Gutachter stützen die Gegner von Stuttgart 21 und befürworten den Erhalt des Kopfbahnhofes: Stuttgart 21 beseitige kein Nadelöhr, so die Studie.
Die Proteste gegen das umstrittene Projekte in Stuttgart reißen nicht ab.
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Die Proteste gegen das umstrittene Projekte in Stuttgart reißen nicht ab.
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Für die Deutsche Bahn und Stuttgarter Regierungspolitiker ist es ein Jahrhundertprojekt, für die Gegner ein viel zu teurer Schwabenstreich: der geplante neue Bahnhof Stuttgart 21. Ein aktuelles Gutachten des Bundesumweltamtes hat jetzt den Gegnern des Projekts, von denen sich seit Wochen Tausende regelmäßig vor dem Bauzaun am Nordflügel des Bahnhofs zu Demonstrationen treffen, neue Argumente geliefert. Stuttgart 21 beseitige kein Nadelöhr, sondern schaffe neue, heißt es in der Studie, die das Berliner Beratungsunternehmen KCW für das Bundesumweltamt angefertigt hat.
Das Bahnhofsprojekt, heißt es in der Expertise weiter, sei „von geringem verkehrlichen Nutzen“. Eine bessere Alternative zum geplanten Tiefbahnhof sei die „Beibehaltung des Kopfbahnhofes“. Zudem zeichneten sich Kosten in Höhe von mindestens neun Milliarden Euro ab – zwei Milliarden mehr, als bisher kalkuliert. Schließlich sei die geplante Neubaustrecke Stuttgart-Ulm, die zum Projekt gehört, für den Güterverkehr nutzlos. Mit der Studie reiht sich das Bundesumweltamt in eine ganze Schar prominenter Kritiker ein.
Worum geht es bei Stuttgart 21? Der alte, denkmalgeschützte Kopfbahnhof soll einem unterirdischen Durchgangsbahnhof weichen. Nur die Hülle des Hauptgebäudes soll in Teilen erhalten bleiben. 60 Kilometer Tunnel müssen dafür unter der Stadt gegraben werden. Die Vorteile: Das aufwendige Rangieren entfällt. Die oberirdischen Bahnflächen in bester Citylage werden frei für ein neues, lukratives Stadtviertel.
Zusätzlich ist der Bau einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen im Süden Stuttgarts bis nach Ulm geplant. Durch sie halbiert sich die Fahrzeit nach Ulm auf 24 Minuten, und Stuttgart wird zur wichtigen Drehscheibe im europäischen Bahnfernverkehr von Paris nach Wien und Bratislava und von Rotterdam in die italienische Hafenstadt Genua.
Kosten: Sieben Milliarden Euro
Doch all dies birgt auch etliche Nachteile: Die Kosten für Bahnhof und Schnellstrecke sind auf inzwischen sieben Milliarden Euro gestiegen. Experten warnen, dass auch dies noch immer unterkalkuliert sei. „Mit zehn Milliarden muss man rechnen“, schätzt sogar der Bahnexperte der Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel.
Die zehn größten Fehlplanungen der Bahn
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Die zehn größten Fehlplanungen der Bahn
Stuttgart 21: Die Kosten für den Tunnelbahnhof und die 60 Kilometer Neubau- und Tunnelstrecken im Stadtgebiet mussten mehrfach auf inzwischen 4,1 Milliarden Euro nach oben korrigiert werden. Der Rahmenvertrag von 1995 veranschlagt Ausgaben von knapp 2,5 Milliarden D-Mark. Der Bundesrechnungshof befürchtet, dass S 21 mindestens 5,3 Milliarden Euro kostet.
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ICE-Strecke Wendlingen-Ulm: Die neue ICE-Trasse soll gleichzeitig mit S 21 fertig werden, nur zusammen ergeben die Projekte Sinn. Der Preisstand von 2004 liegt bei 2,0 Milliarden Euro. Nach einer Neuberechnung (Stand: Juli 2010) wird mit Kosten von 2,89 Milliarden Euro gerechnet.
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Der Verkehrswissenschaftler Karl-Dieter Bodack erwartet, dass der Bau wegen rund 50 Prozent Tunnelanteil und schwierigen Baugrunds auf der Schwäbischen Alb mit 5,5 Milliarden Euro fast dreimal so teuer wird.
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Karlsruhe-Basel: Der 190 Kilometer lange viergleisige Ausbaus im Rheintal wurde vor 23 Jahren begonnen und ist erst zu einem Drittel erledigt. Die Gesamtkosten sind allein seit 2003 von 3,4 auf mehr als 5,7 Milliarden Euro gestiegen. Noch 4,0 Milliarden sind zu finanzieren. Fertigstellung: nicht in Sicht.
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Nürnberg-Erfurt: 1997 wurde mit dem Trassenbau begonnen. Die Kosten sind auch wegen komplizierter Tunnel völlig aus dem Ruder gelaufen. Noch 2003 wurden 3,3 Milliarden Euro veranschlagt, inzwischen sind es fast 5,2 Milliarden. Mehr als 4,0 Milliarden sind noch zu finanzieren. Fertigstellung: frühestens 2017, vermutlich später. Das Bild von 2002 zeigt die fast fertiggestellte ICE-Brücke bei Ichtershausen auf der Strecke von Erfurt nach Nürnberg.
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Köln-Frankfurt: Die 177 Kilometer lange ICE-Trasse wurde 2005 fertig und kostete mit 6,0 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wie geplant.
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Nürnberg-München: In den 16 Jahren Bauzeit explodierten die Gesamtkosten von 1,5 auf 3,6 Milliarden Euro. Dafür wurden gerade mal 77 Kilometer von Nürnberg nach Ingolstadt neu gebaut und die bestehende Verbindung Ingolstadt-München ausgebaut. Bild: Bauarbeiten an der Neubaustrecke im Altmühltal auf der Höhe Kipfenberg im August 2002.
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Knoten Berlin: Die Modernisierung des Bahnnetzes in der einst geteilten Hauptstadt verschlingt Unsummen. Die Gesamtkosten werden inzwischen auf 6,4 Milliarden Euro veranschlagt. Der neue Hauptbahnhof kostete 1,2 Milliarden Euro - 700 Millionen mehr als geplant. Das Bild zeigt die Grundsteinlegung 1998 mit den Politikern dieser Zeit: Bürgermeister Eberhard Diepgen, Verkehrsminister Matthias Wissmann, Bahnchef Johannes Ludewig und Thyssen-Chef Ekkehard Schulz (v.l.).
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Citytunnel Leipzig: Das S-Bahnprojekt mit seinen beiden gerade mal 1400 Meter langen Tunnelröhren zum Hauptbahnhof wird mindestens eine Milliarde Euro kosten. Geplant waren 572 Millionen, inzwischen werden die Kalkulationen fast im Monatsrhythmus nach oben korrigiert. Fertigstellung: frühestens 2013 - vier Jahre später als geplant.
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Rhein-Ruhr-Express: Der RRX ist der Ersatz für die gescheiterten Transrapid-Pläne , er soll den Ballungsraum Düsseldorf-Duisburg besser auf der Schiene verbinden. Doch die Kosten explodieren schon vor Baustart, von 1,4 auf 2,0 Milliarden Euro. In manchen Papieren ist bereits von 2,7 Milliarden die Rede - weshalb die Bahn das Projekt intern als "bis 2025 nicht realisierbar" einstuft. Das Bild zeigt einen S-Bahn-Zug mit dem Außendesign des geplanten Rhein-Ruhr-Expresses.
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Stuttgart-Mannheim: Kostenexplosionen gab es schon bei der Bundesbahn: Die ICE-Trasse Stuttgart-Mannheim wurde 1975 für 2,5 Milliarden DM genehmigt, kostete am Ende aber 4,3 Milliarden DM (rund 2,2 Milliarden Euro). Die ICE-Trasse Hannover-Würzburg schlug mit fast 12,0 statt genehmigter 10,4 Milliarden DM zu Buche.
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Das Planungs-Chaos geht weiter: Ein zunächst geheimes Papier der Deutschen Bahn listet Neu- und Ausbauprojekte auf, die wegen Geldmangels möglicherweise nicht umgesetzt werden können. Die Grafik zeigt, welche Strecken betroffen sind.
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Kostenexplosionen und Verzögerungen: Für viele fest zugesagte Bahnprojekte fehlt das Geld. Kaum ein großes Bauvorhaben erfüllt den Plan. Zehn Beispiele.
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Fotostrecken Wirtschaft
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Der Chef des Bundestagsverkehrsausschusses, Winfried Hermann von den Grünen, rechnet mit einer Bausumme von „zehn Milliarden plus x“. Obendrein werde in Stuttgart „mit einem Milliardenaufwand ein unterirdischer Engpass gebaut“, kritisiert Hermann. Der neue Bahnhof hat nämlich weniger Gleise. Da Dieselzüge nicht in den Tunnel fahren können, müssen viele Reisende vor Stuttgart umsteigen. „Der Bahnhof hat für zehn Prozent der Reisenden im Fernverkehr Vorteile, aber für 90 Prozent Nahverkehrskunden ist er von Nachteil“, urteilt der Fahrgastverband Pro Bahn.
Die Bahn verbaut mit dem politischen Prestigeobjekt Stuttgart 21 viel Geld, das nun für andere wichtige Vorhaben, etwa für den Güterverkehr fehlt. Dort liegen viele Strecken auf Eis.