Die Inflationsrate in Deutschland dürfte im Februar wegen steigender Energiepreise erstmal seit Oktober 2008 über der Zwei-Prozent-Marke liegen. Nach ersten Daten aus Bayern, Sachsen, Hessen und Brandenburg legten die Preise um 1,8 bis 2,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr zu, wie die Statistischen Landesämter mitteilten.
Von Reuters befragte Analysten gehen davon aus, dass der Preisanstieg in Deutschland im Schnitt bei 2,1 Prozent lag - das wäre das erste Mal seit Ende 2008, dass die Teuerungsrate über der für die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wichtigen Marke von zwei Prozent liegt. „Die Benzin- und Nahrungsmittelpreise treiben die Inflation nach oben“, sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.
Wichtigster Preistreiber sind die steigenden Energiepreise: Benzin und Diesel kosten derzeit angesichts der Turbulenzen in Libyen so viel wie seit Sommer 2008 nicht mehr. Für einen Liter Diesel müssen nach Angaben des ADAC die Autofahrer derzeit im Schnitt 1,427 Euro zahlen, für Benzin sind sogar 1,545 Euro fällig. Hintergrund sei der gestiegene Ölpreis, sagte ein ADAC-Sprecher. „Das zahlen die Autofahrer.“ Der teure Sprit dürfte auch in den kommenden Monaten die Lebenshaltungskosten in die Höhe treiben, sagten Experten.
"Gefahr von vier Prozent Teuerung im kommenden Jahr"
In den Februar-Daten sind nach Angaben der Statistiker die Preiserhöhungen der vergangenen Tage noch nicht enthalten, weil die Daten bereits zur Monatsmitte erhoben wurden.
Doch nicht nur Autofahren wird teurer. Auch für Heizung und Strom müssen die Verbraucher mehr zahlen. Verglichen mit dem Vorjahr kostete Strom etwa in Hessen 7,4 Prozent mehr, Gas verteuerte sich um 5,5 Prozent. Und auch hier stehen weitere Preiserhöhungen an: Mindestens 78 Stromversorger wollen ihre Preise im März und April nach Angaben des Internet-Portals Toptarif.de um bis zu 14,1 Prozent anheben, bei Gas planen 36 Anbieter Preiserhöhungen.
Obst, Gemüse, Fleisch und andere Lebensmittel schlugen in Bayern 3,6 Prozent mehr zu Buche als vor einem Jahr. Die Preise für Grundnahrungsmittel steigen derzeit weltweit. Teures Brot gilt als einer der Katalysatoren für die Revolutionen in Nordafrika, die mit Demonstrationen hungernder, unzufriedener und arbeitsloser Jugendlichen begannen und mit dem Sturz der autoritären Regime in Tunesien und Ägypten endeten. Derzeit kämpft Libyens Alleinherrscher Muammar al-Gaddafi um seine Macht.
Günstiger zu haben als vor einem Jahr waren Gebrauchsgüter wie Fernseher, Möbel oder Bekleidung. Doch auch hier zeichnet sich eine Trendwende ab: Der vom Schweizer Forschungszentrum für Wirtschaftsstatistik der Universität Fribourg berechnete Preisindex für die 50 am seltensten gekauften Güter in Deutschland erreichte im Januar den höchsten Stand seit zwei Jahren. „Der Inflationswind dreht sich“, sagte Statistikprofessor Wolfgang Brachinger.
Viele Experten gehen davon aus, dass die Lebenshaltungskosten in Zukunft stärker steigen. „Es besteht die Gefahr, dass wir im kommenden Jahr in Richtung vier Prozent gehen könnten“, sagte Postbank-Experte Heidrich. „Die Frage ist, wie es der Europäischen Zentralbank gelingt, die Geldpolitik zu straffen, ohne den Aufschwung abzuwürgen.
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