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04. November 2014

Streik bei der Bahn: Lokführer streiken von Mittwoch bis Montag

Während des Streiks haben Tauben viel Zeit für die Futtersuche auf den Gleisen.  Foto: dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL will die Deutsche Bahn ab Mittwoch bestreiken. Vier Tage soll die Arbeit ruhen - es ist der längste Ausstand der Bahn-Geschichte. Die Bahn nennt den Streik "reine Schikane". Fernbus-Anbieter verzeichnen einen regelrechten Ansturm auf ihre Angebote.

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Der Deutschen Bahn steht der längste Streik ihrer Geschichte bevor. Die Lokführergewerkschaft GDL kündigte an, von Donnerstag, 2 Uhr, bis Montag, 4 Uhr, den Personenverkehr zu bestreiken. Im Güterverkehr beginnt der Ausstand demnach bereits am Mittwoch, 15 Uhr, und dauert ebenfalls bis zum frühen Montagmorgen. Die Wirtschaft fürchtet deswegen um den Standort Deutschland. Die Busunternehmen rechnen hingegen wegen des 98-stündigen Streiks im Personenverkehr mit einem Zusatzgeschäft in Millionenhöhe.

Es ist der inzwischen sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994. Die GDL begründete die geplante Arbeitsniederlegung mit der Weigerung der Bahn, über einen eigenständigen Tarifvertrag auch für Berufsgruppen zu verhandeln, die nicht Lokführer sind.

"Wir wollen und müssen im Auftrag unserer Mitglieder verhandeln, egal ob diese als Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren oder Lokrangierführer in den Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB arbeiten", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Dienstag. "Dieses Grundrecht ist in Gefahr und damit die Funktion von Gewerkschaften an sich."

Vordergründig geht es um die GDL-Forderung von fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass die GDL dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Konkurrierende Gehaltsabschlüsse lehnt die Bahn ab.

Bahn: "Reine Schikane"

"Dieser Streikaufruf macht nur noch sprachlos und ist reine Schikane!", erklärte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber am Dienstag in Berlin. In einer Stellungnahme der Bahn heißt es, man werde erneut alles unternehmen, um die Auswirkungen für die Kunden so gering wie möglich zu halten. Dennoch sei mit starken Beeinträchtigungen des Zugverkehrs gerechnet werden, für die die Bahn der GDL die alleinige Verantwortung gibt. Weiter heißt es in der Stellungnahme, die Bahn arbeite mit Hochdruck daran, Fahrgäste im Nah- und Fernverkehr mit einem reduzierten Zugangebot an ihr Ziel zu bringen. Wie schon bei den Ausständen zuvor setzt sich die Bahn zum Ziel, mindestens ein Drittel des Angebots aufrecht zu erhalten.

Die Bahn kündigt an, den Ersatzfahrplan für den Fernverkehr für den ersten Streiktag bereits am Dienstagabend um 19 Uhr zu veröffentlichen. Ab Mittwochabend sei der ERsatzfahrpl.an für Freitag abrufbar. Zudem will die Bahn erneut eine kostenlose Servicenummer unter 08000 99 66 33 schalten.

Ein Einigungsversuch beider Seiten war am Sonntag gescheitert. Anschließend hatte die GDL weitere Arbeitskämpfe angekündigt, jedoch zunächst kein Datum dafür genannt. Nach Darstellung der Bahn war eine Vereinbarung, wonach die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten sollte, am Sonntag fast schon unterschriftsreif. Die GDL-Spitzengremien lehnten den Vorschlag jedoch ab. Letztlich wäre die Verhandlungsmacht für die Zugbegleiter bei der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geblieben, lautete die Begründung.

"Produktionsstörungen schon nach wenigen Tagen"

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) kritisierte die Entscheidung der GDL. "Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Achim Dercks der Nachrichtenagentur Reuters. "Neben dem Ärgernis für Urlauber führen Streiks im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen, weil Bahntransporte oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden können." In Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie sei die Produktionskette komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet, bei der Zuliefer- und Produktionstermine genau aufeinander abgestimmt seien. "Warenlager helfen nur die ersten Tage, dann stockt die Fertigung", sagte Dercks.

Die GDL hat ein Angebot der Deutschen Bahn abgelehnt und neue Streiks angekündigt.  Foto: dpa

Ansturm auf Fernbusse beginnt

Nach der Streik-Ankündigung der Lokomotivführer hat bei den betroffenen Reisenden ein Ansturm auf Fernbusse begonnen. «Wir haben binnen weniger als einer Stunde fünf Mal mehr Zugriffe auf unserer Buchungsseite verzeichnet als sonst üblich», sagte ein Sprecher des Marktführers Meinfernbus.de am Dienstag.

Auch der ADAC-Postbus verbucht einen starken Kundenandrang. Für das nun anstehende Streikwochenende erwartete ein Sprecher einen Anstieg der Buchungen von 50 Prozent. Zusätzlich zur Postbus-Flotte von 60 Omnibussen werde das Gemeinschaftsunternehmen von ADAC und Post alle verfügbaren Ersatzfahrzeuge zum Einsatz bringen, um den Bahnkunden eine Alternative zu bieten, hieß es.

Zu den 308 regulären Omnibussen von Meinfernbus.de sollen nach Angaben eines Sprechers mindestens 50 weitere Fahrzeuge eingesetzt werden. Pro Streiktag sollen Buchungen um das Vierfache des sonstigen Wertes hochschnellen. «Wir gehen davon aus, dass die Busse voll sein werden», betonte der Sprecher. Beim letzten Streik der Gewerkschaft der Lokomotivführer im Oktober seien 100 Fahrten zusätzlich ins Programm genommen worden.

Einen Streikzuschlag werden die Busunternehmen indes nicht verlangen. «Die Not der Kunden werden wir nicht ausnutzen», betonte der Postsprecher. Er empfahl den Kunden wegen des erwarteten Andrangs, möglichst früh zu buchen. (rtr/dpa)

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