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Supermarktketten: Nadelöhr im Lebensmittelhandel

Die Kritik an der wachsenden Macht der großen Supermarktketten wächst: Die Konzerne diktieren den Lieferanten die Konditionen und drücken die Preise. Die Folgen: Schlechte Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne. Von Jutta Maier

Edeka soll seine Lieferanten im Zuge der Übernahme der Plus-Märkte massiv unter Preisdruck gesetzt haben.
Edeka soll seine Lieferanten im Zuge der Übernahme der Plus-Märkte massiv unter Preisdruck gesetzt haben.
Foto: dpa

Sind die großen Supermarktketten in Deutschland zu mächtig? Mit dieser Frage beschäftigt sich heute der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bei einer öffentlichen Anhörung im Bundestag. Marktkritiker wie die internationale Hilfsorganisation Oxfam warnen vor der zunehmenden Konzentration im Lebensmittelhandel: So vereinen die sechs größten Supermarktketten laut Bundeskartellamt mittlerweile 90 Prozent der Marktanteile auf sich.

"Die Ketten sind das Nadelöhr im Lebensmittelhandel, an dem kein Lieferant vorbei kommt", sagt Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Angesichts des immer härteren Wettbewerbs nutzten die großen Handelskonzerne ihre Marktmacht aus, um den Lieferanten ihre Konditionen zu diktieren und sie im Preis zu drücken. Die Folgen: schlechte Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne bei den Beschäftigten, sinkende Produktauswahl und -Qualität - etwa wenn Früchte durch Aromastoffe ersetzt werden - und das Sterben mittlerer und kleiner Betriebe.

Zu den unfairen Einkaufspraktiken der großen Handelskonzerne zählen Listungsgebühren, Regalmieten und Änderungen bei den Konditionen, die rückwirkend gelten, schreiben Oxfam und die Initiative Supermarktmacht.de. Beispiel: Edeka und Rewe. Die Unternehmen hätten sich Kosten für die Übernahme der Plus-Märkte im Jahr 2008 "von den Lieferanten bezahlen lassen", rügt Wiggerthale. So habe Edeka zusätzlich zu dem sogenannten Hochzeitsbonus - Sonderrabattforderungen im Zusammenhang mit der Fusion - einen Distributions-, Partnerschafts- und Synergiebonus eingeführt. "Dabei ging es nicht um Kleckerbeträge, sondern um bis zu zehn Prozent des Umsatzes mit Edeka", so Wiggerthale.

Druck auf Lieferanten

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Unter anderem sollten die Lieferanten von Edeka laut Lebensmittelzeitung für den Umbau der Plus-Filialen im Zuge der Übernahme eine Einmalzahlung von bis zu mehreren Hunderttausend Euro leisten. Die Lieferanten hätten kaum eine andere Wahl, als den Forderungen nachzukommen, so Wiggerthale, da ihnen der Handel mit Auslistung drohe. Mangels alternativer Absatzmärkte könne dies schnell das Aus für Lieferanten oder Hersteller bedeuten.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) wiegelt ab: "Es gibt keine allgemeine Marktmacht des Handels", stellt er in einem Papier fest und bezieht sich auf eine Studie des Instituts für Handelsforschung. Trotz vermeintlicher Konzentration im Lebensmittelhandel funktioniere der Wettbewerb, die Verbraucher profitierten von Angebotsvielfalt und den niedrigsten Lebensmittelpreisen in ganz Europa.

"Eine starke Verhandlungsposition des Handels oder der Industrie ist nicht zu verwechseln mit einer wettbewerbs-ökonomisch kritisch zu bewertenden Marktmacht", so der HDE. Überdies sei der Einzelhandel nicht der einzige Absatzkanal der Industrie: Immer mehr werde über den Export und den Außer-Haus-Verzehr abgesetzt.

Doch die Gegenseite lässt sich nicht beirren. Als weiteres Indiz für die Marktmacht der Ketten werten Oxfam und Co. die Ausbreitung der Eigenmarken der Supermärkte. Dies verschiebe die Kräfteverhältnisse in der Lieferkette zugunsten der Supermarktgruppen. Auch die Liberalisierung der Agrarmärkte und die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte habe dazu geführt, dass die Arbeiter und Erzeuger als schwächste Glieder der Wertschöpfungskette zunehmend der Marktmacht der Industrie und des Lebensmittelhandels ausgesetzt seien, sagt Wiggerthale.

Die Kritiker sind sich einig, dass das Kartellamt die Marktteilnehmer nicht ausreichend vor Missbrauch der Nachfragemacht schützt. So würden Hersteller nur selten Anzeige gegen eine Handelskette erstatten, weil sie Repressalien fürchteten. Oxfam, Supermarktmacht, Markenverband und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sehen daher die Politik in der Pflicht. Sie fordern eine Untersuchung der Nachfragemacht des Handels, auch über Landesgrenzen hinaus.

Zudem setzen sie sich mit SPD-Unterstützung für die Einführung sozialer und ökologischer Mindeststandards in der Lieferkette ein. Die Verbraucherzentrale fordert zudem eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln, etwa zu deren Herkunft und Produktionsbedingungen.

Autor:  Jutta Maier
Datum:  5 | 7 | 2010
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