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Tarifverhandlungen: Ärzte setzen auf fette Jahre

Die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern beginnen ihren bundesweiten Streik. In Hessen sind 17 Kliniken betroffen. Die Gewerkschaft Marburger Bund verhandelt aus einer Position der Stärke. Von Daniel Baumann


Foto: FR

Die mageren Jahre sind vorbei. Mit einer Kundgebung in München beginnen am Montag die Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern ihren bundesweiten Streik. In Hessen werden 17 Kliniken bestreikt. Trotz Wirtschaftskrise und klammen Krankenkassen - die Ärzte wollen mehr Geld. Die Gewerkschaft Marburger Bund ist in einer starken Position, die Mediziner werden den Arbeitgebern in den kommenden Jahren die Bedingungen diktieren können.

Fünf Prozent höhere Löhne und 35 Prozent höhere Entschädigungen für Bereitschaftsdienste fordert die Gewerkschaft für die 55.000 an kommunalen Kliniken beschäftigten Ärzte in dieser Tarifrunde. Für die Kommunen ist das eine inakzeptable Forderung. "Das ist den Bürgern und den Beitragszahlern in der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht zu vermitteln", sagt der Verhandlungsführer des Verbands kommunaler Arbeitgeber (VKA), Joachim Finklenburg.

Schon jetzt gehörten Ärzte zu den privilegierten Berufsgruppen. 76.000 Euro pro Jahr verdient ein Krankenhausarzt im Durchschnitt. Finklenburg befürchtet, dass die Forderungen die Kliniken erneut in Finanznot bringen werden. Erst vor knapp zwei Jahren hat ihnen der Bund mit einer Finanzspritze geholfen.

Doch die Ärzte sitzen in den kommenden Jahren am längeren Hebel. 5000 Arztstellen sind in den Krankenhäusern derzeit unbesetzt. Und die Situation verschärft sich rasant. Vor drei Jahren hatten 28,4 Prozent der Häuser Probleme ihre Stellen zu besetzen, vergangenes Jahr waren es bereits 80 Prozent, wie das Deutsche Krankenhausinstitut ermittelt.

Marburger Bund: "Alle Register ziehen"

Längst jagen sich die Krankenhäuser gegenseitig Ärzte ab. Seitenweise freie Arztstellen in Krankenhäusern und Kliniken publiziert das Deutsche Ärzteblatt wöchentlich. Und die Situation wird sich verschärfen, wenn in den kommenden Jahren ein großer Teil der Ärzte in Rente geht.

Das gibt dem Marburger Bund Macht. Jetzt kann er öffentliche, private und kirchliche Kliniken gegeneinander ausspielen. "Die Arbeitgeber treiben durch ihre Untätigkeit und völlige Verkennung der Realität die Ärzte aus den kommunalen Häusern", warnt der Chef des Marburger Bundes, Rudolf Henke. Anderswo sei die Arbeit attraktiver. So geraten die Arbeitgeber unter Druck, reihum die Gehälter anzuheben um konkurrenzfähig zu bleiben.

Auf dem Markt zeigt sich bereits jetzt, welche Löhne Ärzte für ihre Tätigkeit inzwischen verlangen können. In den vergangenen Jahren sind Ärztevermittler wie Pilze aus dem Boden geschossen. Sie reichen Mediziner herum, die gegen Honorar in Praxen und Krankenhäusern tageweise einspringen. "Die Nachfrage ist deutlich stärker geworden als früher", sagt zum Beispiel der Geschäftsführer der Ärztevermittlung Doc-to-Rent, Steffen Schüler. Das treibt die Löhne.

"Die Honorare der freiberuflich tätigen Ärzte liegen mit Stundensätzen bis zu 100 Euro deutlich über denen fest angestellter Ärzte", klagt der Präsident der Ärztekammer Westphalen-Lippe, Theodor Windhorst. Mancher stationäre Facharzt käme inzwischen auf den Geschmack und kündige seine Festanstellung.

Vor diesem Hintergrund mutet es utopisch an, wenn die Chefin des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Doris Pfeiffer, eine Nullrunde bei Ärzten und Krankenhausausgaben fordert. Das weiß auch der Marburger Bund. "Wenn es sein muss, werden wir auch diesmal wieder alle Register ziehen, bis die Arbeitgeber uns ein zustimmungsfähiges Angebot machen", kündigt Gewerkschaftschef Henke an. Die Chancen für die Ärzte stehen gut. Die fetten Jahre kommen noch.

Autor:  Daniel Baumann
Datum:  16 | 5 | 2010
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