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04. März 2013

Tarifverhandlungen: Weniger Dampf

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Ein Beschäftigter einer Edelstahl-Gießerei entfernt Schlacke bei einem Abstich. Foto: dpa

Die als Tariflok geltende IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Lohn. Damit geht die größte deutsche Industriegewerkschaft mit einer maßvollen Forderung in die erste Verhandlungsrunde – andere verlangen mehr.

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Genau 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für 3,7 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie hat der Vorstand der IG Metall für die anstehende Tarifrunde am kommenden Montag vorgeschlagen. Damit geht die größte deutsche Industriegewerkschaft mit einer eher maßvollen Forderung in die erste Verhandlungsrunde am 17. März. Andere Gewerkschaften verlangen 2013 mehr: Im Bausektor sind es 6,6 Prozent, im öffentlichen Dienst der Länder 6,5 Prozent und für die Bahnbediensteten ebenfalls 6,5 Prozent. Die Funktion einer Tarif-Lokomotive für andere Branchen wird der Lohnabschluss in der Metall- und Elektroindustrie in diesem Jahr also kaum erfüllen.

Das muss sie allerdings auch nicht unbedingt. Mit einigem Stolz verweist die IG Metall darauf, dass die Tarifentgelte seit der Jahrtausendwende um 38,7 Prozent gestiegen sind, während es in der deutschen Wirtschaft insgesamt nur 30,1 Prozent waren. Für 2013 macht die Gewerkschaft eine einfache Rechnung auf: Aus einer prognostizierten Teuerung von zwei sowie einem Produktivitätszuwachs von 1,5 Prozent ergebe sich ein verteilungsneutraler Spielraum von 3,5 Prozent. Dieser sei durch einen kaufkraftstärkenden Zuschlag zu ergänzen, zumal die Unternehmen 2012 prima verdient hätten.

Nach einer Prognose des Münchner Ifo-Instituts auf Basis der ersten drei Quartale erzielte die Metall- und Elektroindustrie im Gesamtjahr fast 40 Milliarden Euro Reingewinn. Vor diesem Hintergrund ist ein Plus von 5,5 Prozent aus Gewerkschaftssicht eine angemessene realistische und jedenfalls nicht zu hohe Forderung, wie IG-Metall-Chef Berthold Huber am Montag betonte. Wenig überraschend sieht der Arbeitgeberverband Gesamtmetall dies ein wenig anders. Man verweist auf das letztjährige Tarifplus von 4,3 Prozent, das die Unternehmen auf das Gesamtjahr 2013 gerechnet mit deutlich mehr als einem Prozent belaste. Zu diesem „Kostenüberhang“ addierten sich zusätzliche Ausgaben durch die 2013 erstmals wirksamen Zuschläge für die rund 200000 in der Branche eingesetzten Leiharbeiter.

Demgegenüber stünden lediglich vorläufige Gewinnschätzungen für die Branche, bei denen das sehr schwache vierte Quartal 2012 nicht berücksichtigt sei.

Gesamtmetall verweist zudem auf die großen Unterschiede innerhalb der Teilbranchen. Während es etwa Optikunternehmen blendend gehe, müssten sich Hersteller von Metallerzeugnissen mit minimalem Wachstum bescheiden. Selbst innerhalb eines Industriezweiges lägen Erfolg und Misserfolg nahe beieinander, heißt es mit Blick auf Opel und die deutschen Autobauer. Daraus ergibt sich aus Arbeitgebersicht ein begrenzter Verhandlungsspielraum – und die Forderung nach einem flexiblen Abschluss für Teilbranchen.

Neben der Höhe des Tarifabschlusses ist vor allem die Laufzeit von zwölf Monaten strittig, die die Arbeitgeberseite gerne verdoppelt sähe. Ein „Langläufer“ sei um der Planungssicherheit der Unternehmen willen angebracht, heißt es im Arbeitgeberverband. Zumal der Wahlausgang in Italien und möglicherweise drastische Haushaltskürzungen in den USA zuletzt die Unsicherheiten verstärkt hätten.

Ganz von der Hand zu weisen ist das Argument nicht. Sollte die US-Konjunktur wegen des Haushaltsstreits tatsächlich einbrechen, würde das die hiesige Metall- und Elektroindustrie hart treffen. 2012 konnte die Branche ihre Exporte in die USA um 17,6 Prozent auf ein Volumen von 62,6 Milliarden Euro steigern. Damit lösten die USA im vergangenen Jahr China mit 54,7 Milliarden Euro als zweitwichtigstes Abnehmerland hinter Frankreich mit 65,1 Milliarden Euro ab.

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