Sie kommen vom BKA - was bringen Sie an Erfahrung mit, um die Krise zu lösen?
Während meiner Arbeit als Vizepräsident des Bundeskriminalamts und später als Leiter der Abteilung Innere Sicherheit im Bundesinnenministerium habe ich viel mit Ermittlungen, Vertraulichkeit und Sicherheit und deren permanenter Überprüfung und Verbesserung zu tun gehabt. Diese Erfahrung kann ich einbringen. Einerseits unterstützen wir die Staatsanwaltschaft so gut wir können dabei, alle nötigen Informationen zusammenzutragen. Anderseits haben wir mit umfangreichen Analysen begonnen, um die Sicherheit im Konzern zu erhöhen und um kriminelle Missbrauchsfälle künftig möglichst wirksam zu verhindern. Ich unterstütze den Vorstandsvorsitzenden René Obermann, an den ich direkt berichte, bei der zügigen Aufklärung des Datenmissbrauchs. Die Vorwürfe treffen das Unternehmen im Mark. Daher werden wir mit aller Konsequenz handeln.
Reinhard Rupprecht war Vizepräsident des Bundeskriminalamts und später Leiter der Abteilung Innere Sicherheit im Bundesinnenministerium. Seit vergangenem Jahr ist Rupprecht Vorstandsbeauftragter für Konzernsicherheit, der direkt an Telekom-Chef René Obermann berichtet. Rupprecht selbst verantwortet in der Konzernsicherheit die Abteilungen Forensik und Ermittlungen.
Zu seinen Aufgaben zählt Rupprecht den Schutz von Netzen, Systemen und Produkten des Unternehmens - dazu gehören auch Patente und Geschäftsgeheimnisse.
Was wollen Sie an der Abteilung Konzernsicherheit verändern, damit Vorfälle wie die derzeit diskutierten nicht mehr möglich sind?
Wir haben in der Konzernsicherheit bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen. Wir haben die Organisation verändert, der Bereich wird nun von einer neuen Doppelspitze geführt. Ich habe die fachliche Leitung der Abteilungen Forensik und Ermittlungen übernommen. Nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werden weitere Erkenntnisse vorliegen, aus denen wir zusätzliche Schritte ableiten werden, wie sich Kontrolle verbessern und Missbrauch wirksamer verhindern lässt.
Warum konnte der Datenmissbrauch geschehen, was folgt daraus für Sie?
Nach allem, was wir heute wissen, konnten Mitarbeiter, deren Aufgabe es war, Missbrauch zu erkennen und wirksam zu verhindern, selbst missbräuchlich Daten beschaffen und diese einer Auswertung zuführen. Wir optimieren derzeit den Datenschutz und die Datensicherheit durch vielfältige organisatorische und technische Maßnahmen. Wir denken über weitere Kontrollmöglichkeiten nach.
Die Abteilung soll im Konzern unter anderem Mitarbeiter kontrollieren. Wer kontrolliert die Kontrolleure?
Das Compliance Committee, der Konzerndatenschutzbeauftragte, die Revision und die Rechtsabteilung. Nicht zuletzt seit Anfang des Jahres 2008 ich selbst.
Nach welchen Kriterien werden Mitarbeiter für die Konzernsicherheit ausgesucht ? Wir benötigen für die vielseitigen Aufgaben im Bereich der Konzernsicherheit, die vom Personen- und Objektschutz bis zur Sicherheit der Netze und der Kundendaten ein breites Spektrum umfasst, unterschiedliche Qualifikationen. Also vom IT-Techniker über den Personenschützer bis zum Fachmann für Gebäude-Zutritts- und Brandsicherung.
Wie wollen Sie herausfinden, ob beim Datenmissbrauch Beteiligte derzeit noch in der Abteilung arbeiten?
Das ist in erster Linie Sache der Staatsanwaltschaft, die wir bei der rigorosen Aufklärung unterstützen.
Was sehen Sie als Hauptaufgabe der Konzernsicherheit an?
Wir schützen die Netze, Systeme und Produkte und natürlich auch die Menschen. Unsere Aufgabe ist, dabei auch die Integrität und die Vertraulichkeit von Daten, Konzern- und Kundeninformationen gegen unberechtigte Kenntnisnahme und Verfälschung sicherzustellen. Außerdem gehört der Schutz der materiellen und immateriellen Güter, das sind beispielsweise Patente und andere Geschäftsgeheimnisse dazu.
Wie gehen Sie mit den Hinweisen, um, es habe ein konzernübergreifendes Netzwerk von Personen aus den Sicherheitsdiensten gegeben, die Daten austauschten?
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Wenn Sie diesbezüglich Informationen haben, möchte ich Sie auffordern, diese der Staatsanwaltschaft zuzuleiten. Wir haben alle uns vorliegenden Information bereits übergeben.
Mit welchem Anbieter telefonieren Sie, wenn sie etwas Geheimes zu besprechen haben?
Es geht nicht um den Vorwurf des Abhörens, sondern um den Vorwurf, dass man erhoben hat, wer wann mit wem telefoniert hat.
(Interview: Matthias Thieme)
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