Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung über einen Arbeitskampf aufgerufen. Ein Ergebnis wird nicht vor Mittel Juli vorliegen. Damit ist ein Ausstand der Lotsen erstmal vom Tisch. Flugausfälle sind zunächst nicht zu befürchten. Das ist die gute Nachricht.
Gleichwohl ist der Konflikt längst noch nicht gelöst. Der Arbeitgeber, die Deutsche Flugsicherung (DFS), kritisierte denn auch die Entscheidung des GdF-Bundesvorstandes. Ein Ausstand sei auch zu einem späteren Zeitpunkt unverantwortlich, sagte ein DFS-Sprecher. Die Arbeitgeber forderte die Gewerkschaft folgerichtig auch auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Am Mittwoch hatte die GdF die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Doch neue Gespräche sind gar nicht so abwegig. Die Urabstimmung lässt sich als ein Einlenken lesen. Der GdF-Bundesvorstand hätte nämlich auch gleich schon zum Streik aufrufen können. In diesem Fall hätten Lotsen womöglich an kleineren Airports für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt.
Doch selbst wenn sich die Mitglieder der GdF bei der Urabstimmung für einen Streik aussprechen, ist ein Arbeitskampf kein Automatismus. Denn die DFS kann dann noch immer die Schlichtung anrufen – ein Ausstand wäre für die Dauer der Vermittlungsgespräche ausgeschlossen. Beobachter halten dieses Szenario für die wahrscheinlichste Variante.
Denn der Tarifkonflikt ist verfahren. Vordergründig geht es um Geld. Die GdF fordert 6,5 Prozent mehr mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die DFS hat 3,2 Prozent für 17 Monate und eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent des Bruttogehalts angeboten. Gestritten wird aber vor allem über Arbeitsbedingungen. Die DFS steht unter Druck. Die EU will die Flugsicherung zu mehr Effizienz zwingen. Einerseits sollen die Gebühren für die Airlines sinken, zugleich soll die Kapazität gesteigert, die Umwelt stärker geschützt werden, und bei der Sicherheit darf es keine Abstriche geben.
Die Geschäftsführung ist auf die Kooperation mit den Lotsen angewiesen. Die enorm wichtige Nachwuchsförderung wurde in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt. Aus Sicht der DFS-Führung lag dies in der Zeit nach den Attentaten vom 11. September 2001 an einer Fehleinschätzung des Wachstums in der Luftfahrt. Die GdF sieht die Ursache in einer verfehlten Sparpolitik, die mit den gescheiterten Privatisierungsplänen für die DFS zusammenhing.
Jetzt sind die Vorgaben der EU jedenfalls nur mit Mehrarbeit der Lotsen zu erreichen. Genau das versucht die Geschäftsführung durchzudrücken. Man habe Zugeständnisse bei der Kapazitätsfrage zur Voraussetzung für Tarifverhandlungen gemacht, sagt die GdF. Die will andersherum verhandeln. Erst eine Einigung beim Entgelt, dann Verhandlungen über Mehrarbeit.
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