Der schwedische Vattenfall-Konzern, einer der größten Energieerzeuger Europas, will für 8,5 Milliarden Euro den niederländischen Wettbewerber Nuon übernehmen. Beide Unternehmen sind auch in Deutschland stark. Vattenfall ist hierzulande drittgrößter Stromversorger. Nuon zählte bisher zu den wenigen Anbietern jenseits der vier großen Konzerne (neben Vattenfall noch RWE, Eon, EnBW).
Mit der Übernahme entledigt sich Vattenfall in Deutschland eines unangenehmen Konkurrenten. Die Deutschland-Tochter der Holländer hatte Vattenfall in deren Stammregionen in Norddeutschland, insbesondere Hamburg und Berlin, Marktanteile abnehmen können.
"Nuon war ein mutiger Vorreiter für den Wettbewerb", sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter. "Ohne Nuon gäbe es vielleicht heute noch keinen Wettbewerb um private Gaskunden." Das Unternehmen hatte auch verschiedene Missbrauchsverfahren wegen Wettbewerbsbehinderungen gegen die etablierte Energiewirtschaft angestrengt. Vattenfall will zunächst 49 Prozent der Nuon-Anteile erwerben und die Anteile bis 2015 auf 100 Prozent erhöhen. Durch die Schaffung einer Stiftung sollen die Interessen der Niederlande gewahrt werden.
Für Vattenfall-Chef Lars Josefsson ist Nuon "das fehlende Juwel in unserem Marktpuzzle". Die Schweden sind vor allem in Skandinavien stark, wollen aber weiter Richtung Süden vordringen. Für die wesentlich kleinere Nuon ist Vattenfall nach Aussage von Unternehmenschef Oystein Loseth der "ideale Partner, um weiter im Wettbewerb dabei sein zu können."
Die eigenen begrenzten finanziellen Möglichkeiten standen einer unabhängigen Expansion Nuons offensichtlich im Wege. Sowohl der geplante Ausbau der Gasgewinnung als auch die erneuerbaren Energien erfordern Milliarden, über die der zweitgrößte niederländische Versorger nicht verfügt. Die neue Gruppe will nun die Produktion von Windkraft bis 2015 versechsfachen. Daneben wollen beide Firmen auch in der Kernkraft und bei der Abscheidung von CO2 aus Kohlekraftwerken zusammenarbeiten.
Mit der staatlich verordneten Trennung von Netz und Betrieb sind in den Niederlanden die Voraussetzungen für den Einstieg großer Konzerne geschaffen worden. Bis dato galt das Nachbarland als eine der letzten Bastionen unabhängiger Betreiber in Europa mit noch hohem Einfluss der Kommunen. Auch nach dem Deal bleiben die Netze in holländischer Hand. Vattenfall-Chef Josefsson betonte das nachrangige Interesse am Netzgeschäft. Auch in Deutschland wollen die Schweden ihre Stromleitungen verkaufen.
Bereits vor wenigen Wochen hatte die Essener RWE den niederländischen Versorger Essent für mehr als neun Milliarden Euro erworben.
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