Die IG Metall in Norddeutschland ist unzufrieden mit Ablauf und einzelnen Elementen der jüngsten Tarifrunde. Die Gewerkschafter wollen deshalb Vorschläge für eine neue Strategie entwickeln. Das hat der Vorstand des IG-Metall-Bezirks Küste in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.
In der gesamten Gewerkschaft gab es heftige Debatten über den Tarifabschluss vom 12. November, der einen Lohnzuschlag von insgesamt 4,2 Prozent vorsieht. Einige Gewerkschafter und Betriebsräte aus florierenden Firmen waren enttäuscht über das Lohnplus. Andererseits sind die meisten Mitglieder überzeugt, dass ein Arbeitskampf das Ergebnis auch nicht wesentlich verbessert hätte.
Der IG-Metall-Bezirk Küste will denn auch nicht an der Lohnzahl herumkritteln, sondern klären, welche Konsequenzen für die künftige Strategie zu ziehen sind. Die Norddeutschen plädieren dafür, die Mitglieder stärker zu beteiligen. In der jüngsten Tarifrunde sind die Vorstellungen der Basis zwar in die Lohnforderung eingeflossen.
Doch als der Abschluss dann vorlag, wurden die Mitglieder nicht mehr gefragt. Hier sei eine stärke Beteiligung nötig, sagt Jutta Blankau, Chefin des Bezirks Küste. Man müsse darüber diskutieren, ob die Basis künftig auch über das Verhandlungsergebnis abstimmt, ergänzt der Tarifexperte des Bezirks, Daniel Friedrich.
Das wäre eine gravierende Änderung, denn bislang werden die Gewerkschaftsmitglieder nur bei einem Scheitern der Verhandlungen gefragt, ob sie zum Streik bereit sind. Künftig könnten sie auch einen Pilotabschluss ablehnen.
Eine klarere Strategie wünscht sich der Bezirk auch bei der Frage, wann Unternehmen von Tarifstandards abweichen dürfen. "Wir wollen ein tarifvertragliches Verfahren", sagt Blankau. Im Klartext: Die Gewerkschaft und ihre Mitglieder sollen entscheiden, ob Löhne gekürzt oder Zuschläge verschoben werden - und nicht allein Betriebsrat und Management.
Genau das sieht der Pforzheimer Vertrag von 2004 vor. Der jüngste Abschluss erlaubt es jedoch Betriebsparteien, in Eigenregie die zweite Lohnerhöhung von 2,1 Prozent zu verschieben. Das sei inkonsequent, kritisiert Friedrich.
Der IG Metall ist es in der jüngsten Tarifrunde nicht gelungen, mehr Geld für Beschäftigte in florierenden Betrieben durchzusetzen. Auch damit wollen sich die Norddeutschen nicht abfinden. Auf den Prüfstand gehöre die Tradition des Pilotbezirks. Meist sind es die Baden-Württemberger, deren Abschluss dann auf die gesamte Metall- und Elektroindustrie übertragen wurde.
Blankau sind regionale Tarifverhandlungen lieber als zentrale Gespräche, allerdings müssten die anderen Bezirke stärker einbezogen werden.
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