kalaydo.de Anzeigen

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

24. Januar 2013

Umfrage zu Bürgerversicherung: Ärzte sind für Bürgerversicherung

 Von Timot Szent-Ivanyi
Eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen - das wünschen sich auch Ärzte. Foto: dpa

Einer Umfrage zufolge befürwortet inzwischen eine Mehrheit der Ärzte eine Bürgerversicherung. Doch nicht alle Experten sind dafür. Denn das würde das Ende der klassischen privaten Krankenversicherung bedeuten.

Drucken per Mail

Wer Umfragen in Auftrag gibt, muss damit leben, dass die Ergebnisse nicht im eigenen Interesse sind. Das ist gerade dem Finanzdienstleister MLP so ergangen: Aus dem „Gesundheitsreport 2012/13“, der vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von MLP durchgeführt wurde, geht hervor, dass inzwischen selbst bei den Ärzten eine Mehrheit (51 Prozent) für die Einführung einer Bürgerversicherung ist. Das ist überraschend. Denn eine Bürgerversicherung, in die auch Selbstständige, Beamte und Gutverdiener einzahlen, würde das Ende der klassischen privaten Krankenversicherung bedeuten.

In der Gesamtbevölkerung liegt die Zustimmungsrate mit 56 Prozent noch etwas höher. Eine Bürgerversicherung wird von SPD, Grünen und der Linkspartei gefordert. Sie fühlten sich durch die Umfrage bestätigt.

Die Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, sprach von einem bemerkenswerten Befund. Ein erheblicher Teil der Ärzte sehe einer Bürgerversicherung offenbar gelassen entgegen. Dies sei möglicherweise damit zu erklären, dass die Ärzte nach deren Einführung mit einem umfangreichen System an privaten Zusatzversicherungen rechnen, über das sie zusätzliche Leistungen abrechnen können. Der größte Teil der Ärzteschaft (47 Prozent) vertrete wohl auch aus diesem Grund die Ansicht, dass eine Bürgerversicherung keinen Einfluss auf die Qualität der Gesundheitsversorgung haben werde.

Besser keine Veränderungen

MLP-Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg nannte eine Bürgerversicherung gleichwohl einen Irrweg. Die Politik solle bessere Reformvorschläge liefern, damit das hohe Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitswesen gerechtfertigt bleibe. Die Zufriedenheit der Deutschen mit dem Gesundheitssystem ist tatsächlich so hoch wie lange nicht. Der MLP-Studie zufolge halten 82 Prozent der Befragten die Versorgung für gut oder sehr gut. Dieser Wert wurde zuletzt 1994 erreicht. Auch die Zufriedenheit mit der Gesundheitspolitik der Bundesregierung hat mit 26 Prozent einen Höchstwert erreicht.

Folgt man der Demoskopin Köcher ist der Grund für diese guten Werte aber wenig schmeichelhaft für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Köchers Argumentation: Da die Bürger Reformen im Gesundheitswesen eher mit einer Verschlechterung von Leistungen in Verbindung bringen, sind sie froh, wenn es keine Veränderungen gibt. Und genau das sei in den letzten Jahren passiert, schließlich habe es eine „weitgehende Abwesenheit von Reformdebatten“ gegeben.

Auf die Frage, welche Partei die besten Konzepte in der Gesundheitspolitik habe, entschieden sich nur drei Prozent für die FDP. Union und SPD kamen auf jeweils 15 Prozent. Fast zwei Drittel nannten keinen Favoriten. Das Fazit von Allensbach-Chefin Köcher: Keine der Parteien habe in der Gesundheitspolitik ein Profil.

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Videonachrichten Wirtschaft
Steueroasen
Beliebtes Steuerparadies: Cook Inseln.

Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.

FR-Forum Entwicklung
Das "Forum Entwicklung" ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Die FR diskutiert mit Polarexperte Arved Fuchs, Prof. Claudia Kempfert und Dr. Stephan Paulus.

Mitreden

Erst kippen die Banken - dann wackelt die Weltwirtschaft. Nun wird die Finanzbranche umgebaut - und der Staat stützt die Konjunktur. Reden Sie mit.

Smartphone-Markt
Anzeige
Animation

Die weltweite Ausbeutung der Schiefergas-Reserven könnte den Energiemarkt nachhaltig verändern: Animation mit Infos zu Vorkommen weltweit und der umstrittenen Fördermethode "Fracking".

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
FR-Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.

FR-Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Frauen in die Aufsichtsräte

Die EU will, dass 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein sollen. Für Vorstände gilt das nicht. Eine gute Lösung?

22% Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen.
67% Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht.
11% Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend.

Euro-Krise

Das Märchen von den Griechen

Von Stephan Kaufmann | 22 Kommentare
Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen.

Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen. Mehr...

Anzeige
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Anzeige
Lesetipp
        

Festlich gestimmt: Die Deutschen geben jährlich knapp 19 Milliarden Euro nur für Weihnachtsgeschenke aus.

Was Sie kaufen müssen, um den Euro zu retten - und wie Sie den Krisenländern helfen können.

Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."