Der kalte Winter treibt die Heizkosten nach oben: Mietern und Wohnungseigentümern drohen für 2010 Nachzahlungen an ihre Gasversorger. Noch höher fallen die Ausgaben für Ölheizungen aus.
Haushalte mit Gasversorgung müssten für 2010 mit Mehrkosten von rund 4,5 Prozent rechnen, obwohl sich die Gaspreise in der Summe kaum bewegt hätten, teilte das Verbraucherportal toptarif.de am Donnerstag mit. Gründe seien der frostige Start ins Jahr sowie der ungewöhnlich kalte Dezember.
Wer Geld sparen will, schaltet nachts oft die Heizung ab. Das sei falsch und bringe nichts, so der Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Denn das Abschalten der Heizung kann bei Minusgraden zu Frostschäden führen. Außerdem benötigt man am nächsten Tag umso mehr Energie, um die abgekühlten Zimmer wieder aufzuheizen. Der Expertenrat des Verbandes empfiehlt daher, die Temperatur im Haus nachts nur etwas zu verringern, aber nicht unter 16 Grad fallen zu lassen. Außerdem sollten die Mauern außen und innen regelmäßig auf Frostschäden kontrolliert werden.
Hausbesitzer und Mieter sollten alle Räume beheizen. Platzt zum Beispiel ein Wasserleitungsrohr, weil es zu kalt war, könne die Gebäudeversicherung die Leistungen kürzen, erklärt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. Die Heizung sollte daher auch in ungenutzten Zimmern nie vollständig zugedreht werden. Für Verbraucher, die ein paar Euro Heizkosten sparen wollten, könne ein Leitungswasserschaden teuer werden, warnt der GDV. Besonders groß sei die Gefahr eines Wasserleitungsschadens in wenig genutzten Gäste- und Arbeitszimmern, im Keller, Vorrats- und Abstellräumen. Die Frostschutzstellung am Heizkörperventil schaffe nur bedingt Sicherheit. Der sogenannte Frostwächter sorge lediglich dafür, dass der Heizkörper nicht einfriert. Rohre, die entfernt vom Heizkörper verlegt sind, würden dadurch nicht geschützt.
Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Haushaltskasse. 2,6 Tonnen CO2 verursacht jeder Deutsche im vergangenen Jahr, vor allem durch Heizen und Autofahren – der indirekte Ausstoß durch den Kauf von energieintensiv produzierten Waren ist dabei noch nicht eingerechnet. Zudem machen Heizkosten gut 80 Prozent des Energieverbrauchs im Haushalt aus. Wer die Raumtemperatur nur um ein Grad senkt, spart sechs Prozent Heizenergie, das entspricht etwa 5 Euro im Monat. Mit richtigem Lüften, gedämmten Wänden und dichten Fenstern und einer ordentlich gewarteten Heizung lässt sich ein Vielfaches sparen – an CO2 und Geld.
Die Steigerungen träfen besonders Haushalte mit Ölheizung, weil dort auch die Preise in die Höhe schnellten, teilte das auf die Erfassung von Energieverbrauch spezialisierte Unternehmen Techem mit. Demnach kommen auf die Bundesbürger für 2010 bei der Heizkostenabrechnung ihrer Ölheizung um 30 bis 50 Prozent höhere Ausgaben zu.
Im bundesweiten Schnitt haben die Bundesbürger laut Techem in den Wintermonaten Oktober bis Dezember des vergangenen Jahres 20 Prozent mehr Heizenergie verbraucht als im Vorjahreszeitraum. Regional fiel der Anstieg aber noch deutlich höher aus: Auf Sylt lag das Plus bei 28 Prozent, in Bamberg bei 27 Prozent und in Saarbrücken bei 26 Prozent.
Trotz des wachsenden Verbrauchs: Bei Gasheizungen ergibt sich nach den Berechnungen von Techem für 2010 ein Kostenanstieg um 7 bis 8 Prozent, da die Gaspreise zeitweise rückläufig waren. Nach Angaben von toptarif.de profitierten die Verbraucher noch immer von der Gaspreisentwicklung der vergangenen Jahre. Zwischen Frühjahr und Jahresende 2009 sanken die Gaspreise demnach in mehreren Schritten um rund 20 Prozent und blieben 2010 vergleichsweise konstant.
«Auf einen durchschnittlichen Haushalt entfallen zusätzliche Gaskosten von knapp 53 Euro», erklärt Daniel Dodt von toptarif.de. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft lag der Durchschnittsverbrauch eines deutschen Haushalts mit Gasheizung 2009 bei rund 15 200 Kilowattstunden im Jahr. «In größeren Haushalten, zum Beispiel bei Familien in Einfamilienhäusern, können auch Nachzahlungen von 100 Euro und mehr fällig werden.»
Eine Möglichkeit, sich in Zukunft vor steigenden Gaskosten zu schützen, sei der Anbieterwechsel. In vielen Regionen klafften zwischen günstigen und teuren Versorgern, beispielsweise für Familien, Preisunterschiede von 300 bis 400 Euro. (dpa)
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