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Tariflöhne: Arbeitgeber servieren Magerkost

Nachdem der durchschnittliche Lohnabhängige im vergangenen Jahr bereits preisbereinigt weniger Geld in der Tasche hatte, wird es 2010 noch härter für die Beschäftigten. Von Roland Bunzenthal

Wer seinen Gürtel enger schnallen soll, muss sich erst einen solchen leisten können.
Wer seinen Gürtel enger schnallen soll, muss sich erst einen solchen leisten können.
Foto: photocase

Im laufenden Jahr heißt es für viele Arbeitnehmer erneut, den Gürtel enger zu schnallen. Nachdem der durchschnittliche Lohnabhängige im vergangenen Jahr bereits preisbereinigt weniger Geld in der Tasche hatte, wird es 2010 noch härter für die Beschäftigten.

Damit dürfte es auch den volkswirtschaftlich wichtigen Konsum noch stärker treffen: Allenfalls zwischen ein und zwei Prozent werden die Tariflöhne im Durchschnitt des laufenden Kalenderjahres zulegen, vermutet Reinhard Bispinck vom Forschungsinstitsut WSI anhand der gelaufenen oder momentan anstehenden Abschlüsse bei den beiden größten Tarifregionen: Metall und öffentlicher Dienst. Was noch fehlt, sind die für das Frühjahr geplanten Runden bei Chemie und Banken.

Im vergangenen Jahr waren die Tarifentgelte noch im Schnitt um 2,6 Prozent gestiegen. Durch Kurzarbeit, Abbau von Sonderzahlungen und dergleichen blieb von dem am Verhandlungstisch erkämpften Zuwachs am Ende nichts mehr übrig

Die bisherigen Tarifvereinbarungen sind diesmal besonders schwer auf das Kalenderjahr umzurechnen, gesteht auch Tarifexperte Bispinck ein. Auf der einen Seite sind die üblichen Lohnerhöhungen diesmal besonders häufig kombiniert mit Einmalzahlungen und längeren Vertragslaufzeiten.

Auf der anderen Seite liegt das Schwergewicht der Tarifparteien diesmal stärker auf beschäftigungswirksamen Vereinbarungen: Dazu gehören Einstellungsgarantien für Lehrlinge, Altersteilzeit, bezahlte Fortbildungsphasen und Kündigungsverbote. Dafür haben die Arbeitgeber auf breiter Front Härte- und sogenannte Öffnungsklauseln für bedrohte Betriebe durchgesetzt, mit denen das Tarifniveau unterlaufen werden kann.

Wie stark die Krise auf die Tarifabschlüsse durchschlägt, macht das Statistische Bundesamt jetzt deutlich. Die Abschlüsse lägen durchweg niedriger als im Vorjahr: Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise bewegten sich die meisten Tariferhöhungen im zweiten Halbjahr 2009 zwischen ein und zwei Prozent. Dagegen gab es in der zweiten Hälfte 2008 noch Tarifsteigerungen von vier Prozent oder mehr.

Die Auswirkungen der Krise auf die Abschlüsse werden laut Bundesamt zum einen sichtbar "durch die Aufnahme von Öffnungsklauseln, die die Umsetzung der Tarifergebnisse in den Betrieben unter Vorbehalt stellen". Hinzu kommt, dass Tariferhöhungen verzögert in Kraft treten.

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  27 | 2 | 2010
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