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Strom-Anbieter: Der verschaukelte Stromkunde

Ein Anbieterwechsel kann Geld sparen. Neue Lieferanten sollte man sich genau anschauen

        

Sascha Jaeck
Sascha Jaeck

Mit einem Stromanbieterwechsel können Kunden nach wie vor viel Geld sparen – sich aber auch Ärger einhandeln. Für Dieter Stadach ist der Stromanbieterwechsel zu „einer kabarettistischen Lachnummer“ geworden, wie er sagt. Sein Wechsel im September 2009 zu Secura Energie, einer Billig-Tochter des großen Mannheimer Versorgers MVV, brachte ihm nur Scherereien ein. Bei Secura gab es in den vergangenen Jahren schwerwiegende Probleme in der Abwicklung, wie auch die Geschäftsführung auf Anfrage einräumt.

Dieter Stadach erhielt zum Beispiel lange Zeit keine Rechnungen von Secura. Zwar behauptet Secura, schließlich doch noch eine Rechnung abgeschickt zu haben, jedoch mit monatelanger Verspätung und erst kurz nachdem die Abschlagszahlungen bereits deutlich erhöht wurden. Verärgert wollte Stadach schließlich im Frühjahr 2011 den Stromanbieter wechseln – doch auch das scheiterte. Im Dickicht des komplizierten Wechselsystems ist nicht mehr nachvollziehbar, ob dafür Secura, die zumindest eine Teilschuld einräumt, der neue Anbieter oder der Netzbetreiber maßgeblich verantwortlich ist. Stadach fühlt sich alleingelassen: „Mit dem korrekt eingeleiteten Wechsel blieb ich auf der Strecke, und es gab keine einzige Instanz, die sich um einen im Sinne des Verbrauchers geregelten Markt kümmerte.“

Sparen durch Wechseln

Prüfen sollte man in jedem Fall, ob der eigene Versorger nicht ein günstigeres Angebot bereithält. In Frankfurt spart ein Vier-Personen-Haushalt (4000
Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr)
bei dem Grundversorger Mainova mit dem Tarif Strom Direkt bereits 112,40 Euro pro Jahr im Vergleich zu dem Standard-Tarif.
Mit einem Wechsel kann die Rechnung meist aber noch weiter gesenkt werden. Selbst der günstigste Mainova-Tarif wird derzeit zum Beispiel von 16 Tarifen (ohne Vorkasse) unterboten.
Regional fällt diese Summe zwar sehr unterschiedlich aus, doch 50 bis 100 Euro pro Jahr lassen sich in der Regel im Vergleich zum regionalen Versorger durch einen Wechsel sparen – auch, wenn man auf einen halbwegs seriösen Anbieter Wert legt.
Bei Öko-Tarifen sollte man darauf achten, dass der Strom mit einem gängigen Zertifikat beglaubigt ist (beispielsweise Ok-Power, TÜV-Süd, GrünerStromLabel).

Auch die für die Regulierung des Markts zuständige Bundesnetzagentur antwortete erst nach sechs Wochen – mit einem Standardschreiben. Secura verspricht, dass 2012 alles besser wird und die Probleme unter Kontrolle sind. Bei Dieter Stadach hat man sich entschuldigt und will ihm einen vorzeitigen Wechsel ermöglichen. Doch Stadachs Erfahrungen sind kein Einzelfall. In jüngster Zeit häufen sich die Probleme sogar. So musste der große Stromanbieter Teldafax im September Insolvenz anmelden.

Zwar brauchen Kunden auch in so einem Fall nicht zu fürchten, dass das Licht ausgeht. Schlimmstenfalls fallen sie in den Standard-Tarif des örtlichen Grundversorgers, der sie dann beliefern muss. Doch viele Teldafax-Kunden haben eine Menge Geld verloren – Vorauszahlungen sind weg und der Insolvenzverwalter fordert derzeit Rechnungen ein, obwohl gleichzeitig eine andere Teldafax-Tochter den Kunden noch Geld schuldig ist. Betroffen sind Zehntausende Kunden.

Zuletzt sind große Zweifel am Geschäftsgebaren von Flexstrom aufgetaucht. Über das Berliner Unternehmen mit nach eigenen Angaben 400000 Stromkunden gingen beim Vergleichsportal Verivox einige tausend Beschwerden ein – vor allem, weil der Neukunden-Bonus nicht wie versprochen nach einem Jahr ausgezahlt wurde. Immerhin: Kunden können sich seit November gratis an die neue Schlichtungsstelle Energie wenden. Im Fall Flexstrom gab sie einem Kunden recht – und empfahl dem Unternehmen die Auszahlung des Bonus.

Auf der anderen Seite lässt sich mit einem Stromanbieterwechsel nach wie vor die Stromrechnung deutlich senken. Zum Jahreswechsel haben 139 der rund 1000 Stromanbieter die Preise im Schnitt um vier Prozent erhöht, in der Branche wird im Frühjahr mit einer weiteren Preisrunde gerechnet – vor allem, weil die staatlichen Abgaben weiter steigen. Lohnend ist es aber in jedem Fall, zu prüfen, ob der eigene Versorger nicht schon ein sehr viel günstigeres Angebot bereithält. Doch mit einem Wechsel kann die Rechnung meist noch weiter gesenkt werden. Jürgen Scheurer, Sprecher des Vergleichsportals Verivox: „Es gibt zahlreiche seriöse Angebote, mit denen Verbraucher viel Geld im Vergleich zum örtlichen Versorger sparen können.“

Doch wie ist ein seriöses Angebot zu erkennen? Sicherer fahren Kunden, wenn sie den Empfehlungen der Verbraucherzentralen folgen: Keine Vorkasse oder Kaution bezahlen. Denn dieses Geld kann im Fall einer Insolvenz weg sein, hinzu kommt, dass es oft noch Ärger um die bereits bezahlte Rechnung gibt. Zweitens sollte die Tarifstruktur genau unter die Lupe genommen werden. Ist der Tarif nur deshalb so günstig, weil es einen gewaltigen Bonus für das erste Jahr gibt? Dann muss dem Neukunden klar sein, dass es im zweiten Jahr auf jeden Fall viel teurer wird.

Drittens gilt es, die Seriosität des Anbieters zumindest grob auch selbst unter die Lupe zu nehmen. Ein kurzer Blick auf die Unternehmens-Webseite zeigt zum Beispiel, wie lange die Firma schon am Markt ist. Einen guten Anhaltspunkt bieten auch die Kundenbewertungen bei Vergleichsportalen wie Check24 und Verivox. Eine gewisse Fehlerquote ist akzeptabel. Kommt die Belieferung nicht zustande, kann das zum Beispiel auch am Netzbetreiber oder am Vorlieferanten liegen. Beschweren sich aber viele Kunden über falsche Rechnungen oder ist der Kundendienst nie erreichbar, ist Vorsicht geboten.

Schließlich bleibt noch die Frage, ob es ein etablierter, reiner Ökostromanbieter sein soll (wie Greenpeace Energy, EWS Schönau, Naturstrom und Lichtblick) oder ein Öko-Tarif. Bei letzterem sollte man prüfen, ob die Grünstromlieferung mit einem gängigen Zertifikat beglaubigt ist (beispielsweise Ok-Power, TÜV-Süd, GrünerStromLabel).

Der Rest ist Formsache: Den gewünschten neuen Anbieter sollte man entweder selbst oder über ein Tarifportal mit der Belieferung beauftragen (und dabei Kündigungsfristen beim eigenen Lieferanten beachten). Achtung: Die Kündigung sollte der neue Lieferant übernehmen. Bei einer Eigenkündigung besteht immer die Gefahr einer Lieferunterbrechung – die viel Ärger und zusätzliche Kosten bringen kann.

Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  9 | 1 | 2012
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