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Studie: Aufschwung lässt Haushalte links liegen

Mehr als nur ein Gefühl: Die meisten Deutschen haben einer Studie zufolge vom Aufschwung der vergangenen Jahre tatsächlich nicht profitiert.

FR-Karikaturist Thomas Plaßmann zum Thema Aufschwung.
FR-Karikaturist Thomas Plaßmann zum Thema Aufschwung.
Foto: FR / Thomas Plaßmann

Berlin (rtr) - Die meisten Deutschen haben einer Studie zufolge vom Aufschwung der vergangenen Jahre nicht profitiert. Dies sei nicht nur ein mehrheitliches Gefühl der Bevölkerung, sondern Realität, schrieben die Wissenschaftler des Instituts für Makroökonomie (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer Studie.

Obwohl die Arbeitslosigkeit sank und die Löhne zuletzt kräftig stiegen, sei die gesamte preisbereinigte Nettolohnsumme aller Beschäftigten um 0,3 Prozent zurückgegangen. Verglichen damit hätten die Firmen ihre Gewinne um 10,4 Prozent gesteigert.

Hinzu komme, dass der Staat weniger Rente, Arbeitslosengeld oder andere Sozialleistungen zahle. Insgesamt habe das real verfügbare Einkommen stagniert, während es im vorherigen Aufschwung zur Jahrtausendwende noch um sieben Prozent gewachsen sei. Einer Studie der Universität Duisburg-Essen zufolge mussten besonders Geringverdiener von 1995 bis 2006 Einbußen beim Realeinkommen um 14 Prozent hinnehmen. Das oberste Viertel der Beschäftigten erhielt dagegen preisbereinigt 3,5 Prozent mehr Lohn.

Rolf Kroger vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) verweist jedoch darauf, dass es zuletzt Ziel der Politik gewesen sei, die Arbeitslosigkeit zu senken. "Man kann nicht beides gleichzeitig tun - Beschäftigung aufbauen und Einkommen erhöhen", sagte er. Zudem drücken Inflation und staatliche Abgaben auf die Einkommen. Die IMK-Forscher verweisen dabei auf die Mehrwertsteuererhöhung von Anfang 2007. Derzeit liegt die Teuerung bei 3,1 Prozent und damit nur wenig unter ihrem 15-Jahres-Hoch vom Juni und Juli.

Allerdings habe sich der Arbeitsmarkt nicht so gut entwickelt wie vermutet, hieß es in der Studie weiter: So sei verglichen mit der Jahrtausendwende die Gesamtzahl der Beschäftigten etwas weniger stark gestiegen, wenngleich mehr Menschen einen ungeförderten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz fanden. Beim Rückgang der Arbeitslosigkeit spiele auch ein demografischer Effekt eine Rolle: "Das Angebot an Arbeitskräften geht derzeit zurück, während es im vergangenen Aufschwung noch zunahm."

Gewinner des Aufschwungs seien die Unternehmen. Nominal steigerten sie ihre Bruttogewinne nach Berechnungen des IMK sogar um 25 Prozent. "Letztlich waren die Unternehmen bei guter internationaler und nationaler Konjunktur nicht gezwungen, die geringen Arbeitskostensteigerungen vollständig in den Preisen weiterzugeben und diese - bei Einrechnung der Produktivitätsfortschritte - entsprechend zu senken", hieß es.

Datum:  28 | 8 | 2008
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