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20. Dezember 2012

Telekom: René Obermann steigt aus

 Von Friedemann Siering und Frank-Thomas Wenzel
René Obermann (links) und Nachfolger Tim Höttges. Foto: dpa

Der Telekom-Boss René Obermann tritt überraschend Ende 2013 ab. Finanzchef Tim Höttges wird sein Nachfolger.

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Der Telekom-Boss René Obermann tritt überraschend Ende 2013 ab. Finanzchef Tim Höttges wird sein Nachfolger.

Bei einem Essen mit Journalisten wurde René Obermann kürzlich gefragt, wie lange er noch Chef der Telekom sein werde. Er antwortete nicht direkt, ließ aber durchblicken, dass eines Tages der Einstieg bei einem kleineren, mittelständischen Unternehmen durchaus reizvoll sein könne. Eines schloss er jedoch aus: Selbst wieder eine Firma zu gründen, wie er es einst als Student getan hatte, lange vor seinem Einstieg ins Management des Bonner T-Konzerns.

Und wer könnte dann Chef bei der Telekom werden? Für Obermann keine Frage: Tim Höttges, sein Finanzvorstand. Nun ist es beschlossene Sache: Obermann tritt in einem Jahr ab und macht den Weg frei für Höttges. Der T-Aufsichtsrat hat gestern Obermanns Wunsch nach Aufhebung seines Vertrages entsprochen.

Die Nachricht vom Rückzug des 49-Jährigen kam trotz der Andeutungen auch für Insider überraschend. Obermann hat sich in den vergangenen Jahren im Konzern, in der Branche und in der Politik großes Renommee erworben. Seine Entschiedenheit hat ihm die Spitznamen Bulldozer und Dobermann eingebracht.

Einigermaßen geräuschlos

Er hat in der Dauerbaustelle Telekom die Umstrukturierung konsequent und einigermaßen geräuschlos vorangebracht. 16 Jahre lang gehörte er zum Management des Bonner Konzerns – zuerst in der Mobilfunksparte. 2006 übernahm er den Vorstandsvorsitz. Damals steckte die Telekom in einer tiefen Krise. Obermann wird besonders hoch angerechnet, dass er nach Übernahme des Chefpostens gemeinsam mit Höttges den Service und die Kundenzufriedenheit merklich steigern konnte.

Gleichwohl gelang es ihm nicht, den Verlust von Marktanteilen im deutschen Festnetz aufzuhalten. Die größte Hypothek, die Obermann hinterlässt ist die Mobilfunktochter T-Mobile USA. Das Unternehmen leidet unter der massenhaften Abwanderung von Kunden. Als Nummer vier im dortigen Markt kann die T-Tochter mit den Großen nicht mithalten.

Obermann versuchte im vorigen Jahr, T-Mobile an den Branchenriesen AT&T zu verkaufen – das wäre ein Befreiungsschlag gewesen. Doch die Wettbewerbsbehörden untersagten dies. Nun plant die Telekom ein enormes Investitionsprogramm und die Fusion mit dem kleineren Konkurrenten Metro PCS. Zudem setzte Obermann durch, dass sechs Milliarden in den Ausbau des hiesigen Festnetzes gesteckt werden.

„Näher an die Basis“

Das Hauptziel: Die Kabelnetzbetreiber, die der Telekom mit schnellen Internetzugängen immer mehr Kunden wegnehmen, sollen in Schach gehalten werden. Alles in allem sind rund 30 Milliarden Euro für Investitionen in den nächsten vier Jahren. Zugleich will die Telekom die Dividende von 70 auf 50 Cent pro Aktie. Obermann hatte jahrelang die höhere Dividende verteidigt.

In der noch jungen Geschichte der Telekom ist Obermann der erste Chef, der aus freien Stücken geht. Seine Vorgänger Ron Sommer und Kai-Uwe Ricke wurden nach heftigen Querelen vom Aufsichtsrat vor die Tür gesetzt.

Obermann sagte am Donnerstag, Höttges sei „der Beste“, den es für die Aufgabe des Vorstandschefs gebe – die beiden Manager sind privat eng befreundet. Was er von 2014 an machen wird, wollte Obermann gestern nicht verraten. Nur soviel: „Ich will wieder näher an die Basis und näher an den Maschinenraum.“

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