Berlin. Schöne Bescherung für die Deutsche Bahn: Sie steht vor einer harten Tarifrunde. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA verlangen trotz Konjunkturkrise zehn Prozent mehr Gehalt.
Die Lokführerorganisation GDL gibt sich mit einer Forderung von 6,5 Prozent bescheidener. Konzernvorstand Norbert Hansen verlangt Kompromissbereitschaft.
Zur Adventszeit hat sich die größte Bahngewerkschaft etwas ganz Besonderes für ihren Ex-Chef Hansen einfallen lassen, der im Mai unter viel Kritik die Seiten wechselte. In der Berliner Bahnzentrale bekam der ehemalige Transnet-Chef von seinen einstigen Kollegen einen riesigen Holzkalender überreicht.
Hinter den 24 Türchen finden sich die Forderungen zur Tarifrunde - und das könnte dem Bahnvorstand die Festtagslaune gründlich verderben.
"Keine Überraschungen, klare Forderungen" - so lautet der Aufdruck auf dem Kalender, den Transnet-Chef Alexander Kirchner und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann ihrem einstigen Vorkämpfer in die Hand drückten.
Neben zehn Prozent Lohnzuschlag will die Tarifgemeinschaft auch bessere Arbeitszeitregeln bei der Bahn durchsetzen. Und zwar notfalls auch mit Streiks, betonte Fuhrmann und stimmte die Basis damit gleich auf einen möglichen Arbeitskampf ein.
Erst im Januar soll die erste Verhandlungsrunde starten. Im gleichen Monat laufen die bisherigen Tarifverträge für 150 000 Beschäftigte aus. Beim vorigen Mal hatten Transnet und GDBA zunächst 4,5 Prozent Lohnerhöhung durchgesetzt, außerdem die einmalige Verbesserung der Entgeltstruktur um 5,5 Prozent.
Damals noch unter Hansens Führung wurde zudem erreicht, dass jeder Beschäftigte zwischen Dezember 2007 und Dezember 2010 insgesamt mindestens zehn Prozent mehr bekommen soll.
Diese Zusagen ließ sich die Bahn allerdings erst entlocken, als die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL ausgeschert war und parallel in der Folge erstmals einen besseren eigenen Tarifvertrag über insgesamt elf Prozent Lohnerhöhung durchsetzte.
Erst nach einem fast einjährigen Tarifstreit und wiederholten bundesweiten Streiks lenkte Konzernchef Hartmut Mehdorn unter Druck der Bundesregierung im Frühjahr ein. In der kommenden Tarifrunde hält sich die GDL nun zurück. Man wolle 6,5 Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitszeitregelungen, sagte der Vorsitzende Claus Weselsky.
Möglich ist, dass die drei Gewerkschaften künftig wieder kooperieren. Der neue Transnet-Chef sagte, er halte das für wünschenswert und habe daher GDL-Chef Weselsky einen Brief geschrieben. Die beiden Vorgänger Hansen und der frühere GDL-Chef Manfred Schell hatten sich in der vorigen Tarifrunde heftig angefeindet, auch wegen der unterschiedlichen Position zur Bahnprivatisierung, die von den Lokführern abgelehnt wird.
Nach Hansens Wechsel in den Konzernvorstand sieht auch Transnet den Börsengang des Staatskonzerns deutlich kritischer. Das könnte eine Annäherung erleichtern, so Beobachter.
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