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28. Januar 2016

Studie : Mindestlohn wirkt sich positiv aus

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Die Bruttostundenlöhne von Friseurinnen und Friseuren stiegen stark an.  Foto: picture alliance / Keystone

Der Mindestlohn wirkt sich laut einer Studie unerwartet positiv aus - auf die Löhne, aber auch auf die Beschäftigung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

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Der gesetzliche Mindestlohn hat die Bruttoverdienste in einigen Branchen Ostdeutschlands um mehr als zehn Prozent ansteigen lassen. In der ostdeutschen Fleischverarbeitung lagen die Stundenentgelte im dritten Quartal 2015 im Schnitt um 11,1 Prozent über denen des Vorjahrszeitraums. Im Einzelhandel stiegen die Löhne um 11 Prozent, im Wach- und Sicherheitsgewerbe um 10,4 Prozent. Zugleich nahm die Beschäftigung in diesen und anderen Niedriglohnbereichen deutlich zu. Die steigenden Löhne führten also nicht zu einem Job-Abbau, sie gingen vielmehr mit einem Stellenplus Hand in Hand. Das geht aus einer Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Von einem massiven Stellenabbau, vor dem 2014 noch Unternehmensverbände wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und Forschungseinrichtungen wie das Münchner Ifo Institut gewarnt hatten, kann den Daten zufolge keine Rede sein. Auch und gerade in den Niedriglohnbranchen ist offenbar genau das Gegenteil eingetreten.

Ein Beispiel ist das Gastgewerbe. In den ostdeutschen Ländern stiegen die Bruttostundenverdienste zwischen dem jeweils dritten Quartal 2014 und 2015 um durchschnittlich 8,6 Prozent. Dieses Plus ist zum allergrößten Teil dem Mindestlohn zu verdanken, der die Entgelte in den vielen kleinen und mittleren Betrieben ohne Tarifbindung kräftig ansteigen ließ. Parallel dazu wuchs auch die Beschäftigung: Im Oktober 2015 waren im ostdeutschen Gastgewerbe 6,7 Prozent mehr Menschen beschäftigt als im Vorjahresmonat.

Lohnplus im Gastgewerbe

Als sich dieser Trend im vergangenen Sommer abzuzeichnen begann, argumentierten Arbeitgeberverbände, der Stellenzuwachs sei der guten Konjunktur zu verdanken und wäre ohne Mindestlohn noch viel stärker ausgefallen. Doch auch diese Behauptung lässt sich anhand der nun vorliegenden Daten nicht aufrechterhalten. Westdeutschlands Gastgewerbe verzeichnete 2015 ein Lohnplus von nur 2,1 Prozent. Demnach hätte der Beschäftigungsaufbau dort deutlich kräftiger ausfallen müssen als im Osten mit einem viermal so starken Lohnanstieg. Das Gegenteil war aber der Fall: Im Westen entstanden in Hotels, Restaurants und Kneipen zwar auch neue Arbeitsplätze, die Zuwachsrate von 6,6 Prozent blieb aber knapp unter der des Ostens.

Eine solche Entwicklung hatten selbst optimistische Mindestlohnbefürworter nicht vorhergesagt. Dass vom Mindestlohn insbesondere gering qualifizierte Beschäftigte profitieren würden, war dagegen absehbar. Das höchste Plus unter den vom WSI untersuchten Arbeitnehmergruppen erzielten ungelernte Frauen im Osten mit 8,5 Prozent, ostdeutsche Männer ohne Berufsausbildung kamen auf acht Prozent. Doch der Mindestlohn wirkt sich zum Teil auch auf höhere Lohngruppen aus, weil er das Gehaltsgefüge nach oben verschiebt.

Überdurchschnittlich stark stiegen die Bruttostundenlöhne laut WSI zudem im ostdeutschen Baugewerbe (plus 5,6), für personenbezogene Dienstleistungen wie Friseursalons und Wäschereien (7,0) sowie im Garten- und Landschaftsbau (7,2 Prozent). In den westlichen Bundesländern lagen die Zuwachsraten aufgrund des schon zuvor höheren Lohnniveaus durchweg niedriger: Dort erhielten Beschäftigte in Fleisch- und Fisch verarbeitenden Betrieben 4,2 Prozent mehr pro Stunde, bei Wach- und Sicherheitsdiensten waren es 2,8 Prozent, im Gartenbau 2,5 und im Einzelhandel 2,2 Prozent.

Bundesweit fand in all diesen Branchen ein Beschäftigungsaufbau statt. Insgesamt entstanden 2015 rund 713 000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zusätzlich.

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