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Thyssen-Krupp: Fertigen Schiffsbauer bald Windräder?

Der Werftenverbund Thyssen-Krupp Marine Systems entscheidet wohl heute über einen Verkauf von Unternehmensteilen. Rund 5200 Beschäftigte in Emden, Kiel und Hamburg bangen erneut um ihre Jobs.

Ein für die deutsche Marine bestimmtes U-Boot auf dem Gelände der HDW-Werft in Kiel. (Archivbild)
Ein für die deutsche Marine bestimmtes U-Boot auf dem Gelände der HDW-Werft in Kiel. (Archivbild)
Foto: Foto: dpa

Hamburg. Der Werftenverbund Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) entscheidet wohl heute über einen Verkauf von Unternehmensteilen. Nachdem der Aufsichtsrat bei seiner vergangenen Sitzung Mitte September in Hamburg keine Beschlüsse fasste, bangen rund 5200 Beschäftigte erneut, ob es dieses Mal zu einer Entscheidung kommt.

Zum Verbund gehören die Nordseewerke in Emden, HDW in Kiel und Blohm & Voss in Hamburg.

Die IG Metall Küste befürchtet, dass sich TKMS auf den Bau von U- Booten und Marineschiffen spezialisiert und damit eine "Monostruktur" schafft, deren Auslastung abhängig von Regierungsaufträgen wird. "Tausende von Arbeitsplätzen an der Küste stehen auf dem Spiel", mahnten die Arbeitnehmervertreter.

Mehrfach hatten tausende Beschäftigte gegen eine Zerschlagung des Verbundes protestiert. Am Samstag waren spontan mehrere hundert Beschäftigte der Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) mit ihren Familien vorm Werkstor in Kiel zusammengekommen, um durch ihre Präsenz gegen eine Zerschlagung des Schiff- und U-Boot-Baubetriebs zu demonstrieren.

Sie wehren sich gegen einen Verkauf des Bereichs Handelsschiffbau (HDW-Gaarden GmbH) an die Bremerhavener Rönner-Gruppe, die im Stahlbau tätig ist. Davon wären direkt 180 betroffen. Mittlerweile gibt es Spekulationen, dass dies nicht zustande kommen könnte.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat sich in einem der dpa vorliegenden Schreiben an Thyssen-Krupp für den Erhalt des Kieler Standorts eingesetzt. Er appellierte an den Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz, "die Entscheidungsverfahren nicht einem möglicherweise der kurzfristigen Bilanzpolitik geschuldeten Zeitdruck auszusetzen."

Er forderte zu einem transparenten, abgewogenen und mit den Beschäftigten offen kommunizierten Verfahren auf. Carstensen will auch wissen, ob alle Möglichkeiten ausgereizt wurden, um Aufträge im Offshore-Bereich zu akquirieren.

Gesamtmetallpräsident Martin Kannegiesser sieht wenig Hoffnung für die mit schweren Problemen kämpfenden deutschen Werften. Es gebe keine Patentlösungen, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Man kann keine Schiffe auf Vorrat bauen, wenn die Bestellungen ausbleiben." Die Werften waren in das Fahrwasser der Wirtschafts- und Schifffahrtskrise geraten.

"Wir haben noch 'mal eins draufgelegt", sagte Achim Haas vom HDW- Betriebsrat zu der Protest-Veranstaltung. "Wir wollen auch in Zukunft eine Produktion im zivilen Bereich und Off-Shore-Plattformen für Windkraftanlagen bauen." Bei HDW arbeiten insgesamt mehr als 2000 Mitarbeiter, das Gros im U-Boot-Bau.

Die Nordseewerke sollen an den Windkraftanlagenbauer Siag verkauft werden. Dann würden 700 Frauen und Männer künftig Windkraftanlagen fertigen, die Hälfte der bisherigen Belegschaft. Gewerkschaft und Betriebsräte sperren sich grundsätzlich nicht gegen eine Neuausrichtung auf den Windkraft-Offshore-Bereich, sie wollen einen übereilten Verkauf aber verhindern und mit dem TKMS-Vorstand alternative Konzepte beraten. Bei Blohm + Voss mit mehr als 1500 Beschäftigten steht der Yachtbau infrage, ein Investor wird gesucht.

Die IG- Metall sieht den Verkauf der HDW-Gaarden an die Rönner- Gruppe als kritisch an, weil ein "Kleiner auf einen Großen" zugreift. Es sei fraglich, ob dahinter ein tragfähiges Konzept steht, sagte ein IG-Metall-Sprecher. Dieses Skepsis sei offensichtlich auch auf der Arbeitgeberseite durchgedrungen, sagte er zu Spekulationen um eine Verkaufsabsage.

TKMS-Vorstandschef Hans Christoph Atzpodien hatte bei einer Großdemonstration in Hamburg versichert, die Beschäftigung an allen drei Standorten ohne betriebsbedingte Kündigungen sichern zu wollen. Er machte aber auch deutlich, dass eine Entscheidung noch in diesem Geschäftsjahr fallen soll; es endet am 30. September.

Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rudolf Hickel hatte der TKMS-Unternehmensführung vorgeworfen, den Umbau des Verbundes verschlafen zu haben. Seit Jahren setzt der ruinöse Preiswettbewerb asiatischer Werften den deutschen Standorten zu; hinzu kommt in der Krise eine Überversorgung mit - zum Teil noch in Bau befindlichen - Containerschiffen. (dpa)

Datum:  27 | 9 | 2009
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