Angeblich waren Heuschrecken vor Jahren hinter der deutschen Autoikone Volkswagen her. Dies umso mehr als das umstrittene VW-Gesetz von Brüssel kassiert zu werden drohte. Dies begrenzt den Einfluss unabhängig von der Höhe des Aktienbesitzes auf 20 Prozent, was das Unternehmen für Finanzinvestoren relativ unattraktiv machte. In dieser angeblich kniffligen Situation hob der David Porsche den Finger und engagierte sich vor drei Jahren zunächst mit knapp 20 Prozent bei den Wolfsburgern. Ein Ausverkauf von VW sollte verhindert werden, der Konzern deutsch bleiben.
Derart heroisch und vaterlandsliebend wurde der Deal verkauft, aber das war nur die halbe Wahrheit. Denn eigentlich braucht Porsche ein Unternehmen wie VW, da es andernfalls im immer härteren Wettbewerb die hohen Entwicklungskosten nicht so ohne weiteres alleine stemmen kann. Und außerdem wollte einer sein Lebenswerk mit dem Aufbau des Familienunternehmens VW/Porsche krönen: Ferdinand Piëch, der Patriarch und frühere VW-Chef, Miteigentümer von Porsche, heute oberster Kontrolleur von Volkswagen und Strippenzieher im Hintergrund. Als Porsche SE nimmt das Projekt inzwischen konkrete Formen an.
Betriebsratschef Bernd Osterloh warf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dem Aufsichtsratsvorsitzendem Wolfgang Porsche kürzlich Denver-Clan-Methoden vor. Tatsächlich ist der Ton bereits vor der Ehe der beiden Unternehmen bisweilen rau. Wiedeking wird nachgesagt, er bevormunde die VW-Vorstände und wolle die Mitbestimmung aushebeln. Eine Mitsprache, die Vertreter von Europas größtem Autobauer mit denen von dem wesentlich kleineren Unternehmen Porsche im Holding-Aufsichtsrat gleichsetzt, wurde den VW-Arbeitnehmervertretern vor die Nase gesetzt. Jeglicher Widerstand dagegen scheint vergeblich, auch wenn Osterloh sich weiterhin kämpferisch gibt. Denn eigentlich ist Porsche bereits am Ziel, die Mehrheit von 75 Prozent ist über Optionen greifbar. Und das VW-Gesetz wird die EU-Kommission auch in der abgemilderten Form erneut kassieren, so dass Porsche durchgreifen kann. Piëch wird auch nicht dazwischenfunken und den VWlern Zugeständnisse machen - er steht nach einem jüngsten Familientreffen voll hinter Wiedeking. cri
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