Klassische Glühbirnen setzen nur fünf Prozent des Stroms, den sie verbrauchen, in Licht um, der Rest ist „Wärmeabfall“. Sie durch Energiespar- oder LED-Leuchten zu ersetzen, bringt eine Stromeinsparung um 80 Prozent. Der Versicherungskonzern Allianz steigt nun in ein Projekt ein, in dem dieser Austausch in großen Stil durchgeführt wird – und zwar in Indien. Ziel ist es, die Treibhausgas-Bilanz des Unternehmens weiter zu verbessern.
Konkret geht es um ein Projekt für indische Haushalte mit geringem oder mittlerem Einkommen. 8,5 Millionen Glühbirnen sollen hier durch Energiesparleuchten ersetzt werden. Dadurch sinkt der CO2-Ausstoß der Haushalte um rund 370000 Tonnen jährlich, was dem CO2-Ausstoß von rund 100.000 Autos in Deutschland entspricht.
Das Projekt, das jetzt auf einer Klimaschutz-Konferenz in Singapur vorgestellt wird, ist beim „Clean Development Mechanism“ (CDM) des Kyoto-Protokolls registriert, durch den Klimaschutz-Projekte in Entwicklungsländern gefördert werden. Das Prinzip: Unternehmen aus Industriestaaten können dort Projekte finanzieren und sich die so erzielten CO2-Einsparungen gutschreiben lassen. Die Treibhausgas-Einsparung pro Tonne ist in den ärmeren Ländern meist deutlich billiger zu haben als zu Hause.
Der freiwillige Klima-Plan
Versicherer Allianz erhält aus dem Projekt pro vermiedener Tonne des Treibhausgases je ein CO2-Zertifikat. Der Konzern nutzt einen Teil dieser Zertifikate, um den Treibhausgas-Ausstoß des eigenen Unternehmens zu neutralisieren. Der Hintergrund: Die Allianz hat einen freiwilligen Klima-Plan aufgestellt, der eine Reduktion der Emissionen um 20 Prozent im Zeitraum 2006 bis 2012 vorsah.
Das Ziel ist inzwischen mit minus 27 Prozent sogar übererfüllt – die Emissionen sanken von rund 550.000 auf knapp 420.000 Tonnen. Erreicht wurde das durch bessere Wärmestandards von Bürogebäuden und indem ein Teil der Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt wurde. Die durch weitere Einsparungen nicht zu vermeidenden Emissionen will die Allianz nun durch Projekte wie das in Indien ausgleichen.
Ein weiteres ist die Beteiligung an einem Waldschutz-Projekt in Kenia. „Wir stellen sicher, dass die Projekte hohen Standards genügen“, sagte der Allianz-Klimaexperte Armin Sandhövel der Frankfurter Rundschau, zum Beispiel dem „Gold Standard“, den die Umweltorganisation WWF für CDM-Projekte erarbeitet hat.
Indiens Pro-Kopf-CO2-Ausstoß liegt noch niedrig, allerdings steigt er durch Industrialisierung rasant. Der Strom wird in ländlichen Gegenden oft mehrmals am Tag abgeschaltet, da die Elektrizitätsproduktion nicht ausreicht oder die Netze zusammenbrechen. Über die Hälfte des Stroms stammt aus meist ineffizienten Kohlekraftwerken. „Die Effizienz muss auf allen Ebenen verbessert werden – vom Kraftwerk bis zum Verbraucher“, sagte Sandhövel. Und die CO2-Einsparung helfe dem Klimaschutz, egal, wo sie auf der Welt durchführt werde.
In der Debatte über das künftige CO2-Ziel der EU unterstützt die Allianz als weltgrößter Versicherungskonzern die EU-Kommission, die eine Reduktion des Ausstoßes bis 2020 um 30 Prozent fordert. Bisher hat die EU nur 20 Prozent beschlossen; einige Mitgliedsländer wie Polen und Tschechien sperren sich bisher gegen die Erhöhung.
„Mit den richtigen Rahmenbedingung versehen, wären die 30 Prozent ein kraftvolles Konjunkturprogramm“, sagte ein Allianz-Sprecher der FR. Gestärkt würden Energieeffizienz-Technologien und die erneuerbaren Energien, in denen Deutschland stark sei. „Die Investoren wissen dann, wo die Musik spielt.“ Die EU-Kommission hat vergangene Woche eine Analyse des 30-Prozent-Ziels vorgelegt und es positiv bewertet. Fünf der 30 Prozentpunkte könnten laut dem Kommissionsplan durch Projekte im Ausland erreicht werden.
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