Die Flugbegleiter proben den Ausstand. In einer Urabstimmung sprachen sich 96 Prozent von ihnen für einen Streik bei der Lufthansa aus, wie die Flugbegleitergewerkschaft UFO mitteilte.
Beobachter gehen allerdings davon aus, dass beide Seiten sich bemühen, doch noch eine Einigung zu erzielen. Hinter den Kulissen wird verhandelt. In den jüngsten Gesprächen habe es eine Annäherung gegeben, sagte ein Insider gestern.
In den seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen für die 16 000 Lufthansa-Flugbegleiter hatten sich Unternehmen und Gewerkschaft mehrmals angenähert - allerdings ohne eine Einigung zu erzielen. Die UFO-Führung war von ihrer Forderung von 15 Prozent abgerückt, die sich aus einer Lohnerhöhung und besseren Arbeitsbedingungen zusammengesetzt hatte. Die Lufthansa hatte auf dieser Basis nach eigener Darstellung zuletzt ein Plus von zehn Prozent geboten.
Sollte es kurzfristig zu einer Einigung kommen, würden den Lufthansa-Kunden erneute Flugausfälle und Verspätungen erspart bleiben. Die Fluggesellschaft selbst dürfte auf einen raschen Tarifabschluss setzen, um bei der ohnehin schwierigen Wirtschaftslage Buchungsrückgänge und Ausfälle zu vermeiden.
Aus diesem Grund werden Zugeständnisse an UFO erwartet. Auch die Arbeitnehmervertretung will es womöglich gar nicht auf einen Ausstand ankommen lassen. Erfahrungen mit unbefristeten Streiks hat die 1992 gegründete Organisation jedenfalls nicht. UFO beschränkte sich bislang auf Warnstreiks, durch die zu Jahresbeginn mehr als hundert Lufthansa-Flüge ausgefallen waren.
Konkrete Beschlüsse gebe es noch nicht, sagte UFO-Verhandlungsführer Joachim Müller. Die Tarifkommission wollte gestern darüber entscheiden. Zu Redaktionsschluss lag aber noch kein Ergebnis vor. Müller sprach davon, dass es nicht unbedingt sofort zu einem flächendeckenden Ausstand in ganz Deutschland kommen müsse.
Sollte die Gewerkschaft dennoch Ernst machen, wolle die Lufthansa die Auswirkungen auf die Passagiere so gering wie möglich zu halten, sagte eine Sprecherin der größten deutschen Fluggesellschaft.
Einer der Knackpunkte in den Verhandlungen war zuletzt der Streit über die Anrechnung von Zugeständnissen, die die Beschäftigten vor Jahren an das Unternehmen gemacht hatte. 2005 hatten die Mitarbeiter im Gegenzug für den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zwei Nullrunden, längere Arbeitszeiten und weniger Urlaub akzeptiert.
Nach Auffassung von UFO war der als "konzertierte Aktion" bekannte Vertrag bis Ende 2007 befristet, während die Lufthansa die Einschätzung vertritt, dass die Vereinbarung weiterhin gültig ist und ein Zurückdrehen erst einmal verhandelt werden muss. fw/rtr
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