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14. April 2009

Strommarkt: Neuer Energieversorger gesucht

 Von OLIVER RISTAU
Der Wechsel des Stromanbieters lohnt sich.  Foto: ddp

Verbraucher kommen nicht an günstigen Strom. Dabei gibt es davon heute mehr als genug. Doch Versorger und Industrie sind an teure Verträge gebunden. Von Oliver Ristau

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Frankfurt. Strom ist so günstig wie seit Jahren nicht mehr und kein Verbraucher merkt es. Die Preise an der Leipziger Strombörse EEX für Grundlaststrom haben sich seit Sommer letzten Jahres von 80 Euro auf zuletzt unter 40 Euro je Megawattstunde mehr als halbiert; doch die Haushalte zahlen nach Auskunft des Internetportals Verivox im Schnitt aktuell acht Prozent mehr als noch im Mai 2008.

Ungewöhnlich ist, dass niemand auf die Idee zu kommen scheint, sich aktuell den günstigen Börsenstrom zu sichern, um den teuren Angeboten Konkurrenz zu machen. "Die müssten eigentlich unterboten werden", schätzt Aribert Peters, Chef des Bundes der Energieverbraucher.

Und Gero Lücking von Lichtblick, einem der größten unabhängigen Stromanbieter, ergänzt: "Jetzt wäre der optimale Zeitpunkt, einen neuen Energieversorger zu gründen." Dass der nicht in Sicht ist, wundert Peters nicht. "Wo soll ein solcher Anbieter auch herkommen?", fragt er mit Verweis auf die geringe Zahl von potenziellen neuen Wettbewerbern im In- und Ausland.

Kommunen könnten einspringen

Erst kürzlich sind mit Nuon und Essent zwei unabhängige Anbieter nach Übernahmen vom Markt verschwunden. Ein Neueinstieg in den deutschen Strommarkt ist überdies teuer und benötigt einige Monate Vorlaufzeit, denn ein neuer Spieler muss an der Börse hohe Sicherheiten hinterlegen und Verträge mit den Netzbetreibern aushandeln.

Doch wo private Initiative fehlt, könnte ein kommunaler Wettbewerber für günstige Alternativen sorgen. Zumindest in Hamburg, wo nach dem Willen der CDU/Grünen-Regierung ein neues Stadtwerk diesen Sommer den Hamburgern Ökostrom anbieten soll. Kaufen die Hanseaten klug ein, müssten sie vom Start weg selbst konventionellen Strom unterbieten können.

Hintergrund für die absurde Situation im deutschen Strommarkt sind die langfristigen Verträge für den teuren Strom, auf denen viele Versorger aber auch die Industrie sitzen. Da die Preise über Jahre nur gestiegen waren, hatten sich die Firmen gegen weitere Teuerungen absichern wollen.

Alte Tarife machen Strom teuer

"Der Strom, der heute produziert wird, ist bereits vor zwei Jahren verkauft worden", sagt Alfred Richmann, Chef des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), einem Zusammenschluss großer Industrieverbraucher. Das ist nun zum finanziellen Bumerang geworden. Denn die im Voraus eingekaufte Energie muss zu den teuren Tarifen von damals abgenommen werden.

Zusätzlich steht manches Industrieunternehmen wegen des weltweiten Konjunktureinbruchs vor dem Problem, dass es seine Produktion "um zehn bis 20 Prozent" drosseln muss, weshalb es den einst bestellten Strom gar nicht mehr braucht. "Die Versorger kommen den Firmen dabei kaum entgegen", moniert Richmann. Abnehmen müssen die Unternehmen die Energie trotzdem. Sie versuchen, den überschüssigen Strom mit Verlust an der Börse zu verkaufen, was einen Teil des Preisverfalls dort erklärt.

Auch viele Stadtwerke stehen vor dem gleichen Problem, weil sie keine eigene Stromerzeugung unterhalten, sondern die Energie langfristig einkaufen. War der Einkauf besonders teuer, merken das die Verbraucher jetzt an weiteren Preiserhöhungen.

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