Im Kampf gegen Lohneinbußen für Postbank-Beschäftigte hat die Gewerkschaft Verdi gestern erstmals auch Postbank-Filialen bestreikt. Einzelne Filialen in München, Hamburg und Köln seien ganz geschlossen gewesen, in anderen hätten sich lange Schlangen gebildet, sagte eine Verdi-Sprecherin. Ein Unternehmenssprecher betonte, dass nur wenige der 1100 Standorte betroffen waren. In den Postbank-Filialen kann man nicht nur Bank-Geschäfte abwickeln, sondern auch Briefe und Pakete aufgeben.
Gestern trafen sich Gewerkschafter und Postbank-Manager bereits zum sechsten Mal, um einen Kompromiss zu suchen. Die Gespräche sollen heute fortgesetzt werden, deswegen sind heute keine Streiks geplant.
Ausweitung des Arbeitskampfs nicht ausgeschlossen
Sollte das Unternehmen in den Verhandlungen nicht einlenken, droht Verdi allerdings mit einer Ausweitung des Arbeitskampfs. „Wir erwarten, dass die Arbeitgeber sich jetzt endlich bewegen, ansonsten sind wir auf einen längerfristigen Streik auch in der Vorweihnachtszeit eingestellt“, erklärte Beate Mensch, die im Verdi-Vorstand für die Finanzbranche zuständig ist.
Die Proteste richten sich gegen das Vorhaben der Postbank, im Zuge der Integration in den Deutsche-Bank-Konzern einzelne Geschäftsfelder auszulagern. Konkrete Pläne gibt es bereits für die Kreditabwicklung: Neues Personal soll 42 statt 38,5 Wochenstunden arbeiten und weniger Geld erhalten. Insgesamt würden die Beschäftigten bis zu 30 Prozent weniger Gehalt bekommen, wenn sich das Management durchsetzt, klagt Verdi. Auch bereits Beschäftigte sollen Einbußen hinnehmen.
Durchdrücken statt verhandeln
Die Gewerkschaft fürchtet, dass die Konzernspitze die Einschnitte auf andere Bereiche ausdehnen will. Ein Konzernsprecher räumt ein, dass mit den jetzigen Verhandlungen „die grundsätzliche Richtung ein stückweit vorgegeben“ werde. Allerdings könnten die Forderungen nicht eins zu eins auf andere Einheiten übertragen werden. So könne man in Call-Centern nicht über eine 42-Stunden-Woche reden.
Verdi wirft der Postbank einen „Kulturbruch“ vor: Statt wie früher mit Gewerkschaft und Betriebsrat einen Kompromiss auszuhandeln, sollten jetzt im Stile der Deutschen Bank Einschnitte „durchgedrückt“ werden. Vielleicht hat die Deutsche Bank den Widerstand unterschätzt: In ihrem Hause ist Verdi schwach, vielerorts tendiere der Organisationsgrad gegen Null, räumt eine Gewerkschafterin ein. Bei der Postbank seien dagegen 70 Prozent der Beschäftigten Verdi-Mitglieder. Allerdings hat Verdi auch hier ein Problem: Rund 40 Prozent der über 20.000 Postbank-Beschäftigten sind Beamte, die nicht streiken dürfen.
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