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Trüber Trend: Konjunktur wird beerdigt

Schlechte Stimmung bei der Wirtschaft: Der Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt unerwartet stark. Zufrieden ist nur die Arbeitsagentur.


Foto: FR-Infografik

Die deutsche Konjunktur gerät immer stärker ins Schlingern. So hat sich die Stimmung in der Wirtschaft weiter eingetrübt. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel im September erneut stark von 94,8 auf 92,9 Punkte. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte dazu, der wichtigste Konjunkturindikator setze "seinen Abwärtstrend mit Riesenschritten fort". Die Unternehmen seien mit ihrer derzeitigen Geschäftslage sehr viel unzufriedener als noch im August. "Ihre Perspektiven für das kommende Halbjahr schätzen sie ebenfalls schlechter ein."

Der ifo-Index ist mit Unterbrechungen seit vergangenem Herbst gefallen. Er liegt nun auf dem tiefsten Wert seit Jahren und damit eindeutig in dem Bereich, der auf Abschwung der Wirtschaft hindeutet. Insbesondere der Teilindex für die aktuelle Geschäftslage stürzte im September regelrecht ab.

Hebel macht Mittag
Stephan Hebel.

Stephan Hebel, Mitglied der FR-Chefredaktion und politischer Kommentator, befasst sich in seinem Weblog mit dem Neuesten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur.

Das Wirtschaftsressort meldet miese Konjunkturerwartungen: "Die Rezession ist da." Ein gefundenes Fressen für die Hundts und Kannegiessers dieser Welt, oder? Diskutieren Sie mit!

Ihre Zukunftsaussichten hatten die befragten Unternehmen zuvor schon eher düster gesehen. Die Industrie berichtet der Umfrage zufolge von einer erheblich weniger guten Geschäftslage, und sie rechnet auch in den nächsten sechs Monaten vermehrt mit einer schwächeren Entwicklung. Die Chancen im Exportgeschäft sehen die Unternehmen zurückhaltender. Zusätzliches Personal wollen sie kaum noch einstellen.

Zugleich häufen sich die Hiobsbotschaften aus Amerika. Die Immobilienpreise sind dort noch immer im Sturzflug, die Bankenkrise findet abermals neue Opfer, und die Arbeitslosigkeit steigt so rasch wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Dagegen bescherten die vergangenen zwei Jahre Deutschland einen kräftigen Aufschwung. Im Mittel von 2006 und 2007 wuchs die deutsche Wirtschaft um je 2,7 Prozent, etwa so viel wie der Durchschnitt der alten EU-Länder. Dort mehren sich mittlerweile jedoch ebenfalls die negativen Stimmen. Das Geschäftsklima in Italien beispielsweise hat sich im September etwas stärker als erwartet eingetrübt. Das gleiche gilt für Frankreich und seine aktuelle Erhebung. Der Index sank hier auf 92 von 97 Punkten im Juli.

"Es wird keine lokale Rezession geben, sondern eine globale", sagt Gustav Horn vom gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Über weltweite Nachfragerückgänge und schwierigere Finanzierungsbedingungen werde auch die deutsche Wirtschaft getroffen. "Das Bankensystem ist weltweit in der Krise", so Horn. Das werde sich auf die Kreditvergabe auswirken.

Ganz anders die Bundesagentur für Arbeit: Nach neuesten Prognosen geht sie von einem ausgeglichenen Ergebnis für ihr operatives Geschäft 2008 aus. Bei der Haushaltsaufstellung war noch mit einem Minus von 2,5 Milliarden Euro gerechnet worden. "Aufgrund der erfreulichen wirtschaftlichen Entwicklung konnte diese Erwartung nun nochmals korrigiert werden", hinkt die BA etwas hinter dem aktuellen Trend her.

Autor:  ROLAND BUNZENTHAL
Datum:  25 | 9 | 2008
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