Was geschieht, wenn die Kurzarbeit ausläuft? Werden dann Hunderttausende Beschäftigte entlassen? Die IG Metall will das verhindern und hat deshalb eine Debatte über neue Formen von Arbeitszeit-Verkürzung angestoßen.
Kürzere Arbeitszeiten waren über Jahre als linke Spinnerei verpönt, die Unternehmen haben sogar durchgesetzt, dass die Menschen im Schnitt länger schaffen. Die Krise hat dies radikal geändert. Tausende Firmen nutzen Kurzarbeit und räumen Arbeitszeitkonten. Bislang sind dadurch 1,8 Millionen Jobs gesichert worden, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) errechnet.
Kurzarbeit können die meisten Betriebe noch bis Ende 2010 fahren, erläutert Jörg Hofmann, Chef des mächtigen IG-Metall-Bezirks Baden-Württemberg im FR-Gespräch. Zudem können Firmen laut Tarifvertrag die Arbeitszeit von 35 auf 30 Wochenstunden senken, die Löhne sinken dann entsprechend.
Doch beide Instrumente reichen womöglich nicht, um einen starken Jobabbau zu verhindern. Hofmann schätzt, dass das Arbeitsvolumen in der Metall-Produktion im Jahr 2013 zwischen 15 und 20 Prozent unter dem Niveau von 2008 liegen könnte. Der Grund: Die Industrie wird sich nur langsam erholen, gleichzeitig steigt die Produktivität: Ein Beschäftigter stellt dann pro Stunde mehr her als bisher.
Je nach wirtschaftlicher Entwicklung könnten in der Metall- und Elektroindustrie bis 2013 zwischen 350.000 und 770.000 Jobs verloren gehen, wenn man nicht gegensteuert, sagt IG-Metall-Chefvolkswirt Ulrich Eckelmann. "Deshalb müssen wir über neue Arbeitszeit-Modelle nachdenken", betont Hofmann.
Eine Möglichkeit wäre etwa, dass die Arbeitszeit nicht nur auf 30 Wochenstunden gesenkt werden kann, sondern noch stärker, erläutern Gewerkschafter. Dann müsse man aber auch über einen Lohnausgleich sprechen.
Hofmann bringt folgende Idee ins Spiel: Wenn Firmen Zuschüsse zahlen, könnte der Staat diese steuern- und abgabenfrei stellen. "Das ist günstiger, als die Leute auf die Straße zu setzen."
Arbeitsmarktexperten fürchten, dass junge Menschen Hauptleidtragende der Krise werden könnten: Betriebe, denen es wieder etwas besser geht, erhöhen die Arbeitszeit statt Neue einzustellen. Um Jüngeren eine Chance zu geben, regt unter anderen der hessische IG-Metall-Chef Armin Schild ein neues Modell an: Bislang haben Azubis grundsätzlich Anspruch darauf, für mindestens ein Jahr übernommen zu werden. Mit Zustimmung des Betriebsrats kann davon aber abgewichen werden. Künftig könnten die Ausgebildeten zunächst mit verringerter Arbeitszeit übernommen werden und gleichzeitig für einen längeren Zeitraum. Eine solche Regelung haben die Tarifparteien bereits im Frühjahr in der Stahlbranche vereinbart.
Wenn die Gewerkschaft nun in der Metallbranche und damit im größten Industriezweig Deutschlands neue Arbeitszeit-Modelle durchsetzen würde, hätte das Signalwirkung auf andere Branchen. Leicht wird das aber nicht. Denn der Arbeitgeberverband Gesamtmetall lehnt "jede Form einer pauschalen Arbeitszeitverkürzung ab", betont ein Sprecher. Denn Arbeitskräfte seien nur begrenzt austauschbar. Ein Teillohnausgleich würde zudem Unternehmen belasten und damit Beschäftigung kosten.
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