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05. Februar 2016

Syrien, Libyen, Jemen, Irak: Die Kosten des Krieges

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Bilder der Zerstörung an der syrisch-türkischen Grenze: Der Bürgerkrieg hat Syriens Staatsverschuldung bis Ende 2014 laut Weltbank auf 147 Prozent der Wirtschaftsleistung getrieben.  Foto: rtr

Zerstörte Krankenhäuser, ausgebombte Kraftwerke, Flüchtlingsunterkünfte in Schulen: Die Kriege in Nahost sorgen nicht nur für Flucht und Vertreibung, sie verheeren auch die Ökonomie der Länder. Die Weltbank reduziert ihre Wachstumsschätzung für die Region Nahost/Nordafrika.

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Die Kriege in Syrien, Libyen, Jemen und Irak treiben nicht nur Millionen Menschen nach Europa. Sie verheeren auch die Ökonomien der Länder des Nahen Ostens. Krankenhäuser sind zerstört, Kraftwerke ausgebombt, Schulen werden als Flüchtlingsunterkünfte umgewidmet. Laut Schätzungen der Weltbank hatte sich bereits 2014 der Kapitalstock Syriens um 70 bis 80 Milliarden Dollar vermindert, das entspricht dem doppelten der Jahreswirtschaftsleistung. Die angrenzenden Länder verzeichneten Kriegskosten von 35 Milliarden Dollar. Zusammen mit dem niedrigen Ölpreis führt dies zu Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit und Flucht.

Die Weltbank hat in einer neuen Studie ihre Wachstumsschätzung für die Region Nahost/Nordafrika für 2015 von 2,8 auf 2,6 Prozent reduziert. Länder wie Jordanien kommen laut Weltbank dieses Jahr auf Werte um die drei Prozent, was nach deutschen Maßstäben viel wäre. Gleichzeitig aber bräuchte das Land laut Internationalem Währungsfonds (IWF) mindestens sechs Prozent Wachstum, allein um die neu auf den Arbeitsmarkt strömenden Menschen mit Jobs zu versorgen.

Ein Grund für die wirtschaftliche Misere ist der gesunkene Ölpreis. Er lässt die Einnahmen der Ölexporteure wie Saudi Arabien, Algerien oder Irak einbrechen. Das schadet mittelbar den anderen Ländern der Region: Ihre Exporteinnahmen sinken. Die anderen Gründe sind Terror-Anschläge und die militärischen Konflikte, die Investitionen verhindern, Exporte drücken und den Tourismus einbrechen lassen. 2015 ging die Zahl der Touristen in Nordafrika um zehn Prozent zurück.

Schulden steigen enorm

Der Bürgerkrieg hat Syriens Staatsverschuldung bis Ende 2014 laut Weltbank auf 147 Prozent der Wirtschaftsleistung getrieben. Neuere Zahlen hat die Bank nicht. Auch Informationen zu den Kriegsschäden seien spärlich. Allein in sechs großen Städten des Landes seien Schulen, Gebäude, Versorgungs- und Transportanlagen im Wert von 3,6 bis 4,5 Milliarden Dollar zerstört worden. Laut jüngsten Schätzungen sei die Hälfte aller Krankenhäuser entweder zerstört oder beschädigt.

Die Wirtschaftsleistung Jemens ist durch den Bürgerkrieg laut Weltbank um ein Viertel gesunken, die schlechte Versorgungslage hat die Inflationsrate auf über 20 Prozent getrieben. Bereits vor dem Krieg lebte die Hälfte aller Jemeniten unter der Armutsgrenze, nun seien es 82 Prozent.

Stark betroffen durch die Kriege ist auch das Bildungssystem. „Anhaltende Gewalt haben in Syrien, Jemen, Irak und Libyen Jahre der Bildungsarbeit zunichte gemacht“, so die Weltbank. In Syrien und Jemen gehe mehr als die Hälfte aller Kinder nicht mehr zur Schule, in Irak seien 5300 aller Schulen – fast ein Fünftel – zerstört, beschädigt oder in Notunterkünfte umgewandelt worden.

Die Kriege strahlen auf die Nachbarländer aus: In Jordanien leben mehr als 630.000 syrische Flüchtlinge, in Libanon machen Geflüchtete mittlerweile ein Viertel der Bevölkerung aus.  „Diese beiden Nationen haben der Welt einen großen Dienst erwiesen, obwohl dies für ihre Ökonomien und Bevölkerungen immense Opfer bedeutet“, sagte Weltbankpräsident Jim Yong Kim am Donnerstag auf der Geberkonferenz in London. Diese Großzügigkeit koste Jordanien 2,7 Milliarden Dollar pro Jahr, ein Viertel der jährlichen Staatseinnahmen. In Libanon seien es 1,6 Milliarden Dollar.  Das treibt die Schulden in die Höhe. In Jordanien liege sie mittlerweile bei 91 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Libanon bei 138 Prozent. „Das ist nicht nachhaltig“, mahnte der Weltbankpräsident.

In Jordanien ist laut IWF ein Drittel aller Jugendlichen arbeitslos – nur 32 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung hat einen Job. In Libanon hat sich die Armutsquote zwischen 2012 und 2014 auf 20 Prozent verdoppelt, „die meisten von ihnen sind ungelernte Jugendliche“, so die Weltbank. Besonders hart trifft es die Geflüchteten: Laut Internationaler Arbeitsorganisation haben 92 Prozent aller syrischen Flüchtlinge in Libanon keinen Arbeitsvertrag, die Hälfte arbeitet als Saisonkraft oder Tagelöhner.

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