Einen Ausstand der Piloten hat die Lufthansa noch abgewendet. Nun könnte es doch Ausfälle und Chaos geben: Die Fluglotsen kündigen der Deutschen Flugsicherung die Freundschaft - und Streiks an.
Fluglotse.
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Frankfurt a.M. Einen Ausstand der Piloten hat Deutschlands größte Airline Lufthansa gerade noch abgewendet. Nun könnte es doch Ausfälle und Chaos geben: Die Fluglotsen kündigen der Deutschen Flugsicherung die Freundschaft - und Streiks an.
Der Bundesvorstand der Fluglotsengewerkschaft GdF fällte nach dem Scheitern der Tarifgespräche mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) den Beschluss einstimmig, teilte die Vertreter der Arbeitnehmer mit. Zuvor hatte die Tarifkommission die Verhandlungen zur "Neufassung der Sonderregelungen" für gescheitert erklärt.
Beginn und Umfang der Streiks werden den Angaben zufolge wie bereits in der Vergangenheit 24 Stunden vorher bekanntgegeben. Fliegerische Notfälle sollen trotz des Ausstands abgefertigt werden.
Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen nach GdF-Angaben tarifliche Regelungen für einen sogenannten Belastungsausgleich für im operativen Dienst beschäftigte Fluglotsen. Dieser werde vor dem Hintergrund des sich ständig verändernden Flugaufkommens jährlich neu verhandelt.
Der Machtkampf der Lufthansa-Piloten
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Der Machtkampf der Lufthansa-Piloten
Eigentlich sollte der Ausstand vier Tage lang dauern, nun ist nach einem Tag Schluss. Cockpit hatte mehr als 4000 Piloten aufgerufen, die Jets von Lufthansa und ihrer Töchter Germanwings und Cargo stehenzulassen.
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In der Urabstimmung der Vereinigung Cockpit hatten sich zuvor fast alle Luftkapitäne für einen Streik ausgesprochen. Sie haben handfeste Forderungen.
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Es geht natürlich - auch - um Geld. Im Raum steht die Forderung von 6,4 Prozent mehr Gehalt und höheren Gewinnbeteiligungen. Bisher liegt das Einstiegsgehalt inklusive Zulagen bei 60.000 Euro im Jahr. Wer mit gehörig Berufserfahrung ausgestattet ist, kann es auf 240.000 Euro bringen.
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Der Tarifstreit dreht sich auch um Jobgarantieren - und um viel mehr. Den Piloten geht es letztlich ums Ganze, um die Macht in der Fluggesellschaft, sagen Kritiker.
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Denn zum Selbstverständnis der Flugkapitäne gehört, dass sie nicht nur im Cockpit, sondern auch im Gesamtkonzern bestimmen, wo's langgeht.
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Der designierte Lufthansa-Chef Christoph Franz hat andere Pläne. Er will die Airline radikal umbauen. Dazu zählt, auf vielen Strecken Piloten aus Tochterfirmen einzusetzen, die weniger verdienen.
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Das ist nicht nett und wenig originell, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Denn die Lufthansa muss sich künftig mit Billigheimern wie Ryanair und Easyjet messen, die über den Daumen ein Drittel weniger bezahlen.
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Richtig bliebt die Forderung der Gewerkschaft: gleicher Lohn für gleiche Arbeit - aber auf niedrigerem Niveau. Und das ist in Ordnung. Denn auch die Kapitäne der Töchter, etwa Cargo, verdienen immer noch ordentlich.
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Für die Reisenden bedeutet der zunächst auf einen Tag beschränkte Streik kein Vergnügen. Zehntausende Passagiere sind betroffen. Die Telefonhotline der Lufthansa ist völlig überlastet.
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Nach dem Notfallplan der Lufthansa sollen rund 3200 der bestreikbaren Flüge ausfallen - das sind rund zwei Drittel.
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In jenen Jets, die abheben, sitzen meistens Piloten aus dem Management am Steuer.
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Der Billigflieger Germanwings streicht nur rund ein Drittel der Flüge - für die Lufthansa-Tocher springen auch Maschinen und Besatzungen von anderen Gesellschaften ein.
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Lufthansa und Germanwings bieten kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen an. Auf den innerdeutschen Strecken können Reisende auf die Bahn ausweichen.
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Zudem wollen die Airlines für die Betreuung der auf Flughäfen festsitzenden Fluggäste sorgen.
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Nicht bestreikt werden Lufthansa-Regionalpartner wie Cityline oder Eurowings, die auf weniger stark nachgefragten Routen unterwegs sind.
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An normalen Tagen befördern Lufthansa und ihre Regionalpartner im Schnitt rund 150.000 Passagiere. - Sehen Sie zum Thema auch unsere Fotostrecke Lufthansa - Szenen vom Streiktag 1.
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Drei lachende Gesichter und eine große Überraschung: Die Lufthansa und die Gewerkschaft Cockpit verständigen sich vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main unerwartet darauf, den Streik der Piloten zunächst auszusetzen. Ausgehandelt haben das (von links) Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber, Richterin Silke Kohlschitter und Cockpit-Vorsitzender Winfried Streicher.
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Lufthansa - Szenen vom Streik
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Lufthansa - Szenen vom Streik
Und das, obwohl der Kranich die meisten seiner Flüge annullieren muss. Nicht einmal der Notflugplan wird eingehalten.
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Überrascht von dem Streik sind vorwiegend ausländische Reisende, die sich schwieriger informieren können.
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Nur hier und da ermüden gestrandete Passagiere.
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Gegen Mittag gibt's im Frankfurter Terminal 1 dann doch Schlangen. Allerdings nicht vor den Lufthansa-Schaltern, sondern etwa bei United Airlines. Unter den Wartenden befinden sich Passagiere, die
ursprünglich mit dem Kranich fliegen wollten.
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Szene aus Hamburg: wenig los bei der Lufthansa, obwohl auch dort viele Verbindungen ausfallen.
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Auch an den Flughäfen in Stuttgart, München, Berlin Tegel und Schönefeld, Düsseldorf, Köln/Bonn, Nürnberg, Hannover, Bremen, Leipzig und Dresden müssen die Reisenden umorganisieren.
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Szene aus Stuttgart bei der Lufthansa-Tochter Germanwings.
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Vorsicht! Passagierrechte!
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Beeindruckende Kullisse für den Protest der Piloten.
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Vor dem Tor 21 des Frankfurter Flughafens versammeln sich mehrere hundert Piloten in Dienstkleidung.
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Nach der Angaben der Vereinigung Cockpit erlaubt der Flughafenbetreiber Fraport keine Aktionen in den Terminals.
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Der Demonstrationszug setzt sich in Richtung Lufthansa-Aviation-Center in Bewegung.
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Die Veranstaltung läuft ruhig und gesetzt.
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Es folgen weitere Eindrücke.
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Mitte Mai vergangenen Jahres streiken die Piloten der Lufthansa - doch auf den Flughäfen bleibt das befürchtete Chaos aus.
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Laut DFS hatte die Gewerkschaft an einigen Standorten trotz gesunkenem Verkehrsaufkommen auf eine Kürzung der Arbeitszeit bestanden, was zu einem höheren Personalbedarf geführt hätte. DFS-Arbeitsdirektor Jens Bergmann hatte am Donnerstag die Forderungen der Gewerkschaft als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet und eine Rückkehr der Gewerkschaft an den Verhandlungstisch gefordert.
In Deutschland arbeiten nach GdF-Angaben rund 5500 Beschäftigte bei der Flugsicherung, davon rund 2400 Fluglotsen. Die Gewerkschaft vertritt nach eigenen Angaben rund 3200 Mitarbeiter.
Bei den Fluglotsen gibt es eine Regelung, wonach jede Seite eine Schlichtung fordern kann, die dann zunächst im Konflikt vermitteln soll. Während der Schlichtung gilt eine Friedenspflicht, in denen keine Streiks erlaubt sind. Wird aber in einer bestimmten Zeit keine Lösung gefunden, endet die Friedenspflicht.
Erst Mitte der Woche hatten sich die Piloten der Lufthansa mit dem Unternehmen auf eine Schlichtung im aktuellen Tarifkonflikt geeinigt. Der zunächst angedrohte viertägige Pilotenstreik ist damit vom Tisch. Die Piloten hatten bis zuletzt mit dem Ausstand vom 13. bis 16. April gedroht, obwohl es bereits eine grundsätzliche Zustimmung beider Seiten zur Schlichtung gab.
Strittig war aber, ob zunächst die Modalitäten der Schlichtung geklärt oder die Ankündigung des Streiks zurückgenommen werden mussten. Laut Lufthansa ist man den Piloten schließlich entgegengekommen.
Wer zwischen den beiden Seiten vermitteln wird, stand noch nicht fest. 2001 war der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) als Schlichter in einem Tarifkonflikt bei den Lufthansa-Piloten aktiv. Kernpunkt des Streits bei den Piloten ist neben der Bezahlung von rund 4500 Piloten ihre Mitsprache im Unternehmen. Im Februar hatten die Piloten für einen Tag gestreikt. Dabei waren rund 2000 Flüge ausgefallen, der Schaden betrug laut Lufthansa rund 50 Millionen Euro. (ddp/dpa)