„Die deutsche Wirtschaft startet mit Elan in das neue Jahr“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das sind gute Nachrichten. Noch vor kurzem hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) eine pessimistische Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage abgegeben. Die deutsche Wirtschaft jedoch zeigt sich relativ robust.
Sie scheint um eine Rezession herumzukommen. „Es gibt keine Anzeichen, dass wir in eine Rezession rutschen, die auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen könnte“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. „Voraussetzung hierfür ist, dass die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise in geordneten Bahnen verläuft“, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).
Klima: Trotz Euro-Finanzkrise wächst der Optimismus bei deutschen Firmen. Im Januar bewerteten die Unternehmen die Geschäftsaussichten deutlich besser als noch im Dezember.
Wachstum: In anderen Euro-Ländern sieht es dagegen düster aus. Besonders die Ökonomien Südeuropas haben ihre in der Finanzkrise erlittenen Verluste noch lange nicht aufgeholt.
Im Januar stieg der vielbeachtete Ifo-Geschäftsklimaindex den dritten Monat in Folge. Das bedeutet: Die wirtschaftliche Talfahrt nähert sich ihrem Ende. Ganz anders im Rest Europas, wo die Aussichten weiter düster sind. Die Konjunktur-Schere innerhalb der Euro-Zone öffnet sich weiter.
Im Januar legte der Ifo-Index gegenüber dem Vormonat von 107,2 auf 108,3 Punkte zu. Zwar bewerteten die 7000 vom Ifo-Institut befragten Firmen im Durchschnitt ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als im Dezember. Gleichzeitig aber sahen sie die Entwicklung in den nächsten sechs Monaten zuversichtlicher.
Zentralbank schafft Ruhe
Damit ist eine Trendwende nah. Bereits in den beiden Vormonaten hatte der Ifo-Index zugelegt. Drei Monate steigender Ifo-Index hintereinander bedeuten üblicherweise, dass sich die Konjunkturlage verbessert. „Zumindest in den vergangenen 20 Jahren funktionierte diese einfache Regel ohne Ausnahme erstaunlich zuverlässig“, erklärt Andreas Rees, Ökonom bei der Bank Unicredit.
Die bessere Stimmung bei deutschen Unternehmern hat laut Commerzbank zwei Gründe: zunächst eine Beruhigung in der Euro-Krise, die allerdings weniger den beschlossenen Sparpaketen geschuldet ist, sondern der Europäischen Zentralbank (EZB) zu verdanken sei. „Die EZB lässt den Ifo steigen“, so Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Bank.
Im Dezember hatte die Zentralbank den Banken über drei Jahre - und damit ungewöhnlich lange - hohe Mittel zu Niedrigstzinsen bereit gestellt. „Diese sichere und günstige Finanzierung haben vor allem Banken aus den Euro-Randstaaten genutzt, um wohl auch auf Drängen der eigenen Regierungen Anleihen ihrer Staaten zu kaufen“, so Krämer. Vor allem deshalb seien die Renditen spanischer und italienischer Anleihen deutlich gesunken, was die Euro-Krise entschärfte.
Neben der EZB sorgt vor allem das Ausland für neue Hoffnungen. So stürzt der Boom in China nicht in sich zusammen, sondern schwächt sich nur ab. Die Wirtschaft wuchs 2011 um fast neun Prozent, und das Geschäftsklima bessert sich bereits wieder – nicht nur in China, sondern auch in Taiwan, Indien und Singapur. Dazu kommt eine sich langsam erholende US-Konjunktur.
Während es in Deutschland also nach einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im Winter schon bald wieder bergauf geht, stecken andere Länder der Euro-Zone noch fest . Frühindikatoren deuten auf eine Rezession in Italien und Spanien hin. In Griechenland und Portugal geht die Talfahrt ungebremst weiter. „Nie zuvor in den vergangenen zehn Jahren gab es so große Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung“, so Carsten Klude von der Bank M.M. Warburg.
Diese Divergenz könnte sich weiter vertiefen. Denn im Vergleich zu Deutschland seien die südeuropäischen Staaten wenig wettbewerbsfähig und könnten daher nicht so stark am Aufschwung im Rest der Welt teilhaben. Um die derzeit bestehenden Wettbewerbsnachteile bei den Lohnstückkosten aufzuholen, werden die Länder Südeuropas laut Klude „erheblich mehr als zehn Jahre benötigen“.
Zudem sind nach dem Zinsanstieg neue Kredite für Südeuropa teuer. Deutschland hingegen gilt für Kapitalanleger als sicherer Hafen in Europa und erhält daher Geld zu geringen Zinsen. „Der deutsche Staat, die Unternehmen und Verbraucher dürften so gesehen von der Schwäche einiger Euroländer profitieren“, so Klude.
Irrationale Märkte
Dennoch ist die deutsche Konjunktur noch nicht gerettet. Denn die Euro-Krise kann sich wieder verschärfen, trotz Unterstützung durch die Zentralbank. „Die EZB kann mit der Notenpresse Zeit kaufen, die Staatsschuldenkrise aber nicht lösen“, mahnt Commerzbank-Volkswirt Krämer. Daher werde die Wirtschaftsleistung Deutschlands auch im Jahresverlauf nur verhalten zunehmen.
Auch ein ungeordneter Zahlungsausfall Griechenlands oder eine Pleite Portugals drohen weiter. „Ein erneuter Misstrauensschock stellt ein großes Abwärtsrisiko dar“, so Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. „Die Vorstellung, alles sei durch die EZB steuerbar, könnte sich im Falle stark irrationaler Verhaltensweisen der Finanzmarktteilnehmer als Trugschluss erweisen.“
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