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11. Juli 2014

Studie Glück: Deutsche so glücklich wie nie

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Die Deutschen werden laut einer aktuellen Datenauswertung immer glücklicher.  Foto: REUTERS

Das Institut der Deutschen Wirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass die Deutschen im Verhältnis so glücklich sind wie noch nie. Das Ergebnis ist insofern von Belang, als es die Frage, was denn Glück eigentlich ausmacht, zumindest zum Teil beantwortet.

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Deutschland ist so glücklich wie nie. Nein, es geht nicht um die WM oder ums Endspiel. Dem Fußball gedankte Freude nämlich ist flüchtig, das zeigen diese Tage. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt ist der Weg mitunter kurz, manchmal reichen schon elf Meter Luftlinie. An dieser Stelle geht es um mehr: Um die dauerhafte Lebenszufriedenheit der Menschen im Lande. Und um die ist es, Müller hin, Neuer her, wirklich gut bestellt. In einer aktuellen Daten-Auswertung des Sozioökonomischen Panels (SOEP) kommt das Institut der Deutschen Wirtschaft zu dem Ergebnis, dass das kollektive Wohlbefinden in unseren Breiten „einen neuen Höchststand erreicht“ hat.

Dabei ist das Glück keine triviale Angelegenheit, es hängt von vielen Faktoren ab, und es zu messen, ist eine Wissenschaft. Vorweg einige Grunderkenntnisse: Der Trend zum deutschen Glück hält bereits seit einigen Jahren an. Zwischen 2002 und 2011 hatten die vom SOEP ermittelten Zufriedenheitswerte auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten im Schnitt noch unter sieben Punkten gelegen. Halbleere Gläser überall.

Im Jahr 2012 zeigten sich die Deutschen mit 7,2 Punkten bereits fast so zufrieden wie zu Zeiten der Wiedervereinigung 1990, als 7,3 Punkte gemessen worden waren. Dann fiel auch diese Marke. Infratest-Dimap ermittelte in einer Befragung von 50 000 Bundesbürgern 2013 einen Wert von 7,45 Glückspunkten. Aus dem laufenden Jahr liegen bisher nur Einzelergebnisse vor, die aber auf ein weiterhin steigendes Glücksniveau deuten. So ermittelte das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer aktuellen Umfrage, dass drei Viertel der Beschäftigten Freude an ihrer Arbeit haben, während nur sieben Prozent Missvergnügen bezüglich des Jobs äußerten.

Das Ergebnis ist insofern von Belang, als es die Frage, was denn Glück eigentlich ausmacht, zumindest zum Teil beantwortet. Eine sinnstiftende Arbeit trägt ganz entscheidend zur Zufriedenheit der Menschen bei: Egal ob es sich um Studien aus den USA, Europa oder Asien handelt, ob Jüngere oder Ältere, Männer oder Frauen befragt werden, stets geben berufstätige Menschen deutlich höhere Zufriedenheitswerte an als solche ohne Job. Die „Glückslücke“ zwischen Arbeitenden und Erwerbslosen liegt in den meisten Untersuchungen bei etwa 20 Prozent.

Das steigende Wohlbefinden in Deutschland ist mithin teilweise der günstigen Arbeitsmarktentwicklung zuzuschreiben. Die Gleichung klingt primitiv, aber sie stimmt: Mehr Arbeit gleich weniger Unglück. Hinzu kommt, dass die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes drastisch gesunken ist und Jobsuchende ihre Erfolgsaussichten deutlich optimistischer beurteilen als in der Vergangenheit. Die SOEP-Daten zeigen, dass dabei Geld nicht die wichtigste Rolle spielt: Arbeitslose, die über die gleichen Einkünfte verfügen wie Erwerbstätige, sind dennoch signifikant unglücklicher als berufstätige Zeitgenossen.

Geld allein macht nicht glücklich

Daraus wiederum folgt, dass Geld allein nicht glücklich macht. Zahlreiche psychologische Untersuchungen belegen zwar eine kurzfristig euphorisierende Wirkung hoher Lottogewinne. Schon nach wenigen Monaten aber verfliegen die beglückenden Effekte des neuen Reichtums wieder. Offenbar wichtiger als Kaviarkonsum und ein neuer Porsche sind intakte Familienbindungen, Vertrauen in Mitmenschen, die Verlässlichkeit staatlicher Institutionen, Wohnqualität, Gesundheit und Bildung.

Auch Gottesglaube, politische Einstellung, Geschlecht, Lebensalter und Berufsfeld spielen eine Rolle: Gläubige sind glücklicher als Atheisten, Unionsanhänger fühlen sich wohler als Linke-Wähler, Frauen sind zufriedener als Männer, Jüngeren geht es besser als Hochbetagten, Sportwissenschaftler haben mehr Freude als Sonderpädagogen.

Zudem ist das Glück regional recht unterschiedlich verteilt. Am wohlsten fühlen sich die Menschen ganz im Süden und im Norden der Republik: In Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie in Hamburg und Schleswig-Holstein. In diesen Bundesländern geben zwischen 52 und 55 Prozent der Menschen eine sehr hohe Lebenszufriedenheit an (siehe Grafik). Am unteren Ende der Rangliste versammeln sich die ostdeutschen Länder, in denen der Anteil der rundum Glücklichen zwischen 35 Prozent (Brandenburg) und 44 Prozent (Berlin) liegt.

Diese Verteilung wiederum liefert einen Hinweis darauf, dass die wirtschaftliche Situation eben doch das Befinden beeinflusst. Wenn Reichtum Glück nicht garantiert, heißt das noch lange nicht, dass arme Menschen genauso zufrieden wären wie finanziell abgesicherte. Das zeigt zum Beispiel der Unicef-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland aus dem vergangenen Jahr: Vier von zehn Kindern, die in armen Haushalten aufwuchsen, offenbarten in ihren Antworten eine geringe Lebenszufriedenheit. Unter den übrigen Kindern waren es nicht einmal 14 Prozent. Geld macht nicht glücklich? Mag sein. Kein Geld aber auch nicht.

Ebenfalls in diese Richtung weist der „World Happiness Report“ (WHR) der New Yorker University of Columbia. Die Wissenschaftler werten hierfür Daten zu Sozialsystemen und Einkommen in 156 Ländern aus, berücksichtigen Umfragen zu Arbeitszufriedenheit und subjektivem Sicherheitsempfinden, beziehen Faktoren wie Gesundheit und Qualität der Regierung mit ein. An der Spitze der glücklichen Länder befindet sich Dänemark, gefolgt von Norwegen, der Schweiz, den Niederlanden, Schweden und Kanada. Am unteren Ende der Skala liegen Togo, Benin und vier weitere schwarzafrikanische Länder.

Deutschland hatte im ersten WHR 2012 nur einen mäßigen 30. Platz belegt. 2013 rückte die BRD auf Rang 26 vor, befand sich aber immer noch einen Platz hinter WM-Gastgeber Brasilien. Für 2014 liegt noch kein Bericht vor. Ein paar Plätze hat Deutschland aber bestimmt gut gemacht und möglicherweise auch Brasilien überholt. Vielleicht hilft das Fußball-Glück ja doch ein wenig.

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