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Studie der Commerzbank: Firmenpatriarchen auf dem Rückzug

Eine Befragung von 400 Betrieben zeigt: Je jünger die Manager, desto größer die Führungsteams – und desto häufiger sind Frauen dabei. Der Mittelstand ist Vorreiter: Hier sind bereits 20 Prozent der Führungskräfte Frauen.

Laut der Studie haben Frauen in Ostdeutschland die besten Chancen auf eine leitende Position.
Laut der Studie haben Frauen in Ostdeutschland die besten Chancen auf eine leitende Position.
Foto: dpa
Frankfurt –  

Wollen Frauen in Deutschland ein Unternehmen leiten, sollten sie es im Mittelstand versuchen. Denn 20 Prozent aller dortigen Führungskräfte sind weiblich, ergab eine Studie im Auftrag der Commerzbank. In Hessen liegt der Wert sogar zwei Punkte höher. Zum Vergleich: Nur 2,2 Prozent machten Frauen in den Führungsetagen der 30 Dax-Unternehmen im Jahr 2010 aus.

Die Zeit der Firmen-Patriarchen, die bis ins hohe Alter im Alleingang ihre Familienunternehmen lenken, „scheint doch deutlich dem Ende zuzugehen“, kommentierte Markus Beumer die Entwicklung im deutschen Mittelstand. Der Commerzbank-Vorstand sprach bei Vorstellung der Studie in Frankfurt von einem „evolutionären, nicht revolutionären Prozess“. Die Befragung von 4000 Betrieben ergab, dass die typische, mittelständische Firma inzwischen von kleinen Teams aus Unter-60-Jährigen ohne Anteile am Unternehmen geleitet wird. Darüber hinaus zeigte sich: Je jünger die Manager, desto größer die Führungsteams – und desto häufiger sind Frauen dabei.

Die besten Chancen auf eine leitende Position haben Frauen in Ostdeutschland, ermittelte die Studie. Fast ein Drittel der Führungskräfte im sächsischen Mittelstand sind demnach weiblich, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Berlin. Schlusslichter im Ländervergleich sind Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg mit 16 beziehungsweise 14 Prozent.

Nahezu umgekehrt stellt sich die Verteilung von Managern aus dem Ausland oder mit ausländischen Eltern dar. Hier ist Hamburg mit 13 Prozent Spitzenreiter. In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg haben nur zwei Prozent der Manager einen Migrationshintergrund. Hessen liegt mit neun Prozent einen Punkt über dem Bundesschnitt.

Zeichen für Pragmatismus

Schließlich hat auch die Branche Auswirkung auf die Zusammensetzung der Führungsetage. Besonders viele Frauen leiten Firmen im Gesundheits- und Sozialwesen. Der Maschinenbau bleibt dagegen mit 14 Prozent Managerinnen eine Männerdomäne.

Die relativ große Zahl weiblicher Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen sei ein Zeichen für Pragmatismus, sagte Beumer: Der Mittelstand habe es bei der Rekrutierung neuer Manager im Vergleich zu Großkonzernen schwer. Daher könne er es sich nicht leisten, die Bewerber nach Geschlecht auszuwählen.

Sind die steigenden Frauenquoten nun lediglich aus dem Mangel männlicher Bewerber geboren oder doch bewusste Firmen-Politik? „Da lässt sich trefflich drüber streiten“, sagte Beumer. Bisher habe ihm aber noch kein Unternehmer gesagt, „er wäre jetzt leider gezwungen, Frauen einzustellen“. Außerdem sorgten weibliche Führungskräfte für zusätzlichen Firmenerfolg.

Nur ein gutes Drittel der Interviewten benannte übrigens ein persönliches Vorbild in Führungsfragen. Hitliste der Idole: Helmut Schmidt, Karl-Theodor zu Guttenberg, Angela Merkel und Uli Hoeneß. Zum Zeitpunkt der Umfrage war Guttenberg allerdings noch Verteidigungsminister.

Autor:  Torben Klausa
Datum:  12 | 5 | 2011
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