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14. März 2013

Umstrittenes Sozialabkommen: Renault will in Frankreich mehr Autos bauen

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Das Renault Hauptquartier in Boulogne-Billancourt vor den Toren Paris. Foto: dpa

Die 45.000 französischen Renault-Arbeiter machen Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitszeit, um die Schließung von Werkstätten in Frankreich zu vermeiden. Die Gewerkschaften fühlen sich erpresst.

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Paris –  

Die Renault-Angestellten in Frankreich, die gut ein Drittel der weltweit 127 000 Konzernangestellten (inklusive Nissan) verkörpern, gehen weiter als je zuvor, um ihren Job zu behalten. Nach monatelangen Verhandlungen haben drei von vier Gewerkschaften einem Arbeitsabkommen mit der Direktion zugestimmt. Sie nehmen insbesondere das Einfrieren der Löhne und eine Verlängerung der Arbeitszeiten in kauf. Zudem akzeptieren sie, dass die Stellen von insgesamt 7500 pensionierten Angestellten in den kommenden Jahren nicht ersetzt werden.

Die Konzernleitung verpflichtet sich im Gegenzug, keine Fabrik zu schließen, wie das der Konkurrent PSA Peugeot Citroën 2012 beschlossen hatte. Renault will die Produktion in seinem Heimmarkt sogar binnen zwei Jahren von 530 000 auf 710 000 steigern; dazu sollen auch Kooperationen mit Nissan und Daimler beitragen. Unter dem Strich will der französische Konzern durch die Übereinkunft eine halbe Milliarde Euro einsparen, wie Vorsteher Carlos Ghosn am Mittwoch gegenüber der Wirtschaftszeitung Les Echos erklärte.

Hintergrund des Abkommens ist die Absatzkrise in Europa, die vor allem den französischen Herstellern schwer zu schaffen macht. Renault-Manager verhehlten in letzter Zeit nicht, dass Werkstätten wie etwa in Sandouville gefährdet seien. In Spanien schloss Ghosn im vergangenen November ein Abkommen, das neben längeren Arbeitszeiten Lohnkürzungen von bis zu 27 Prozent vorsieht.

CGT: Renault erpresst Arbeiter

Die wichtigste französische Gewerkschaft CGT sprach deshalb von "Erpressung" der französischen Arbeiter. Sie weigert sich, das Abkommen in Frankreich zu unterzeichnen. Nach einem Jahresgewinn von 1,7 Mrd. Euro im Jahr 2012 sei es unfair, den Arbeitern harte Konzessionen abzuringen, erklärt die CGT.

Ghosn verwahrt sich gegen ihren Vorwurf, er trage zur Verarmung der Arbeiter bei: "Unser Ziel ist es nicht, Frankreich auf das Niveau der Niedrigkostenländer zu drücken, sondern eine vergleichbare Produktivität wie in England, den USA oder Spanien zu erreichen", meinte er.

Die drei gemäßigteren Gewerkschaften CFE, CFDT und Force Ouvrière - die zusammen 64 Prozent der Renault-Arbeiter in Frankreich vertreten - verweisen ihrerseits auf den Umstand, dass die Lohnstagnation nur in diesem Jahr, der Produktionsausbau hingegen bis 2016 gelte. Das sei bei den herrschenden Überkapazitäten in allen Fabriken keine Selbstverständlichkeit.

Starke Einbrüche in Europa

In der Tat musste Ghosn einige Sparforderungen fallen lassen, da er konzernintern selbst unter Druck steht. Kritiker werfen ihm vor, Renault halte sich nur dank seinen Konzernpartnern Nissan (Japan) und Dacia (Rumänien) über Wasser. Diese globalen Kooperationen seien noch von Ghosns Vorgänger Louis Schweitzer beschlossen worden; unter Ghosn habe die Marke Renault aber starke Einbrüche in Frankreich und Europa erlitten, ohne dass der früher hochgelobte Konzernchef ein Gegenmittel gefunden habe. Dass Ghosn ein Hauptaugenmerk auf Elektrofahrzeuge richtet, wird von Experten ebenfalls sehr skeptisch verfolgt.

Die Branche wundert sich in Paris auch, dass die französische Regierung mit dem aktuellen Renault-Chef viel mehr Nachsicht übt als etwa mit PSA. Dies dürfte auch damit zu tun haben, dass sie am ehemaligen Staatskonzern Renault weiterhin mit 15 Prozent der Anteile beteiligt ist. Industrieminister Arnaud Montebourg - der PSA-Chef Philippe Varin noch unlängst als "inkompetent" gescholten hatte - unterstützt Ghosns Kurs vorbehaltlos; er begrüßte auch das neue Sozialabkommen ausdrücklich.

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