwa sind es nicht. Aber 90 andere Arten, darunter Äpfel, Kaffee, Melonen und die vor allem in der Tierfütterung unentbehrlichen Sojabohnen, sind es. Und die lieferten nach Rechnung der Welternährungsorganisation FAO etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion.

Nur selten können Fachleute bisher erklären, was die Bienenvölker reduziert. Denn in aller Regel sind die Zusammenhänge nicht so klar, wie im Frühjahr 2008, als Zehntausende von Bienen im Oberrheingraben an Insektiziden aus der Gruppe Neonicotinoide starben. Maissaatgut war damit gebeizt worden.

Der schleichende Bienentod scheint eher ein Bündel an Ursachen zu haben, in dem die heutige Intensivlandwirtschaft mit einem hohen Pestizideinsatz allerdings im Zentrum steht. Denn: „Die Hinweise verdichten sich“, schreibt der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND in einem Hintergrundpapier, dass unter anderem „der Einsatz hochwirksamer und bienengefährdender Neonicotinoide eine entscheidende Rolle in dieser katastrophalen Entwicklung spielt“.

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