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Übernahme-Poker: Durchbruch bei Opel-Verhandlungen

Beim Opel-Spitzentreffen im Kanzleramt ist Freitagnacht offenbar der entscheidende Durchbruch gelungen. Der Autozulieferer Magna und Mutterkonzern GM hatten sich zuvor auf einen Rettungsplan geeinigt.


Foto: dpa

Berlin. Bei den Rettungsversuchen für Opel ist ein Durchbruch gelungen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am späten Freitagabend aus Verhandlungskreisen in Berlin. Damit ist womöglich der Weg frei für die staatliche Milliarden-Überbrückungshilfe und das Treuhandmodell für Opel. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.

An dem Treffen im Berliner Kanzleramt nehmen die zuständigen Bundesminister und die Ministerpräsidenten der betroffenen Länder teil. Auch Magna-Ko-Chef Siegfried Wolf, der Präsident von General Motors Europe Carl-Peter Forster sowie ein Vertreter des US-Finanzministeriums sollen in Berlin anwesend sein.

Spezial: Autobauer

Chrysler ist insolvent. GM wankt und droht Opel mit in die Tiefe zu reißen. Porsche und VW kämpfen gegeneinander. Die Zulieferer leiden. Jobs sind bedroht. Spezial: Krise der Autobauer

Im Kanzleramt wird bei einem Spitzentreffen bis in die Nacht um die Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel gerungen.
Im Kanzleramt wird bei einem Spitzentreffen bis in die Nacht um die Rettung des angeschlagenen Autobauers Opel gerungen.
Foto: dpa

Der einzig verbliebene Opel-Interessent Magna hatte sich zuvor mit dem US-Mutterkonzern General Motors (GM) grundsätzlich auf eine Lösung verständigt. Dies war Voraussetzung dafür, dass Bund und Länder überhaupt in weitere Gespräche einsteigen.

Damit sind die Chancen für den dringend benötigten Milliarden- Überbrückungskredit und das Treuhandmodell für Opel gestiegen. Sollten die Verhandlungen scheitern, ist eine Insolvenz des Autobauers mit rund 25.000 Beschäftigten in Deutschland offenbar kaum noch abzuwenden.

Opel - Marke mit Tradition

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GM soll sich mit Magna geenigt haben.
GM soll sich mit Magna geenigt haben.
Foto: rtr

Der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna, der zusammen mit russischen Partnern bei Opel einsteigen will, hatte sich erst wenige Stunden vor dem erneuten Krisentreffen mit der US-Seite geeinigt. Dies betraf auch die strittige Frage der Lizenzgebühren. Andere Punkte wie das von der US-Regierung bisher abgelehnte Treuhand-Modell blieben zunächst ungeklärt. Die Bundesregierung hatte vor der Runde klare Zusagen von der US-Seite und von Magna verlangt. So sollte sichergestellt werden, dass keine deutschen Steuergelder in den USA versickern.

GM-Pleite als europäisches Problem

Auf einem Sondertreffen in Brüssel sprachen Deutschlands europäische Partnerländer der Bundesregierung eine Führungsrolle bei der Rettung von Opel zu. Es handle sich zwar um ein "europäisches Problem", im Anfangsstadium der Rettung der europäischen GM-Töchter habe Deutschland aber eine "führende Rolle". Besonders Schweden und Belgien hatten sich besorgt gezeigt, dass die Rettungsbemühungen Opels zu Lasten ihrer eigenen Standorte gehen.

GM steht kurz vor der Insolvenz und droht die europäischen Töchter Opel, Saab (Schweden) und Vauxhall (Großbritannien) mit in den Abgrund zu reißen. Die Teilnehmer der Konferenz pochten darauf, dass Staatshilfen nicht an Bedingungen wie den Erhalt von heimischen Arbeitsplätzen geknüpft werden dürfen.

In den USA laufen derweil die Vorbereitungen zur GM-Insolvenz auf Hochtouren. Die offizielle Ankündigung wird am Pfingstmontag bei einer Rede von US-Präsident Barack Obama erwartet, wenn das von ihm gestellte Ultimatum für den gut 100-jährigen Opel-Mutterkonzern abläuft. Bereits bis Samstagabend müssen die Gläubiger entscheiden, ob sie die zur Rettung von GM geplante weitgehende Verstaatlichung mittragen.

In diesem Fall wird auf eine schnelle Sanierung von GM gehofft, wobei der Staat die Finanzierung übernehmen würde. Berichten zufolge sind mindestens 50 Milliarden Dollar nötig, neben den geleisteten Hilfen von knapp 20 Milliarden Dollar. An der Börse löste die bevorstehende Insolvenz einen Kurssturz aus. Die GM-Aktie fiel in New York um weitere 20 Prozent zum Vortag auf unter einen Dollar.

Keine Opel-Rettung um jeden Preis

Bund und Länder wollen die Finanzrisiken im Fall Opel so gering wie möglich halten. Nach den Worten von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg will der Bund keine Rettung um jeden Preis. Zusätzliche Risiken seien dem Steuerzahler nicht zu vermitteln. Ein erstes Spitzentreffen war in der Nacht zum Donnerstag an neuen Geldforderungen von GM und fehlenden Sicherheiten für Staatshilfen gescheitert. Berlin hatte scharfe Kritik an der US-Seite geübt.

Der italienische Fiat-Konzern hatte eine Teilnahme an dem Treffen am Freitag abgesagt. Der Autobauer erklärte dies mit der Entwicklung der Verhandlungen. Die neuen Geldforderungen von GM "würden Fiat dazu zwingen, Opel finanziell zu unterstützen und sich damit unnötigen und irrationalen Risiken auszusetzen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne.

Er zeigte sich "überrascht und enttäuscht von den letzten Phasen der Verhandlungen". Fiat habe "keinen vollständigen Zugang zu finanziellen Schlüsselinformationen gehabt".

Berlin hatte vor der Runde eine Absichtserklärung ("letter of intent") zwischen GM und einem Investor verlangt. "Nur auf Grundlage dieser Verständigung kann dann die Bundesregierung die notwendige Entscheidung für die Überbrückungshilfen und das Treuhandmodell treffen", erklärte Steg. Die Zwischenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro werde nicht aufgestockt.

GM-Chef: Wollen kein zusätzliches Geld

GM hatte zuvor überraschend einen weiteren Finanzbedarf von 300 Millionen Euro angemeldet. Allerdings widersprach GM nach Informationen der FR in einem Telefonat mit dem Opel-Betriebsrat der Darstellung der Bundesregierung. Im Gespräch mit dem Opel-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz soll GM-Chef Fritz Henderson dargelegt haben, die Summe sei Bestandteil der bisher beantragten Überbrückungskredite von 1,5 Milliarden Euro.

Bei den Verhandlungen in Berlin sei es darum gegangen, die Teilsummen im Finanzplan zu verändern und eine Tranche früher auszahlen zu lassen. Henderson habe zudem berichtet, dass die Verträge zur Übertragung der Werke, Patente und Rechte an Technologien von GM an die Adam Opel GmbH und der Treuhandvertrag bereits von GM und dem US-Finanzministerium unterschrieben seien.

Die Zeit drängt: Ohne eine Einigung auf eine Brückenfinanzierung droht Opel Verhandlungskreisen zufolge innerhalb weniger Tage die Insolvenz. (dpa/sh)

Datum:  29 | 5 | 2009
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