Trotz der massiven Verteuerung von Weizen in Folge von Ernteausfällen wegen der Hitzewelle in Russland rechnet der deutsche Einzelhandel nicht mit einem Preisschub bei Lebensmitteln. „Wir erwarten derzeit keine exorbitanten Preissteigerungen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Stefan Genth, am Freitag.
Ein Grund dafür sei, dass Getreide und Mehl stark verarbeitet würden, so dass höhere Rohstoffkosten nicht eins zu eins beim Verbraucher ankämen. „Das schlägt nicht direkt durch“, sagte Genth und verwies auf die Erfahrung vergangener Jahre, als die Getreidepreise ebenfalls stark gestiegen seien.
Die Hitzewelle und Brände in Russland hatten zuletzt zu einem russischen Verbot von Getreideexporten geführt und damit den Weizenpreis auf den höchsten Stand seit März 2008 getrieben. Seit Anfang Juli hat der Preis für das Grundnahrungsmittel etwa 50 Prozent zugelegt.
Während sich Lebensmittelhersteller wie die Bäckereikette Kamps oder der Nahrungsmittelriese Oetker gelassen zeigten, belasteten die gestiegenen Getreidepreise an den Börsen die europäischen Lebensmittelwerte. Der Branchenindex rutschte am Freitag um 2,1 Prozent ab. Die steigenden Kosten für Agrarrohstoffe fräßen die Margen der Lebensmittelhersteller auf, sagte ein Börsianer.
Mads Zink, Chefhändler der Danske Bank, bezeichnete die teilweise heftigen Kursreaktionen aber als übertrieben, vor allem bei den Bierbrauern, bei denen etwa Carlsberg oder Heineken in der Spitze zwischen vier und fünf Prozent nachgaben. Profitieren konnten von der Entwicklung indessen Düngemittelhersteller wie K+S, Yara und Potash, deren Aktien in Folge der russischen Brände und der daraus resultierenden Erwartung höherer Nachfrage nach Düngemitteln zulegten.
Leidtragende des Exportverbots sind die Entwicklungsländer in Asien, die weniger Weizen erhalten. So zogen zwei führende Getreidelieferanten ihre Zusagen an Bangladesch zurück, hieß es am Freitag. Das verarmte Land muss pro Jahr bis zu 2,5 Millionen Tonnen Weizen importieren. (rtr)
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