Am Mittwoch durchsuchten Ermittler die Bonner Zentrale der Telekom. Doch diesmal kamen die Beamten nicht von der Bonner Staatsanwaltschaft, die im Bespitzelungs-Skandal gegen die Telekom ermittelt, sondern aus Bochum. Die Fahnder suchten nach Beweisen für kriminelle Machenschaften von Mitarbeitern der Telekom-Tochter T-Systems. Sie sollen einen Kreislauf von Scheinrechnungen organisiert haben, um Provisionen einzustreichen für Geschäfte, die es niemals gab. "Der Kreis war geschlossen, die Warenbewegungen gab es nur auf dem Papier", sagt Bernd Bienioßek, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum.
In den Jahren von 2003 bis 2007 sollen die Betrüger auf diese Weise rund 2,5 Millionen Euro erschlichen haben. Geschädigter diesmal: die Telekom.
Doch den Betrug hat die Telekom nicht selbst entdeckt, sagt die Staatsanwalt Bochum. Die Ermittler seien durch Hinweise aus der Finanzverwaltung in Bochum darauf aufmerksam geworden, weil dortige Firmen involviert waren, so Sprecher Bienioßek. Hat die Telekom trotz ihres übereifrigen Überwachungssystems von dem Millionenbetrug im eigenen Unternehmen nichts gemerkt?
Brisante Untersuchungen
Nach FR-Informationen war der Fall im Bonner Konzern sehr wohl bekannt. Denn derselbe Mann, der mit seiner Berliner Firma Network für die Telekom Journalisten überwachte (Codenamen der Aktionen waren "Rheingold und "Clipper"), führte noch ein weiteres Projekt mit dem Decknamen "Zeus" für die Telekom bei T-Systems durch.
"Das Projekt "Zeus" ist ebenfalls brisant", schrieb der Network-Geschäftsführer Ralph Kühn Ende April an die Telekom, "da die abrupte Beendigung unserer fachlich hochwertigen Untersuchung nur im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf von T-Systems zu sehen ist, der nicht durch unsere zu erwartenden höchst kritischen Untersuchungsergebnisse gestört werden sollte". Die Telekom wusste durch die Untersuchungen von Network über die jetzt von der Staatsanwaltschaft entdeckten Betrügereien bei T-Systems schon vorher Bescheid.
Man habe in eigener Sache ermittelt und den Fall angezeigt, heißt es aus Konzernkreisen. Doch bei der Staatsanwaltschaft Bochum hat man vom Projekt "Zeus" noch nie gehört. Die Betrügereien bei T-Systems "haben wir durch eigene Recherchen herausgefunden", sagt Sprecher Bienioßek. deshalb ermittele man ja aus Bochum. Network will sich zu den Vorgängen nicht mehr äußern.
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