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14. Oktober 2011

Umweltschäden durch Fleisch: Deutscher Hunger vernichtet Regenwald

 Von Stephan Börnecke
Im schnitt isst jeder Deutsche 88 Kilo Fleisch im Jahr. Damit liegt er sechs Kilo über dem EU-Durchschnitt. Foto: dpa

Um den deutschen Fleischkonsum zu sichern, bräuchte man eine Fläche so groß wie Rheinland-Pfalz. Doch der Anbau für Futtermittel wird nach Südamerika ausgelagert. Wertvolle Lebensräume werden verdrängt.

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Frankfurt –  
Guten Appetit

Die Deutschen verbrauchen pro Kopf im Schnitt 88 Kilo Fleisch im Jahr – sechs Kilo mehr als im EU-Durchschnitt. Im Verbrauch eingeschlossen sind auch die Verfütterung an Haustiere sowie Knochenabfälle und andere Abfälle, die der Verarbeitung, der häuslichen Lagerung und Zubereitung zum Opfer fallen.
Der Verbrauch ist fast um 30 Kilo höher als der Verzehr. Wir essen im Jahr tatsächlich etwas mehr als 60 Kilo Fleisch, und zwar zu 60 Prozent Schweinefleisch. Die größten Fleischverbraucher sind die Dänen mit 111 Kilogramm. Heute wird in Deutschland dreimal so viel Fleisch gegessen wie 1850. Damals aßen die Deutschen hingegen noch 20 Kilo Hülsenfrüchte jährlich. Heute sind es noch 500 Gramm.

Der ungebrochene Appetit der Deutschen auf Schnitzel, Steak und Salamiwurst geht mehr denn je auf Kosten wertvoller Landschaften in Südamerika. Denn ohne das an Eiweiß reiche Soja wachsen in Europa deutlich weniger Schweine, Rinder und Hühner zu Fleischlieferanten heran. Das hat nach Angaben der Umweltstiftung WWF gravierende Folgen für Klima und Artenvielfalt.

Der WWF beziffert in seiner aktuellen Studie „Fleisch frisst Land“ den Flächenbedarf für den Sojaanbau, den die deutschen Fleischerzeuger nach Übersee ausgelagert haben, auf 19.000 Quadratkilometer. Das bedeutet: Würde man den Fleischhunger aller Deutschen hierzulande stillen wollen, dann müsste man das gesamte Bundesland Rheinland-Pfalz mit Soja bepflanzen.

Fleischbedarf verbraucht Fläche so groß wie Rheinland-Pfalz

Tatsächlich aber findet der Anbau der Sojabohnen, deren Reste aus der Ölherstellung als Schrot im Futtertrog landen, fast ausschließlich in Amerika statt. Doch der zunehmende Handel mit Soja hat dazu geführt, dass die Anbauflächen für Soja in Südamerika drastisch expandieren.

Ein horrender Wasserverbrauch und ein drastischer Rückgang der regionalen Artenvielfalt seien in den Anbauregionen die Folge, so der WWF. Dies beeinflusse das Klima. Zudem würden mit der Umwandlung natürlicher Lebensräume in Sojaplantagen große Mengen von Treibhausgasen freigesetzt. Davon sind in Argentinien beispielsweise die Trockenwälder des Chaco und die Nebelwälder betroffen. Diese gehören zu den am meisten gefährdeten Landökosystemen der Erde. In Paraguay sind von den atlantischen Regenwälder nur noch Fragmente übrig, heißt es in der WWF-Studie.

Fleischgenuss mit bitterem Beigeschmack

Brasilien wiederum hat mit 22 Millionen Hektar die mit Abstand größte Anbaufläche an Soja. Dort habe sich allein in den letzten zwölf Jahren die Anbaufläche verdoppelt. In dem südamerikanischen Land sei Cerrado, die Savanne Zentral-Brasiliens, besonders betroffen. Indirekt sei auch der tropische Regenwald des Amazonas tangiert, weil als Folge des Sojaanbaus in anderen Landesteilen die Tierhaltung in die Regenwaldzonen abgedrängt werde. Der WWF appelliert an die deutsche Bevölkerung, weniger Fleisch zu essen. Denn der „weltweit steigende Hunger nach Fleisch“, so WWF-Agrarexpertin Tanja Dräger de Teran, „hat einen bitteren Beigeschmack“.

Er trage zum Artensterben bei und heize das Klima an: 18 Prozent der weltweit erzeugten Treibhausgase gingen auf das Konto der Viehwirtschaft, sagt der WWF. Wenn schon Fleisch, so Dräger de Teran, dann solches aus ökologischem Anbau. Die WWF-Expertin verlangt zugleich von der EU, den Anbau heimischer Futterpflanzen zu fördern, um Übersee-Soja zu ersetzen.

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