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19. Mai 2012

Thilo Sarrazin bei Günther Jauch: So hätte es sein können

 Von Robert von Heusinger (Thilo Sarrazin) und Stephan Kaufmann (Peer Steinbrück)
Thilo Sarrazin ist zurück. Foto: dpa

Bei Günter Jauch diskutiert Thilo Sarrazin mit Ex-Finanzminister Peer Steinbrück über den Euro. Unsere Autoren haben die Sendung im Vorfeld nachgestellt. Ein fiktives Streitgespräch.

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Sonntag 20. Mai, 21.45 Uhr, Talkrunde bei Günther Jauch im Ersten. Ganz Deutschland schaut zu. Die Kamera fährt an der Glasfassade des Gasometers in Berlin-Schöneberg entlang, dringt in den Saal ein.

Auf den Sesseln sitzen die Teilnehmer: links neben Jauch der mögliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, er hat zur Verstärkung den Weltökonomen und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt mitgebracht. Rechts sitzt der Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin, der sein neues Buch vermarkten möchte, das am Dienstag mit der ungeheuren Startauflage von 200.000 Exemplaren auf den Markt gebracht wird. Bis dahin darf es nicht rezensiert werden.

Die Mitspieler

Thilo Sarrazin (67, SPD-Mitglied) war bis 2010 im Vorstand der Deutschen Bundesbank. Seine Anti-Euro-Thesen hat sich Robert von Heusinger für unser fiktives Streitgespräch ausgemalt.

Peer Steinbrück (65, SPD-Mitglied) war bis 2009 Finanzminister. Die Positionen des Euro-Befürworters hat Stephan Kaufmann zusammengetragen.

Jauch: Guten Abend meine Damen und Herren, herzlich willkommen im Gasometer in Berlin. Drama in Europa: Griechenland steht vor dem Euro-Rausschmiss. Damit droht die Ansteckung anderer Euro-Länder, es wird vor Kapitalflucht und Bankenkrisen gewarnt. Die Euro-Zone könnte zerfallen. Aber: Wäre das so schlimm? Braucht Europa den Euro, Herr Sarrazin?

Sarrazin: Nein.

Steinbrück: Doch!

Sarrazin: Nein!

Steinbrück: Doch!

Schmidt: Peer hat recht.

Stopp! Gehen wir zurück an den Anfang. Herr Sarrazin, war die Einführung des Euro ein Fehler?

Sarrazin: Das sieht man doch jetzt. Was ökonomisch nicht passt, wird auch politisch nicht funktionieren. Der starke D-Mark-Block und die schludrigen Südländer, das konnte nicht gut gehen.

Thilo Sarrazin bringt ein neues Buch heraus.
Thilo Sarrazin bringt ein neues Buch heraus.
Foto: Imago

D-Mark-Block?

Sarrazin: Na ja, Deutschland, Holland, Österreich, Belgien und Luxemburg sowie Finnland, werden schon seit den 80er-Jahren als D-Mark-Block betitelt. Diese Länder haben wenigstens die Führung der Deutschen Bundesbank anerkannt und ihre Geldpolitik an Deutschland ausgerichtet. Anders geht es auch gar nicht. Soll die Währungsunion funktionieren, müssen sich alle teilnehmenden Staaten so verhalten, wie es die deutschen Standards vorschreiben. Die Südländer inklusive Frankreich dagegen wollten die D-Mark geschenkt bekommen, ohne sich anzustrengen. Und Bundeskanzler Helmut Kohl war so verblendet von seinem Europa-Gedusel, dass er sie ihnen in Form des Euro geopfert hat.

Steinbrück: Quatsch!

Schmidt (raucht)

Sarrazin: Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.

Haben wir denn Krieg in Europa?

Steinbrück: Deutschland ist mit Europa gut gefahren. Die Integration darf nicht rückgängig gemacht werden, sondern muss weiter gehen. Schließlich hat sie Europa Jahrzehnte von Wohlstand und – mit Ausnahme der schrecklichen Balkankriege – Frieden beschert.

Sarrazin: Dann sind Sie auch so ein Verblendeter, Herr Steinbrück. Sie argumentieren nach dem Motto: Alles, was Europa voranbringt, ist gut. Doch das ist pure Ideologie! Und gipfelt in der pauschalen Letztbegründung „Nie wieder Krieg!“ Damit sichert sich die Ideologie gegen Einwände aus der Realität ab. Das ist ja schon Religionsersatz bei Ihnen. Aber wie die Krise zeigt, zerschellt die Ideologie gerade.

Steinbrück: Von welcher Realität sprechen Sie? Haben wir denn Krieg in Europa?

Schmidt: Peer, jetzt kommen Sie doch mal auf die Wechselkurse zu sprechen.

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