Frankfurt a.M. Bei den Gebäudereinigern steht ein unbefristeter Streik bevor. In einer Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern haben sich 96,7 Prozent für einen Arbeitskampf ausgesprochen, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Frankfurt am Main mitteilte.
Der Ausstand soll demnach am Dienstag kommender Woche beginnen. Die Gewerkschaft hat allerdings nur einen sehr geringen Organisationsgrad unter den insgesamt rund 860.000 Beschäftigten der Branche.
IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel forderte die Arbeitgeber auf, mit einem "deutlich verbesserten Angebot" an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Gewerkschaft fordert 8,7 Prozent mehr Geld. Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks bot nach Gewerkschaftsangaben zuletzt 1,8 Prozent im Westen und 2,1 Prozent im Osten. Die Arbeitgeber beziffern ihre Offerte dagegen auf drei und 3,6 Prozent Lohnsteigerung.
In der Branche gibt es laut IG BAU rund 57.000 Gewerkschaftsmitglieder. Diese Zahl bezieht sich einem Gewerkschaftssprecher zufolge aber auf die 450.000 Beschäftigten in der so genannten Innen- und Unterhaltsreinigung. Die Gesamtzahl erhöht sich demnach dadurch auf 860.000 Beschäftigte, weil unter anderem Angestellte von Sicherheitsunternehmen hinzugezählt werden. Der Sprecher verwies zudem darauf, dass es bei den Warnstreiks in den bestreikten Objekten überwiegend eine Beteiligung von 100 Prozent gegeben habe.
In der Branche fiel zum 1. Oktober zudem der Mindestlohn weg. Es drohe nun ein "ruinöser Dumping-Wettbewerb", erklärte Wiesehügel. Ohne Tarifvertrag bestehe die Gefahr, dass die Lohnuntergrenzen bei Neueinstellungen um 30 Prozent auf unter sechs Euro im Westen und unter fünf Euro im Osten abgesenkt würden.
Die Arbeitgeber machten die Gewerkschaft für diese Situation verantwortlich. Die IG BAU habe durch die Kündigung des Tarifvertrages erst die Dumpinglöhne ermöglicht, die sie jetzt lauthals beklage, erklärte der Geschäftsführer des Innungsverbandes, Johannes Bungart. Mit ihrer Forderung nach fast neun Prozent Lohnerhöhung verkenne die Gewerkschaft zudem die Realitäten auf dem Markt. (ddp)
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