Duisburg. Der alte Patriarch hat einen Arbeitskampf bei ThyssenKrupp verhindert: Berthold Beitz, 96-jähriger Chef der Krupp-Stiftung, hat am Mittwoch höchst persönlich zwischen Mitarbeitern und dem Firmenmanagement vermittelt. Nach wenigen Stunden ging die Aufsichtsratssitzung des Stahlriesen in der Essener Villa Hügel mit einer gemeinsamen Erklärung auseinander.
"Wir können heute wieder ruhig schlafen", sagt Thomas Schlenz, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, zur FR. Die beiden drängendsten Befürchtungen seien nun aus der Welt geschafft: Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen und die branchenweit einmalige starke Mitbestimmung der Beschäftigten bleibt erhalten.
Verwirrende Kehrtwenden
Damit vollzieht der Duisburger Konzern die dritte Kehrtwende innerhalb weniger Wochen. Zuerst sollten fünf Sparten in zweien gebündelt werden, dann wiederum in einer Holding zusammenfließen. Nun sollen die fünf Zwischenholdings aufgelöst und die Geschäfte in acht Bereiche aufgeteilt werden, die direkt an die Leitung der AG berichten. Durch zwischengeschaltete Führungsebenen und Beiräte sind die Mitarbeiter wieder an einflussreichen Stellen präsent - und so haben ihre Vertreter auf der Aufsichtsratssitzung für den Umbau gestimmt.
Vorgesehen ist auch eine Zukunftssicherung für den Stahlstandort Deutschland. Neue Werke in Brasilien und den USA sollen den deutschen Fabriken nicht schaden. Mit diesem Konzept konnten auch die Betriebsräte leben. "Die Zustimmung ist einstimmig erfolgt", sagte Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz. Er will mit dem Umbau die Führung des Konzerns straffen und rund 500 Millionen Euro sparen.
Die Einmütigkeit zwischen Beschäftigten und Managern hat bei dem vor zehn Jahren fusionierten Konzern Tradition. Durch die überraschenden Ankündigungen von Schulz wurde dieser Konsens jedoch aufgekündigt, die Arbeiter drohten mit Streiks und hatten in dieser Woche bundesweit zu tausenden demonstriert. "Ein Konzernumbau ohne die Beschäftigten ist aber nicht möglich", sagte Betriebsratschef Schlenz. "Mit dem jetzigen Plan können Mitarbeiter und Manager sich wieder auf Augenhöhe begegnen." Die eigentliche Arbeit, räumt Schlenz ein, beginne allerdings erst jetzt.
Denn die wirtschaftliche Entwicklung des einst so florierenden Unternehmens ist kaum abzusehen. Die Produktion ist branchenweit eingebrochen. Sicher ist, dass 2000 Mitarbeiter der Stahlsparte gehen müssen. Ein laut Gewerkschaften "großzügiger Sozialplan" soll aber einen freiwilligen Weggang ermöglichen. Insgesamt stehen aber noch tausende weitere Jobs auf der Kippe.
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