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07. März 2013

Telekom-Chef: Obermann wechselt zu Ziggo

 Von 
René Obermann geht in die Niederlanden. Foto: dpa

Noch-Telekomchef René Obermann zieht es in die Niederlande: Sein neuer Job beim Kabelnetzbetreiber Ziggo dürfte vermutlich deutlich spannender werden als sein letzter.

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René Obermann will endlich wieder attackieren. Der Noch-Chef der Deutschen Telekom fängt im Januar 2014 bei der niederländischen Firma Ziggo an. Ziggo ist ein Kabelnetzbetreiber. Das sind die Unternehmen, die den ehemaligen staatlichen Telekommunikationskonzernen derzeit das Leben ziemlich schwer machen. In den Niederlanden setzt Ziggo der KPN zu, hierzulande muss Obermanns Konzern sich gegen Kabel Deutschland und Unitymedia behaupten.

Genau das scheint dem Manager, der am Dienstag seinen 50. Geburtstag feierte, zunehmend genervt haben. Es mache viel Mühe, immer nur bestehende Umsätze zu verteidigen, sagte Obermann schon Mitte vorigen Jahres. Diese defensive Grundausrichtung liegt ihm nicht und war offenbar einer der Gründe, für den schon im Dezember völlig überraschend angekündigten Rückzug von der Spitze der Telekom. Damals sagte er nur, er wolle wieder näher an den Maschinenraum, näher an die Basis und noch einmal in einem jungen innovativen Unternehmen arbeiten.

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Ganz so jung ist Ziggo nicht. Die Gesellschaft ist aus einem Zusammenschluss mehrerer Firmen entstanden. Sie bietet Kabel-TV, schnelle Internetzugänge und Telefonanschlüsse an. Überall in Europa steigen die Marktanteile der Kabler. Ihr Vorteil: Sie haben in der Regel über den Fernsehempfang eine breite Kundenbasis. Das macht es einfach, den Nutzern auch noch schnelles Internet als wichtigstes Zusatzprodukt zu verkaufen, zumal derzeit über das Kabelnetz erheblich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten als über die Telefonleitung möglich sind.

Obermann kann wieder angreifen

Firmen wie KPN und Telekom müssen ihre Netze für viel Geld ausbauen, um mithalten zu können. Der Kabel-Boom wird von der Politik in allen EU-Ländern gestützt. Die Regierungen und die Regulierungsbehörden wollen damit den Wettbewerb fördern. Die Ex-Monopolisten werden dadurch zwangsläufig in die Defensive gedrängt. Zu den Ritualen auf Pressekonferenzen mit Obermann zählte, die deutsche und die europäische Regulierungspolitik heftig zu attackieren. Als Ziggo-Chef kann Obermann nun wieder angreifen. Denn die Kabelfirmen basteln auch an neuen Geschäftsmodellen, mit denen sie Fernsehen und Internet kombinieren wollen. „Ich freue mich bei Ziggo anzufangen“, ließ sich Obermann zitieren.

Der neue Job dürfte seinem Naturell mehr entsprechen, als die Stelle bei dem Riesen Telekom, der immer noch stark von politischen Einflüssen und von viel Bürokratie geprägt ist. In der Branche kursiert die Anekdote, dass es Obermann acht Monate gekostet haben soll, die Mineralwassermarke in der Telekom-Kantine zu wechseln.

Aktionäre müssen Obermann-Berufung zustimmen

Manager, der mit der TV-Moderatorin Maybritt Illner verheiratet ist, machte zunächst eine Lehre als Industriekaufmannbei BMW, begann dann ein Studium der Volkswirtschaft, gleichzeitig gründete er mit einem Partner die Firma ABC Rufsysteme, die heute als The Phone House firmiert. Das Studium brach er schon nach zwei Semestern ab, um sich ganz um seine Firma zu kümmern. Nach Verkauf seiner Anteile wechselte er zur Mobilfunktochter der Telekom.

Obermann zeigt mit seinem neuen Job, dass er Wettbewerb nicht scheut. Der niederländische Telekommarkt ist hart umkämpft. Er wird es neben KPN auch mit zwei weiteren Kabelnetzbetreibern zu tun gekommen. Dem schwedischen Unternehmen Tele 2 und der Firma UPC, die gehört zum Liberty-Konzern, der auch Eigentümer von Unitymedia ist. Ziggo verfügt über 2,9 Millionen Fernsehabonnenten und 1,9 Millionen Breitband-Kunden zählt. Ziggo war erst vor knapp einem Jahr von den Finanzinvestoren Cinven und Warburg Pincus an die Börse in Amsterdam gebracht worden. Der bisherigen Ziggo-Chef Bernard Dijkhuizen geht Anfang 2014 in den Ruhestand. Die Berufung von Obermann muss noch von den Aktionären beschlossen werden, die am 18. April zur Hauptversammlung zusammen kommen.

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